Montag, 31. August 2009

Warten lohnt: Nun ist es offiziell

Montag, 31.08.:
Nach frühem Aufstehen (so gegen halb elf ;-)) machte ich mich auf direktem Weg ins Bicing-Büro, um mein Interesse für den Fahrradgebrauch zu bekunden und die erforderlichen Schritte einzuleiten. Dass das ein tagesfüllendes Programm werden sollte, war mir nicht klar und so stiefelte ich noch frohen Mutes mit meinem Personalausweis ins "Zentrum für Mobilität". Als ich dort anfing, auf Englisch um umfassende Aufklärung zu bitten, wurde ich nur belächelt und auf unverständlichem Catalán nach "N.I.E." gefragt. Da keiner der Erklärungsversuche den fragenden Blick aus meinem Gesicht verschwinden lassen konnte, wurde kurzerhand ein Stadtplan mit wilden Zeichnungen versehen, die mich zum Polizeirevier an der Hafenpromenade führen sollten.
Immernoch unwissend, wer oder was N.I.E. ist, geschweigedenn wie ich es bekomme, machte ich mich also auf den Weg. An der winzigen Zweigstelle durfte ich mich dann in brütender Hitze in eine Schlange von ca. 40 anderen Wartenden einreihen, um dann endlich die Information zu bekommen, dass N.I.E. eine Identifikationsnummer ist, die mir bestätigt, Einwohner von Barcelona zu sein, dazu ein Formular auszufüllen ist und ich mich erneut anstellen müsse. Prima, eine weitere dreiviertel-Stunde später wurden meine Daten dann aufgenommen und eine Anmeldegebühr von 10 Euro veranschlagt. Geldbörse gezückt und das bereits bekannte Lächeln aus den Bicing-Büro, das mir sagen sollte, dass Verkomplizierung nichts wäre, das Deutschland für sich gepachtet hätte, sprang mir vom bewaffneten Polizeibeamten wieder entgegen. Nein, Geld wird hier nicht angenommen: Mit der vorläufigen Bescheinigung musste ich zu einer örtlichen Bank gehen, das Geld auf ein auf dem Formular angegebenes Konto einzahlen, mit der Bestätigung wieder zurückkommen und mich in die zweite, nicht minder lange Schlange stellen. Leider hatte ich bereits soviel Zeit mit Warten und Umherwandern verbracht, dass zur Siesta die in Frage kommenden Banken bereits geschlossen waren.
Also hieß es bis zum Nachmittag warten...Die Zeit konnte ich zwar mit einem Ersteinkauf bei Día überbrücken (das ist sowas wie KIK, nur für Lebensmittel :-D) und meinen 8-Liter-Wasser-Kanister in die Wohnung schaffen, doch hatte ich mir eigentlich ein bisschen weniger Bürokratie an diesem sonst so paradisisch anmutenden Fleckchen Erde gewünscht.
Naja, nach erfolgreicher Einzahlung und erneuter Wartezeit am Polizeiamt, hielt ich dann endlich meine offizielle Urkunde in den Händen, eine Residenz in Barcelona zu bewohnen. Der Stolz hierrüber und die Tatsache, dass ich bei dem dicht bewölkten Himmel durch das viele Warten keine entspannten Strandstunden verpasst hatte, konnten mein Gemüt dann aber wieder erhellen.
Auf dem Weg zurück zur Bicing begann es doch tatsächlich zu regnen (@ Christina: Hatten wir nicht ausgemacht, dass du NICHT herkommst, damit ich von diesem Wetter verschont bleibe??? :-D), jedoch war es so heiß, dass jeder Tropfen auf der Stelle verdunstete und ich trockenen Fußes nach einem langen Wartetag wieder zu Haus ankam.
Froh über den letztlich erfolgreichen Abschluss meiner Mission sollte das Erklimmen der nicht-enden-wollenden Treppe (ich gewöhn mich bestimmt dran und hör dann auf zu jammern!) die letzte körperliche Aktivität werden.
Nach einer kleinen Zwischenmalzeit klarte zu meiner Freude der Himmel wieder auf und ich genoss die Abenddämmerung auf meiner Dachterasse beim Schmökern im Reiseführer. Ich glaube, bevor die UNI losgeht, werde ich noch einen richtigen Touri-Tag einlegen!
Freu dich Wiebke - du bist jetzt auch offiziell Spanierin :-)

