Samstag, 7. November 2009

Nacharbeiten

Dienstag, 03.11.:
Frisch ausgeschlafen sollte der UNI-Tag sehr angenehm werden. Die guten Nachrichten über unerwartet hoch ausgefallene Midterm-Ergebnisse konnten den übrigen Beitrag zum fröhlichen Fortgang des Tages leisten.
Die Abendgestaltung sollte für einen Dienstag jedoch etwas ungewöhnlicher ausfallen. Aufgrund von angekündigtem familiären Besuch bei Stefan beschlossen wir kurzfristig, die donnerstägliche Pokerrunde auf diesen Abend vorzuverlegen.
Eingeläutet wurde der Abend mit einer riesigen Form voller Nudelauflauf-à-la-Roberts-Oma, der in Verbindung mit Hela-Gewürz-Ketchup ein besonderes Lob verdient. Während ich mich verzweifelt in der Runde zu halten versuchte, ließ ich mir von den Geschehnissen der letzten Tage berichten und arbeitete Halloween-Party-Erlebnisse und Spielhallen-Besuche nach.
Obwohl ich es das erste Mal schaffte, Hendrik alle Chips abzunehmen, sollte es am Ende dann doch nur für ein glorreiches, aber nicht bezahltes Treppchenplätzchen reichen.
Freu dich, lernen macht sich bezahlt!

Ellis Adé

Montag, 02.11.:
Am frühen Morgen (also schon vor neun Uhr) machte ich mich zum letzten Besuch bei meinen Eltern auf. Mit ein paar Croissants im Gepäck genoss ich ein letztes Mal die Annehmlichkeit eines Aufzugs, der mich in die fünfte Etage bringen sollte. Bei herrlicher Aussicht, klarem Himmel und schönster Sonne kredenzten wir Kaffee auf der Dachterrasse.

Dann war es soweit, die Koffer wurden gepackt und alle Kühlschrankreste vertrauensvoll ans liebe Kind übergeben. Nachdem alles hinunter geschafft war, machten wir uns wiederum zu Fuß auf den Weg zum Placa Catalunya und puckelten das Gepäck über die Rambla. Als ich Mutti und Vati sicher im Aerobus verstaut wusste, war die Uhrzeit leider schon so weit voran geschritten, dass keine Möglichkeit mehr bestand, vor Vorlesungsbeginn noch die riesige Tüte mit Brot, Kaffee, Limonade, Wein und Gewürzen nach Haus zu bringen und so blieb mir nichts übrig, als mein Naschtütchen mit in die UNI zu nehmen.
Nach ein paar fragenden Blicken bezüglich meiner mitgebrachten Lebensmittel gestalteten sich die Vorlesungen sogar recht unterhaltsam.
Als ich dann aber zu Hause war, musste ich einfach schleunigst ins Bettchen...Liebe Ellis, es war anstrengend - aber schön :-)
Freut Euch, Spanien ist "herrlich"!

Freitag, 6. November 2009

Von Golondrinas und Paella

Sonntag, 01.11.:
Relativ verschlafen begab ich mich bei bedecktem Himmel am späten Vormittag (also um 12 :-)) an den Anleger der Golondrinas von Barcelona. Dank des Rabatt-Carnets von der Bus-Touristik-Rundfahrt konnte das eingesparte Geld fürs Ticket dann für meinen ersten Kaffee heute verbraten werden (nett wie ich nun mal bin, hatte ich meine Kaffeereserven ins elterliche Apartment geschafft), bevor das Boot vom Steg ablegte. Der Ausflug führte uns durch den Hafen hinauf aufs offene Meer und ich kann nur sagen, dass die Sicht auf Barcelona von der Seeseite aus eine ganz neue, ganz andere ist und auf jeden Fall lohnenswert ist.
Die Strände vom World-Trade-Center entlang bis zum Forum genossen wir die Fahrt und den Seewind an Deck. Dank der Strandkarte wussten wir auch zu jedem Zeitpunkt, auf welcher Höhe der Stadt wir uns gerade befanden (denn nervige Erzählbären gibt es auf den Golondrinas nicht).
Auf der Rückfahrt klarte der Himmel plötzlich auf und bei strahlendem Sonnenschein gerieten wir mitten in eine Regatta, bei der Vati richtigerweise fehlendes Gegengewicht auf der Luv-Seite eines der Boote diagnostizierte und mich damit durchaus zu beeindrucken wusste.

