Sonntag, 30.08.:
In der ersten Nacht in einem neuen Zuhause (also diesmal auch in meinem Bett und nicht auf dem Hausdach) gehen die Träume ja bekanntlich in Erfüllung - ich sehnte mich danach, an einem Ort aufzuwachen, an dem ich Palmen habe, das Meer, frisch gebrühten Kaffee und die Aussicht auf einen atemberaubenden Tag...Tadaaaa - hat sofort geklappt!
Nach einem ausgiebigen Müsli-Vormittag (Taito hat mir gefühlte 15kg Müsli hinterlassen, durch das ich mich erstmal durchfrühstücken musste) und der Einweisung in die Bedienung der auf dem Balkon platzierten Waschmaschine, zog es mich erneut in die Stadt. Es ist großartig nur 5 Minuten von der Rambla entfernt zu wohnen! Dort war wohl Hütchenspielertag, jedenfalls kam es mir vor, als wollte mich das Geschehen alle 10 Meter zum Amusement über die sich aufs Kreuz legen lassenden Touristen einladen.
Von dort aus ging es ziellos durch's Zentrum, immer auf der Suche nach Stellen, an denen ich noch nicht war. Das gestaltet sich in Barcelona ziemlich einfach, es soll sogar Menschen geben, die nach 30 Jahren, in denen sie hier leben, noch an Ecken kommen, die ihnen gänzlich unbekannt waren. Aber mein Plan schnellstmöglich meine Ortskenntnis zu verbessern, geht glaub ich ganz gut auf (jaja, ich komme irgendwie doch von meinen geliebten Plänen nicht weg), denn zu keinem Zeitpunkt hatte ich die Befürchtung, nicht wieder nach Haus zu finden.
Auf meiner Erkundungstour begegneten mir neben Malern, Musikanten (von Trommlern bis zu Opernsängern alles dabei!) und Akrobaten auch die auf allen Stadtplänen dick umrandeten Sehenswürdigkeiten, deren beeindruckende Beschreibung mit Worten einfach nicht zu erbringen ist.
Doch Fotos hab ich noch so gut wie keine gemacht, denn meine Kamera hab ich aus Vorsicht bisher "immer" (haha, ich bin ja auch schon ganze 2 Tage hier) zu Haus gelassen. Naja, vielleicht gewöhn ich mich ja in den nächsten Wochen so sehr ein, dass ich durch das „Überfall-Kandidat“-Raster durchfalle („je lässiger man sich gibt, desto eher wirkt man einheimisch und wird in Ruhe gelassen“ hab ich mir sagen lassen) und dann auch mal mit mehr als meinem Wohnungsschlüssel und einem Stadtplan in der unsichtbaren Bauchtasche von Schwesti aus dem Haus gehe.
Meine Vorsicht war auch meiner Mitbewohnerin Shelly nicht verborgen geblieben, die mir belustigt mitteilte, dass ich mich nicht in Johannisburg befinde und ich nicht so ein pessimistischer Angsthase sein soll. "Pah", diesen Gedanken hatte ich bei meinem Streifzug wieder im Kopf und ich beschloss mich wagemutig auf einen gemeinsamen Spaziergang mit einem an der Bushaltestelle kennengelernten Marokkaner einzulassen. Mein Wunsch Richtung Strand zu gehen bedeutete dann einen Abstecher zu seiner Wohnung (nein, Wiebke hat brav auf der Straße gewartet), um Strandhandtuch etc. zu holen. Mirnichts dirnichts befand ich mich auch schon im charmant ausgedrückt "leichten" Viertel von Barcelona, einer Straße, an der viele leicht bekleidete Frauen darauf warteten, von vobeikommenden Gönnern mitgenommen zu werden. Nachmittags um drei war das für mich eine eher belustigende als beängstigende Vorstellung, dennoch war ich beruhigt, dass ich Angsthase im lässigen Strandoutfit mit dem nichtssagenden Jutebeutel nichts dabei hatte, was ich im Fall der Fälle arg vermissen würde (außer mich selbst natürlich). Durch diese 10 Minuten weiß ich jetzt zumindest schonmal, wo ich mich nachts lieber nicht allein bewege und bin irgendwie zufrieden, dass ich mein Bild von Barcelona heute schon ein wenig umfassender gestalten konnte. Mutti, Vati: Mit einem Fremden mitgegangen, im kriminellsten Teil der Stadt gewesen, nichts passiert -> hier wird auch nur mit Wasser gekocht (@Fortuna: Phrasenschwein gibts in BCN nicht :-P).
Nach einem entspannten Strandnachmittag kamen meine Bekanntschaft und ich darüber überein, dass wir keine dicken Freunde werden und es dabei belassen. So zog ich dann wieder allein weiter und ließ mich von den überdimensional großen Sandkunstwerken, die den Rand der Promenade zierten, von den Socken reißen.
Auf dem Rückweg nach Hause wurde mir dann mein bisher größtes Problem bewusst: Was ist das richtige Schuhwerk für Unternehmungen dieser Art? Das Wetter (heute nur 31 Grad) verbietet es mir, die Wohnung mit etwas anderem als Schlappen oder Flipflops zu verlassen, jedoch ist dies für Erkundungstouren nicht unbedingt das Richtige. Jedenfalls kam ich zu diesem Schluss, als aus meinen Blasen blutige Wunden wurden.
Als Lösung für dieses Problem kam mir jedoch die glorreiche Idee, mich des Bicing-Netzwerks zur Überwindung von eigentlich fußläufigen Entfernungen zu bedienen. Selbst angeschaffte Fahrräder (diese Überlegung hatte ich bereits in Deutschland angestellt) werden einem in Barcelona förmlich unterm Allerwertesten weggeklaut, doch eben darum scheint der Fahrradverleih hier so ausgereift zu sein. Bicing hat in der Stadt 6000 Räder an über 400 "Parkplätzen" - und einer davon fast direkt vor meinem Hauseingang. Das wär's doch. Also wurde sofort der nächstgesichtete Radfahrer angesprochen und in gebrochenem Spanisch zur Handhabung dieses Systems befragt. Nach der Auskunft, dass man mit einem Jahresbeitrag von 30 Euro ziemlich günstig wegkommt, sofern man das Rad innerhalb von 30 Minuten an einer anderen Station wieder abstellt, konnte ich dem freundlichen Stadtbewohner sogar ein "Hablas bien español" abluchsen...Auch mit wundgelaufenen Gliedmaßen konnte meine Laune ab da nicht mehr getrübt werden :-) To-Do-Listen-Eintrag: Bicing-Pass organisieren!
Nach dem langen Tag ging es dann nur noch mal zum Gemüsehändler, bei dem ich meine, bereits einen Anflug von Wiedererkennung in den Augen erkannt zu haben (@ Vati: Achte drauf, der Begrüßungshandschlag kann nicht mehr weit sein ;-)), um Melone zu kaufen und dann ab zurück nach Hause.
Den Rest des verbleibenden Abends fröhnte ich dem sensationellen Geschmack frischen spanischen Obstes und dem Versuch, meine Gedanken und Erlebnisse denjenigen zugänglich zu machen, die es interessiert.
Ich freu mich, bis jetzt ÜBERleb ich Spanien :-D!
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Wenn jemand seinen Senf dazugeben mag, ist er herzlich eingeladen :-)