Marsch Marsch

Sonntag, 30.08.:
In der ersten Nacht in einem neuen Zuhause (also diesmal auch in meinem Bett und nicht auf dem Hausdach) gehen die Träume ja bekanntlich in Erfüllung - ich sehnte mich danach, an einem Ort aufzuwachen, an dem ich Palmen habe, das Meer, frisch gebrühten Kaffee und die Aussicht auf einen atemberaubenden Tag...Tadaaaa - hat sofort geklappt!
Nach einem ausgiebigen Müsli-Vormittag (Taito hat mir gefühlte 15kg Müsli hinterlassen, durch das ich mich erstmal durchfrühstücken musste) und der Einweisung in die Bedienung der auf dem Balkon platzierten Waschmaschine, zog es mich erneut in die Stadt. Es ist großartig nur 5 Minuten von der Rambla entfernt zu wohnen! Dort war wohl Hütchenspielertag, jedenfalls kam es mir vor, als wollte mich das Geschehen alle 10 Meter zum Amusement über die sich aufs Kreuz legen lassenden Touristen einladen.
Von dort aus ging es ziellos durch's Zentrum, immer auf der Suche nach Stellen, an denen ich noch nicht war. Das gestaltet sich in Barcelona ziemlich einfach, es soll sogar Menschen geben, die nach 30 Jahren, in denen sie hier leben, noch an Ecken kommen, die ihnen gänzlich unbekannt waren. Aber mein Plan schnellstmöglich meine Ortskenntnis zu verbessern, geht glaub ich ganz gut auf (jaja, ich komme irgendwie doch von meinen geliebten Plänen nicht weg), denn zu keinem Zeitpunkt hatte ich die Befürchtung, nicht wieder nach Haus zu finden.
Auf meiner Erkundungstour begegneten mir neben Malern, Musikanten (von Trommlern bis zu Opernsängern alles dabei!) und Akrobaten auch die auf allen Stadtplänen dick umrandeten Sehenswürdigkeiten, deren beeindruckende Beschreibung mit Worten einfach nicht zu erbringen ist.
Doch Fotos hab ich noch so gut wie keine gemacht, denn meine Kamera hab ich aus Vorsicht bisher "immer" (haha, ich bin ja auch schon ganze 2 Tage hier) zu Haus gelassen. Naja, vielleicht gewöhn ich mich ja in den nächsten Wochen so sehr ein, dass ich durch das „Überfall-Kandidat“-Raster durchfalle („je lässiger man sich gibt, desto eher wirkt man einheimisch und wird in Ruhe gelassen“ hab ich mir sagen lassen) und dann auch mal mit mehr als meinem Wohnungsschlüssel und einem Stadtplan in der unsichtbaren Bauchtasche von Schwesti aus dem Haus gehe.
Meine Vorsicht war auch meiner Mitbewohnerin Shelly nicht verborgen geblieben, die mir belustigt mitteilte, dass ich mich nicht in Johannisburg befinde und ich nicht so ein pessimistischer Angsthase sein soll. "Pah", diesen Gedanken hatte ich bei meinem Streifzug wieder im Kopf und ich beschloss mich wagemutig auf einen gemeinsamen Spaziergang mit einem an der Bushaltestelle kennengelernten Marokkaner einzulassen. Mein Wunsch Richtung Strand zu gehen bedeutete dann einen Abstecher zu seiner Wohnung (nein, Wiebke hat brav auf der Straße gewartet), um Strandhandtuch etc. zu holen. Mirnichts dirnichts befand ich mich auch schon im charmant ausgedrückt "leichten" Viertel von Barcelona, einer Straße, an der viele leicht bekleidete Frauen darauf warteten, von vobeikommenden Gönnern