Nach der 1,5-stündigen Fahrt hatten wir jedoch noch nicht genug vom Wasser und fuhren mit dem Bus an die Strandpromenade. Nach einem kurzen Spaziergang entlang der Sandburgenbauer, ließen wir uns in einem Strandrestaurant nieder und ich aß das erste Mal in meinem Leben Paella.
Mit Muscheln, Gambas, Langustinos und weiterem Meeresgetier konnte uns die Speisekarte eben locken und die Paella-Erfahrung vor der wunderschönen Strandkulisse hätte schöner nicht sein können.
Bei 20 Grad und Sonnenschein bekommt das Wort Novemberwetter doch eine ganz neue Bedeutung :-)
Die Metro brachte uns schließlich wieder weiter ins Landesinnere, denn der Besuch des Parc Guell stand als weiterer Tagesordnungspunkt auf unserer Liste. Tapfer stiefelten Mutti und Vati mit mir die steilen Straßen hinauf, um letztlich die großartige Parkanlage und die Aussicht auf die Stadt zu genießen. Lobende Worte gab es dabei für Gaudí, der mit seiner Wellenbank "praktische" Kunst erschaffen hatte, die bequemes Verharren zum Einbruch der Dunkelheit erlaubte.
Großartige Kulisse bescherte uns dann auch der Besuch einer Cervezeria am Plaza Reial, dessen Drei-Grazien-Brunnen, die Gaudí-Laternen und Palmen vom Licht des Vollmonds lauschig angestrahlt wurden.
Die Abendgestaltung sollte sich dann auf der Rambla de Raval fortsetzen, wo wir eine sehr ansprechende Bar auftaten und den letzten Abend des Elternbesuchs ausklingen ließen. Der (sogar mit kölschem Akzent) perfekt deutsch sprechende Gastwirt umsorgte uns mit Wein, Cava und leckeren Tapas, die unerwartet exzellent unsere Gaumen verwöhnten.
Freu dich, in Spanien gibt's viel zu sehen!

Haloween

Samstag, 31.10.:
Am späten Vormittag traf ich meine Eltern am Eingang des Marktes an der Rambla. Auch wenn nach 10 Uhr die Preise auf dem Markt steigen und somit die Küchenchefs und barcelonesischen Hausmütterchen schon wieder von dannen gezogen waren, sollte es ein toller Marktbesuch werden. Der Duft des aushängenden Schinkens, der Meeresfrüchte und der bunten Obststände konnte Mutti und Vati erwartungsgemäß beeindrucken. Nachdem die Runde über den schönsten Markt der Stadt absolviert war, beschlossen wir eine der uns von Vatis Reiseführer nahegelegten Markt-Imbisse für eine Mahlzeit aufzusuchen. Mitten im munteren Einkaufsgeschehen ergatterten wir drei Plätze direkt am Tresen einer der am besten besuchten Verzehrstellen. Vor unseren Augen bereitete der charmante Koch den frisch gefangenen Oktopus, Stabmuscheln und Gambas mit einer einzigartigen Knoblauch-Kräuter-Sauße zu. Bei einem Glas Wein genossen wir den Tumult und das mehr als empfehlenswerte Essen mitten in der Markthalle.
Danach zogen wir dann jedoch eine etwas ruhigere Umgebung vor. Gut, dass der im "schwatten Büdel" stets mitgeführte Reiseführer den perfekten Marco-Polo-Insider-Tipp für uns bereithielt: Direkt hinter dem Markt befindet sich ein antikes Krankenhaus (in welchem übrigens der hier schon öfter erwähnte Gaudí seinen Verletzungen erlag, nachdem er von einer Straßenbahn erfasst wurde), deren klösterlich anmutender Innenhof für Besucher frei zugänglich ist und mit einem netten Café auf uns wartete. Nachdem wir die Idylle mitten im Stadtzentrum aufgesogen hatten, schlenderten wir durch die Gassen des Raval zum Mercat von Sant Antoni, wo noch ein paar Leckrigkeiten erstanden wurden.
Diese verzehrten wir dann bei schönstem Wetter auf meiner Dachterrasse, bevor es zu Fuß wieder Richtung Rambla ging. Dabei kamen wir zunächst am MACBA vorbei, gingen dann über die am Wochenende wieder mit Schaustellern überhäufte Rambla und frönten dann ein wenig dem Schaufenstershopping. Handfeste Ergebnisse gab es natürlich trotzdem, denn wie es sich gehört, wurde als Andenken eine Barca-Flagge erstanden, die sicherlich bald (spätestens Samstag um 20 Uhr bitte) am Soltauer Fahnenmast gehisst wird.
Zum Essen machten wir uns heute etwas zeitiger auf als am Vortag, denn in der schon am Freitag erspähten Tappas-Bar am Hafen waren die Plätze rar.
Von großartiger Bedienung und mit bester Sicht auf die Brat-und Frittierstelle aßen wir uns an Thunfischbällchen, Käsekugeln, Sardinen, Calamares, Pimientos und Schokoladenkuchen königlich satt.
Die Flasche Cava dazu sorgte dabei für die nötige Zungenlockerung für angeregte Gespräche.