mitgenommen zu werden. Nachmittags um drei war das für mich eine eher belustigende als beängstigende Vorstellung, dennoch war ich beruhigt, dass ich Angsthase im lässigen Strandoutfit mit dem nichtssagenden Jutebeutel nichts dabei hatte, was ich im Fall der Fälle arg vermissen würde (außer mich selbst natürlich). Durch diese 10 Minuten weiß ich jetzt zumindest schonmal, wo ich mich nachts lieber nicht allein bewege und bin irgendwie zufrieden, dass ich mein Bild von Barcelona heute schon ein wenig umfassender gestalten konnte. Mutti, Vati: Mit einem Fremden mitgegangen, im kriminellsten Teil der Stadt gewesen, nichts passiert -> hier wird auch nur mit Wasser gekocht (@Fortuna: Phrasenschwein gibts in BCN nicht :-P).
Nach einem entspannten Strandnachmittag kamen meine Bekanntschaft und ich darüber überein, dass wir keine dicken Freunde werden und es dabei belassen. So zog ich dann wieder allein weiter und ließ mich von den überdimensional großen Sandkunstwerken, die den Rand der Promenade zierten, von den Socken reißen.
Auf dem Rückweg nach Hause wurde mir dann mein bisher größtes Problem bewusst: Was ist das richtige Schuhwerk für Unternehmungen dieser Art? Das Wetter (heute nur 31 Grad) verbietet es mir, die Wohnung mit etwas anderem als Schlappen oder Flipflops zu verlassen, jedoch ist dies für Erkundungstouren nicht unbedingt das Richtige. Jedenfalls kam ich zu diesem Schluss, als aus meinen Blasen blutige Wunden wurden.
Als Lösung für dieses Problem kam mir jedoch die glorreiche Idee, mich des Bicing-Netzwerks zur Überwindung von eigentlich fußläufigen Entfernungen zu bedienen. Selbst angeschaffte Fahrräder (diese Überlegung hatte ich bereits in Deutschland angestellt) werden einem in Barcelona förmlich unterm Allerwertesten weggeklaut, doch eben darum scheint der Fahrradverleih hier so ausgereift zu sein. Bicing hat in der Stadt 6000 Räder an über 400 "Parkplätzen" - und einer davon fast direkt vor meinem Hauseingang. Das wär's doch. Also wurde sofort der nächstgesichtete Radfahrer angesprochen und in gebrochenem Spanisch zur Handhabung dieses Systems befragt. Nach der Auskunft, dass man mit einem Jahresbeitrag von 30 Euro ziemlich günstig wegkommt, sofern man das Rad innerhalb von 30 Minuten an einer anderen Station wieder abstellt, konnte ich dem freundlichen Stadtbewohner sogar ein "Hablas bien español" abluchsen...Auch mit wundgelaufenen Gliedmaßen konnte meine Laune ab da nicht mehr getrübt werden :-) To-Do-Listen-Eintrag: Bicing-Pass organisieren!
Nach dem langen Tag ging es dann nur noch mal zum Gemüsehändler, bei dem ich meine, bereits einen Anflug von Wiedererkennung in den Augen erkannt zu haben (@ Vati: Achte drauf, der Begrüßungshandschlag kann nicht mehr weit sein ;-)), um Melone zu kaufen und dann ab zurück nach Hause.
Den Rest des verbleibenden Abends fröhnte ich dem sensationellen Geschmack frischen spanischen Obstes und dem Versuch, meine Gedanken und Erlebnisse denjenigen zugänglich zu machen, die es interessiert.
Ich freu mich, bis jetzt ÜBERleb ich Spanien :-D!

Der erste Barna-Tag



Samstag, 29.08.:
Am Morgen wurde von mir dann erstmal klar Schiff gemacht und alles einmal geputzt, bevor ich anfing meinen Koffer auszupacken. Mein Zimmer ist ziemlich knapp zu beschreiben: halt ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch, ein Regal, ein Heizlüfter (ich musste lachen, aber es kommt ja auch irgendwann der Winter) und ein Fenster. Das ist für mich aber alles kein Beinbruch, zumal ich ja nicht gedenke, abgesehen zum lernen und zum schlafen sonderlich viel Zeit in meinem Zimmer zu verbringen - BCN birgt so viele wundervolle Dinge, dass das sogar eine Sünde wäre ;-)
Dann hab ich, um mich mal gleich ein bisschen beliebt zu machen (ich weiß, hab ich ja gar nicht nötig, aber schaden tut’s ja nie), die Küche von den vom Grillfest hinterlassenen Spuren beseitigt (Spülmaschine ist leider kaputt, aber so verwöhnt bin ich ja nicht mal in Köln).
War zwar wohl noch nicht ganz korrekt, wie ich das gemacht habe (gibt hier sehr konkrete Vorstellungen, wie die Reinigung zu erfolgen hat, die genaue „Einweisung“ bekomme ich Sonntag, da hier irgend so ein jüdisches Gedöns Shelly heute von der „beruflichen“ Hausherrin- Tätigkeit abhält), aber es ist wohlwollend zur Kenntnis genommen worden :-D
Nachdem ich mich dann landfein gemacht habe, hab ich mich wieder ins Städtchen begeben, da mein nächster Punkt - die Anschaffung einer spanischen SIM-Karte - den Besuch eines der tausend Handy-Shops erforderte. Im Voraus über Minuten- und SMS-Preise schlau gemacht, konnte ich dann zielsicher die Yoigo-Karte käuflich erwerben, die mir national sowie international SMS für 9,28 cent beschert und zu gleichem Minutenpreis in alle spanischen Netze Gespräche erlaubt.
Die Nummer ist bei mir gegen eine geringe Bearbeitungsgebühr in Erfahrung zu bringen :-D, jedoch ist es für Euch Daheimgebliebene ja schlauer, mir im Fall der Fälle auf mein deutsches Handy zu schreiben, das kostet mich ja nichts und Euch ja auch nur den inländischen Tarif.
Dann zog es mich noch mal auf die Rambla, bei der akrobatische Spektakel meine Aufmerksamkeit so weit erregen konnten, dass ich am letzten Tag des Sommerschlussverkaufs nur 2 Kleidungsstücke zu Lasten meines Budgets erstanden hab und mich ansonsten einfach von kulturellen (oder wie man’s nimmt – vielleicht auch einfach nur touristischen) Aktivitäten hab entführen lassen :-D. Beklauen lassen hab ich mich bisher aber trotzdem nicht. Nach einem kurzen Abstecher zum laut Taito „besten Bäcker des Viertels“ und einem wirklich hervorragenden Baguette vom kostengünstigen Pakistanischen Brotmacher (und das will was heißen, denn ich bin jemand, der den Vergleich zu Didis Eifelbrot anstellen kann!) sowie ein bisschen Allioli und einer faustgroßen Nektarine vom Gemüsehändler bei mir vor der Tür, war auch der aufkommende Hunger gestillt.
Wieder in der Wohnung, sah ich in einem gemeinsamen IKEA-Besuch mit Shelly die willkommene Gelegenheit, meine neue Mitbewohnerin mal ein bisschen kennen zu lernen. Zwischen schwedischen Einrichtungsgegenständen (wovon einer mein für 20€ mitgenommener neuer Schreibtischstuhl „STEFAN“ ist ;-)) konnte ich dann herausfinden, dass es in dieser WG wichtig ist, dass jeder sein eigenes Leben hat. Also kein Fremdenführer für mich, sondern der nette Ratschlag, dass ich viel rausgehen soll und die Besonderheiten Barcelonas am besten selbst entdecke – und das ist mein Plan für die nächsten Tage (natürlich nachdem ich meine Badezimmer-Putzpflicht für diese Woche erledigt hab, vorbildlich wie ich bin @ Familiy: und alles ganz ohne Punkteplan- und Schere-Stein-Papier-Manier :-D). Rumlaufen, mich zurechtfinden, den Strand besuchen, Busfahrpläne organisieren (das Einzige, was mir bei meinen Metro-, Zug- und Stadtplanunterlagen noch fehlt: mein Vormieter hat mir obendrein sogar Reiseführer, Rabattmarken für Sehenswürdigkeiten, Grammatikbuch und Langenscheidts Wörterbuch dagelassen) und mich TUI-mäßig wohl fühlen.
Freu dich, du wohnst in Spanien!