Danach ging ich noch mal kurz zurück in meine Wohnung, um die erfreuliche Kunde des erneuten Fortuna-Siegs zu beziehen und den Koffertausch (@Taito: Die Sachen dürften jetzt heil nach Wietzendorf kommen) einzuleiten.
Den weiteren Abend verbrachten wir dann bei verhältnismäßig lauem Oktoberwetter auf der elterlichen Dachterrasse. Die zahlreichen Halloweenveranstaltungen in der Stadt stellten nach dem lauflastigen Tag wohl kein ansprechendes Programm dar.
Stattdessen wurde eine eher kritische Haltung zu den Feierlichkeiten vor Allerheiligen an den Tag gelegt:
Der Ursprung von Halloween ist bei den keltischen Druiden aus Irland zu finden.
Die keltischen Druiden feierten das Neujahr am 31. Oktober, das so genannte "Samhain"-Fest.
Man glaubte, das an diesem Datum ungeheure Energien freigesetzt und gewaltige Begegnungen mit dem Totenreich sich ereigneten, da der Gott des Todes auf die Erde kam, um die Seelen der Toten einzusammeln. Dazu kam die Angst, wenn diese Toten-Geister den Weg nicht finden würden, diese ihr Unwesen unter den Lebenden treiben würden. Um diesem zu entgehen, wurden sogar Menschenopfer dargebracht.
Auch der Brauch der kleinen Kinder, die bei Halloween von Tür zu Tür gehen und "Trick or Treat" rufen, geht auf die Druiden zurück. Diese gingen damals genauso von Schloß zu Schloß. Die Zeche, die das Schloß zu zahlen hatte, war ein Kind für ein Menschenopfer frei zu geben.
Gefiehl dieser "Treat" den Druiden, ließen sie ausgehöhlte Rübe mit brennenden Kerzen aus menschlichem Fett zurück, um die im Hause lebenden Menschen in dieser Nacht vor einem Tod durch Dämonengewalt zu schützen.
Wurde die Forderung der Druiden nicht erfüllt, kam "Trick" dran: Ein Hexagramm wurde an die Haustür gemalt um den Dämonen als Zeichen zu dienen und das Haus regelrecht zu verfluchen..
Die Druiden brachten das Opfer brutal ihrem Gott dar: Kernos, dem Gott der Toten (Satan).
Ist es da nicht ein wenig fragwürdig, dass gerade Kinder, die im Ursprung das einzuholende Opfer darstellten, fröhlich durch die Nachbarschaft ziehen und unter der Halloweenflagge Süßigkeiten fordern?
Man weiß es nicht, aber ich war interessiert, diese mir bis dahin unbekannte Hintergrundgeschichte über diesen "Feier"tag von regelmäßigen Böhme-Zeitungs-Lesern erzählen zu lassen.
Freu dich, du lernst immer was dazu!