Sonntag, 30. August 2009

Multikulti

28.08.:
Freitag nach dem Aufstehen (verständlicherweise etwas später) beschloss ich vor meiner Abreise aus Vilanova noch einmal den umwerfenden Strand und das Wasser zu genießen und mich Sobra-technisch der Umgebung ein bisschen anzupassen (@ Insider: ich bin doch eingecremt, da KANN nichts passieren! ;-))
Dann packte ich meine sieben Sachen wieder zusammen, bedankte mich nach 2 kostenlosen Nächten mit einem 8-Liter-Kanister Wasser und 2 Rollen Klopapier für die Gastfreundschaft und hievte mein Gepäck wieder zum Bahnhof. Kofferfreundlich ist die Metro mit ihren tausend Treppen wahrlich nicht, aber wenigstens bereitete mich das auf die Erklimmung des 4. Stocks vor (wobei es sich auf meiner Quart-Ebene eigentlich sogar um den 5. handelt, das "Erdgeschoss" liegt nämlich nicht ebenerdig) …
Und jetzt bin ich tatsächlich WG-Bewohner. Mattia kommt aus Italien und Shelly aus Israel. Die vierte Mitbewohnerin aus dem Libanon ist jedoch Donnerstag ausgezogen, somit darf man auf die nächste Nationalität für den künftigen Mitbewohner gespannt sein*lach. Hauptsächlich wird sich aber auf Spanisch (zwischendurch mal ein bisschen englisch) unterhalten.
Es gibt hier ein paar Regeln, die sich im Kommen und Gehen der bisherigen Bewohner dieser Wohnung (ich bin glaub ich die 12.) festgelegt haben. Es wird viel geputzt, was ich in einer Vierer-WG ziemlich sinnvoll finde und einmal die Woche gibt’s eine „Ruhestunde“, wenn Shelly einem reichen spanischen Kind Hebräisch-Unterricht gibt. Neben dem Balkon im Wohnzimmer gibt es noch eine umwerfende Dachterasse, die jedoch leider nur bis 23:00 Uhr genutzt werden darf (einer der 11 vorherigen Bewohner hat wohl mal ein bisschen zu heftig gefeiert) – wovon in Shellys Beisein aber wohl auch mal Ausnahmen gemacht werden dürfen. Einer davon durfte ich dann sofort beiwohnen, da spontan zu Taitos Abschied gegrillt wurde. Ebenso spontan (oder vielleicht auch einfach nur, weil meine Spanischkenntnisse noch nicht so ausgereift sind, dass ich von der Planung nichts mitbekommen habe), kamen dann noch ein Freund von Shelly aus Israel, ein Cousin von Mattia nebst 3 anderen Italienern und eine ehemalige Mitbewohnerin aus Norwegen mit ihrer Freundin und so wurde es ein multikultureller entspannter Abend über den Dächern von Barcelona – echt super.
Freu dich, du lebst Spanien!

Wohnungssuche

Donnerstag, 27.08.:
Nach einer guten, und weniger schweißtreibenden Nacht als erwartet, frühstückten Andrea, Alex und ich am Donnerstag gemeinsam, bevor sich die Zwillinge zum Friseur und einer kleinen Shoppingtour aufmachten und ich mich derweil entschloss zu überprüfen, ob das Meer auch wirklich da ist, wo ich es vermutet hatte :-D
Mein 20-minütiger Marsch durch die Innenstadt, in der sich die Geschäfte so langsam für die Siesta bereitmachten und die Läden runterließen, wurde mit einem prächtigen Anblick des Meers und Puderzucker-feinem Sandstrand belohnt. Nachdem ich meine Füße dann das erste Mal seit ziemlich langer Zeit wieder ins klare Meer gehalten habe und mich einige Momente von der wunderschönen Ausprägung der Natur hab berauschen lassen, sollte es dann aber schon wieder vorbei sein mit der entspannten Urlaubsatmosphäre. Denn die Wohnungssuche war für den ersten Tag in Spanien der höchst-priorisierte Punkt auf meiner to-do-Liste. Zwar hatte ich von Xavi keine „Deadline“ bekommen, bis wann ich sein Wohnzimmer wieder räumen müsste, aber ich fand es schon ehrenwert genug, jemanden, den man nicht kennt, überhaupt bei sich nächtigen zu lassen, und so wollte ich ihm nicht länger auf der Tasche liegen als nötig.
Und so ging es dann also wieder Richtung Barcelona. Nun im Hellen war die lange Zugreise noch viel weniger eine Strafe, denn jetzt erst fiel mir auf, dass sich der Weg von Vilanova nach Barcelona unmittelbar am Küstenstreifen entlang zog und man quasi den kompletten Weg lang vom glitzernden Blau des Ozeans – ummalt von Stränden, Felsen oder idyllischen Dörfern – begleitet und verwöhnt wurde.
In BCN-Sants wurde ich dann schon von Taito erwartet, mit dem ich mich dann das erste Mal im Metrofahren versuchen konnte. Dann schlenderten wir durch die Stadt, zum Hafen, über die Rambla und durch viele urige, einerseits alle gleich aussehende und andererseits doch alle ihren eigenen Charme versprühende, Gassen, bis ich dann wusste, dass das das Barcelona ist, welches ich kennen lernen möchte und ich definitiv eine zentrale Unterkunft bevorzuge. Auch wenn mir die schönsten Plätze wahrscheinlich schon gezeigt wurden, da Taito gebürtig aus Barcelona kommt und folglich Insider-Wissen mitbringt, ist auch alles, das nur halb so gut ist, ein Geschenk!
Ich wusste, dass Taito selbst irgendwann im September wieder nach Deutschland wollte und so hab ich dann mal gefragt, wie es denn mit seiner eigenen Suche nach einem Nachmieter läuft. Das Zimmer ist zwar sehr klein, jedoch hat es ein Fenster nach draußen, ist fast mitten in der Stadt (ohne aber von Touris überlaufen zu sein und nächtliche Ruhestörungen zu beinhalten)und ist obendrein bezahlbar.
Taito sagte, dass er nach Haus fährt, sobald er jemanden gefunden hat und schicksalhaft formte sich der formidable Gedanke, dass ich sein Zimmer übernehmen könnte.
Auf dem Weg über den ca. 100m vom Haus entfernten bedeutendsten „Wochenmarkt“ Mercat de la Boqueria, der täglich in einer riesigen Markthalle stattfindet, und weiteren Sinnesraubenden, gleichermaßen duftenden wie visuellen Eindrücken erzählte er mir dann über das Viertel „Raval“ und das Haus sowie deren Bewohner. Raval ist der westliche Teil des Zentrums und während der untere Teil, wie in vielen Reiseführern warnend erwähnt wird, eher kriminellen Energien unterworfen ist, ist der obere Teil ein sehr „belebbar“.
Und nachdem ich dann noch mal die 90 Stufen bis in den vierten Stock erklimmt habe, bei den anderen Mitbewohnern vorstellig wurde und mir sowohl ein Bild von den sehr reinlichen Zuständen der anderen Wohnräume als auch von den Bewohnern machen konnte, hab ich dann gesagt, dass ich das Zimmer nehme, wenn ich Freitag einziehen kann.
Und so war es dann….Wohnungssuche erfolgreich abgeschlossen :-) Zum zu Fuß auf direktem Weg 20-minütig entfernten Strand begleitete mich Taito dann noch, bevor ich mich dann nach einem leckeren und kostengünstigen Bocadillo in den etwas körnigeren Sand als in Vilanova setzte und mich einfach gefreut hab, dass ich diese Aussicht, das Meeresrauschen und dieses Flair nun jeden Tag haben kann.
Nachdem die Sonne sich dann verabschiedet hatte, setzte ich mich dann wieder mit Andrea und ihrer Schwester in Verbindung, die mittlerweile ebenfalls ein Apartment in Barcelona bezogen hatten, um mit ein paar Freunden und Kollegen eine spanische Sommerwoche zu genießen. Ich musste ja an den Schlüssel für die Wohnung in Vilanova kommen. Nachdem es dann fast 2 Stunden gedauert hat, bis wir uns am Strand gefunden hatten (jaja, schon blöd, wenn es am gleichen Abschnitt der Küste gleich mehrere Yachthäfen gibt :-D), wurde gemütlich am Strand den Wellen gelauscht und die Erlebnisse des Tages ausgetauscht. Da nach 23 Uhr weder die Metro, noch Züge bis nach Vilanova fahren, durfte ich meine Erkundungstour dann gleich an der Placa de Catalunya fortsetzen, von der aus ein Nachtbus die (mit dem Bus leider) 60-minütige Fahrt in die gewünschte Stadt antreten sollte. Nach der barfüßigen Umrundung (meine Flipflops mussten nach dem langen lauflastigen Tag eben einfach von meinen Füßen runter) des Angelpunkts in Barcelona, hatte ich dann auch aus den 40 Bushaltestellen an diesem riesigen Platz die richtige herausgefunden und konnte um 4 Uhr morgens den Schlüssel in das Schloss der Bäckerwohnung einführen…
Füße, freut Euch, Ihr lauft durch Spanien!