Mittwoch, 4. November 2009

Touri in Barcelona

Freitag, 30.10.:
Das Wetter sollte es am heutigen Tag wirklich gut mit uns meinen und so begaben Mutti, Vati und ich uns bei strahlendem Sonnenschein am Vormittag zum Placa Catalunya. Dort kauften wir Tickets für eine Stadtrundfahrt mit dem Bus und Mutti organisierte in ihrem besten Spanisch (welches gebrochenes Französisch ist) adrette türkise Kopfhörer, damit wir bei der Führung auf dem Deck auch mitbekommen würden, an welchen Sehenswürdigkeiten wir so vorbeikamen.


Mit der blauen Route fuhren wir alle innerstädtischen Highlights ab, angefangen am Passeig de Gracia, an welchem Vati schon allein aus Prinzip eine ironisch anmutende Abneigung gegen alle mit dem Architekten Gaudí in Verbindung gebrachten Gebäude entwickelte.

Offenbar hat er sich schon im Vorfeld in den ganzen Reiseführern an diesem Meister satt gelesen.
Ich bin jedoch immer noch der festen Überzeugung, dass Gaudí elementar zum gelungenen Stadtbild Barcelonas beizutragen wusste und genoss die Anblicke der Casa Battlo und Casa Mila aus dieser etwas höheren Perspektive als dem Fußweg.

Von der Placa Espanya ging es dann den Montjuic hinauf und ich sah zum ersten Mal nun auch von nahem die olympischen Spielstätten von 1992.

Den Berg hinunter ging es dann Richtung Wasser und am World Trade Center vorbei. Die AIDA im Hafen machte (auch wenn das nicht zum offiziellen Teil der Führung gehörte) ebenfalls Eindruck auf uns, bevor wir vom Columbus aus parallel zum Wasser an den olympischen Hafen fuhren.
Dann beschlossen wir, den Bus zu wechseln und mit der zweiten Route auch die weiter entfernten Viertel Eixample (mit der berühmten Sagrada Familia), Sarriá und Gracia kennenzulernen. Zur Mittagszeit hatten sich die Touristen nun zu Haufe aufgerafft und so mussten wir einige Zeit warten, um wieder einen Platz an Oberdeck zu ergattern.
Die Sonne war zwar von hier prima zu genießen, jedoch war die Tour an sich hier weniger spektakulär. Um die Sehenswürdigkeiten letztendlich zu sehen, hätte man immer aussteigen musste und unter Anbetracht der stetig langen Wartezeit beschlossen wir, einfach wieder die schon bekannte Runde zu drehen. Nach einer kleinen Toilettenpause bei Starbucks fuhren wir also wieder Richtung Innenstadt. Am Hauptbahnhof vorbei ging es wieder auf den Berg, der auch den wundervollen Palast beherbergt, von dem aus man den besten Sonnenuntergang bewundern kann.
Zurück am Hafen stiegen wir dann aus und ich führte meine Eltern an die hier entwickelten Champagneria-Gebräuche heran. Bei leckerem Cava und Xorico & Käsekuchen ließen wir es uns gut gehen.

Dann machten wir uns - diesmal mit der Metro - auf den Weg zur Placa Espanya, wo nach Einbruch der Dunkelheit die berühmten Magic Fountains für wonnige visuelle Eindrücke sorgen sollten. Mit musikalischer Untermalung konnte heute auch ich zum ersten Mal das Brunnen-Lichter-Spektakel aus nächster Nähe erleben und ich war wirklich beeindruckt.

Nach Ende der Vorstellungen brachte uns der Bus wieder an den Passeig de Colom und wir suchten eine schöne Lokalität zur Stillung des sich einstellenden Hungers.
In einem urigen Restaurant in der Nähe des Hafens testeten wir dann, was Barcelona Meeresfrüchtetechnisch so drauf hat und wurden alles andere als enttäuscht. Lediglich an die "manana-Mentalität" des Servicepersonals muss man sich einfach gewöhnen. Die vorzüglichen Calamares entschädigten mich dann aber in bester Weise für die lange Wartezeit.
Ausklingen ließen wir den voran geschrittenen Abend dann auf der Dachterrasse. Die lauen Temperaturen waren wiederholt Anlass für elterliche Ausrufe von Glückseligkeit.
Freu dich, es gibt immer was zu entdecken!