Reise Reise

immernoch Mittwoch, 26.08.:
Beim Warten am Köln/Bonner Flughafen und einer letzten Stärkung bei Burger King überkamen mich dann doch zweifelnde Gedanken, ob meine (für mich doch eher untypische) spontane Planung mich nicht am Ende doch im Stich lassen würde - keine Wohnung zu haben und nur mit einem Koffer als verbliebenes Hab und Gut ausgestattet zu sein gab mir irgendwie ein mulmiges Gefühl. Zwar hatte ich mir für den Anfang dank Handballfreundin Andrea und Soltau-Connection Taito mehrere gute Anlaufstellen gesichert, aber ob das alles so klappen sollte? Ich weiß ja nicht. Aber gut, nun kann man eh nichts mehr ändern und die Zeiten der nicht-alles-bis-ins-letzte-Detail-abgesichert-haben müssenden Wiebke sind vorbei...Wird schon klappen!
Nachdem mein Flug leider erst mit 45 Minuten Verspätung in Köln los fliegen konnte (technische Probleme erforderten eine Wanderung zu einem anderen Gate durch den kompletten Flughafen zu einer Ersatzmaschine - Glückwunsch Germanwings, aus Protest werde ich keine Souvenirs im Flugzeug kaufen -was ich sonst sicherlich getan hätte :-D), waren die vorher ausgetüftelten Zugverbindungen nach Vilanova zu meiner ersten Schlafgelegenheit leider nicht mehr brauchbar und die erste unüberwindbare Hürde (natürlich nachdem ich am BCN- Flughafen erst mühselig die Gepäckausgabe und dann die Renfe-Station finden musste) wurde das Fahrplanlesen – doch ein paar hilflose Blicke und mein riesiger Koffer verhalfen mir dann zu bereitwilliger Auskunft eines gelben Männchens der Bahngesellschaft und dann saß ich auch schon im (Gott sei Dank klimatisierten) Zug, der mich 2,80€ und 35 Minuten später am Bahnhof von Vilanova absetzte. Dort wurde ich schon sehnlichst von Andrea und ihrer Zwillingsschwester Alex erwartet, die mir dann halfen mein Gepäck über die Rambla (nicht zu verwechseln mit DER Rambla in BCN) zur versprochenen Unterkunft zu schaffen. Dort angekommen wurde ich dann noch kurz von meinem Gastgeber Xavi begrüßt und mit eiskaltem Wasser sowie einem überdimensionalen Schlafsofa ausgestattet, bevor dieser sich dann schlafen legen musste, da als Bäcker der Wecker bekanntlich schon vor vier Uhr morgens klingelt.
Nach einem kurzen gescheiterten Versuch den besorgten Erzeugern kostengünstige Nachricht über die sichere Ankunft des Nesthäkchens zukommen zu lassen (Mutti, wir gehen beim nächsten Mal die zu unterlassenden Schritte beim "Anklingeln" noch mal durch!), wurden erstmal die Reiseklammotten gegen ein dem Wetter entsprechendes luftigeres Outfit ausgetauscht (Wiebke der Reisefuchs wusste zwar sehr wohl, dass es in Spanien auch am Abend noch heiß ist, aber eine Jeans hätte im Koffer ja wesentlich mehr Platz eingenommen als das leichte Stoffröckchen - also ein bisschen Schwitzen war durchaus eingeplant). Denn weil mein erster Abend in Spanien natürlich ein bisschen zelebriert werden musste, machten Andrea & Alex sich noch mit mir auf den Weg in eine nahegelegene Bar, um meine Ankunft mit einer Cerveza zu begießen. Diese kühle Erfrischung war bei den 28 Grad, die dort um Mitternacht noch herrschten, genau das Richtige. Gelungener Einstieg würd ich das mal nennen -ich freu mich, ich bin in Spanien!

Zelte abbrechen


Mittwoch, 26.08.:
So, nun ist es soweit und mein Auslandssemester ruft mich endlich nach Spanien.
Ich liebe mein Köln, aber meine Vorfreude auf Barcelona ist kaum in Worte zu fassen. Die sonnige Stadt wird sicherlich eine enorme Bereicherung für meine zugegebenermaßen bisher noch ziemlich überschaubare Auslandserfahrung.
Bei meinem letzten langen Aufenthalt außerhalb der deutschen Grenze, nämlich in Saumur (Frankreich) während der Schulzeit, waren die Vorbereitungen dank des elterlichen Kinderzimmers wesentlich überschaubarer als jetzt. Denn da ich nun während meiner Abwesenheit einen Zwischenmieter auf meine Wohnung aufpassen lasse, müssen vorrübergehend erstmal alle Zelte in Köln abgebrochen werden, was eine Menge an Stress bedeutet.
Nachdem ich mein "Drei-K-System" für die Einteilung meiner Sachen entwickelt hatte -Keller, Koffer, Kleidersammlung - wurden Haufenweise Kisten und Tüten aus meiner Wohnung verfrachtet, bis letztlich wirklich all mein persönliches Zeugs eliminiert war. Erstaunlich wieviel Kram sich in meinem Besitz befindet...und noch viel erstaunlicher, wie schwer doch so eine Bücherkiste ist - die blauen Flecken werden bei meinem Anblick (zumindest die ersten Tage ;-)) wohl keinem Spanier ein wonneversprühendes Lächeln aufs Gesicht zaubern. Naja, ein bisschen Schwund gibt's immer.
Gleiches gilt leider auch für die ordnungsgemäße Durchsetzung meiner sorgsam ausgetüftelten Packliste...Vatis heißgeliebter Gorch-Fock-Pulli muss leider zu Haus bleiben, da (obwohl ich noch Sage und Schreibe 7 kg unter der Höchstgepäcklast liege) der von Schwesti geborgte Koffer auch mit schweißtreibender Gewalt nicht zum verletzungsfreien Schließen zu bewegen war. Zum Glück gibt es in meinem Haushalt die "Kiste des letzten Augenblicks" (@ Mutti: welcher geistigen Feder dieser Plan wohl entsprungen sein mag? Man weiß es nicht) und auch dieses Schmuckstück konnte noch ordnungsgemäß verstaut werden, bevor ich meinen eigenen Wohnungsschlüssel vertrauensvoll an Anna abgeben musste, die netterweise meinem Untermieter eine kleine Unterweisung zu den Besonderheiten meines bescheidenen Heims geben wird (merci!).
Das war's dann also für's Erste, bei aller Euphorie kann ich ein weinendes Auge nicht verleugnen: Adé Köln, Adé Deutschland! Auf zum Flughafen...
Freu dich - du fährst nach Spanien!!!! :-)