Sonntag, 20. Dezember 2009

Der letzte Tag

Samstag, 19.12.:
Ein letzter Strandbesuch war natürlich Pflicht an diesem letzten sonnigen Tag in Barcelona. 10 Grad zeigte das Thermometer und meine Finger froren auf dem Fahrrad regelrecht ein. Doch langsam sollte ich mich daran gewöhnen, denn laut Mutti hat sich eine Kälteglocke über die Heimat gelegt, die das Mitbringen von langer Unterwäsche zum Flughafen erforderlich machen könnten.
Da konnte ich dann wiederum doppelt diese letzten Augenblicke, die trotz der Jahreszeit dieses Sommerurlaubsgefühl bei mir hervorrufen, genießen.
Wehmütig nahm ich Abschied von meinem Strand, meinen Palmen und meinem Meer, bevor es später am Abend zu Daniela ging, die zum Abschied ein formidables Dinner für Hendrik und mich zubereitete. Hier ereilte mich dann die wohl beste Nachricht des Tages, nämlich dass meine Fortuna einfach die Beste ist und großartigerweise den Herbstmeistertitel geholt hat.
Morgen geht es dann wieder auf Richtung Heimat, der Faktor, der mir neben dem weinenden eben auch ein lachendes Auge beschert.
Die letzten vier Monate waren unvergesslich für mich und ich hoffe, ich konnte allen, die immer so fleißig mitgelesen haben, ein Bild davon geben, wie sehr es mir hier gefallen hat!
Danke fürs mitfreuen :-)

Freu dich, jetzt komm ich zurück!!!

Samstag, 19. Dezember 2009

Fröhe Weihnachten

Freitag, 18.12.:
Das Wetter war prächtig und ich beschloss die verbleibenden Tage zu nutzen, um noch einmal ein paar Streifzüge durch die Stadt zu machen. Mein Weg führte mich über die Ramblas durch das Born-Viertel, wo ich (um der eisigen Kälte von 12 Grad zu entfliehen!) einen Abstecher in die bisher vernachlässigte Kirche Santa María del Mal machte. Prunkvoll kann man diese berühmte Kirche eigentlich nicht nennen - Sie besticht durch ihre Schlichtheit, vermittelt aber dennoch den Eindruck von Schönheit und Wohlbehagen. Mehr zur Meditation genutzt, als für touristische Erkundungstouren war ich mit dem Fotoapparat leider gänzlich fehl am Platz - zumindest bis zum Zeitpunkt, zu dem ich den Eingang zu den Gewölben unterm Altar entdeckte. Hier war eine überdimensionale Krippe aufgebaut, die ab vom Gebet mein Weihnachtsherz höher schlagen ließ.
Weiter ging es dann wieder in die Altstadt, wo ich mir dann auch noch vor dem 4. Advent mal den Weihnachtsmarkt anschauen wollte. Das wurde jedoch zur größten Enttäuschung, denn meine verzweifelte Suche nach einem Glühweinstand blieb leider erfolglos. Offenbar ist dieser vorweihnachtliche Gaumenschmaus noch nicht bis hier vorgedrungen - Marktlücke sag ich dazu!
Und auch Schmalzgebäck oder sonstige Leckrigkeiten standen nicht auf dem Plan, sodass mir nichts übrig blieb, als mir die zwar liebevoll gestalteten, aber nicht minder kitschigen Maria und Josef Figuren ansehen und mein Herz mit dem Gedanken an den Braunschweiger Weihnachtsmarkt erwärmen musste.
Wenigstens ging zur voran geschrittenen Stunde die bunte Adventsbeleuchtung an und ich konnte mich wieder amüsieren. Der mehrsprachige Weihnachtsgruß wünschte allen deutschen recht "Fröhe Weihnachten". Danke, auf www.weter.de entsteht übrigens das große deutsche Legasthenikerportal ;-)
Später traf ich mich dann mit Hendrik und Daniela, um der berühmten Absinthbar im Raval (siehe Vicky Christina Barcelona) einen Besuch abzustatten. Lohnt sich!
Freu dich, es gibt hier doch immer was zu lachen.

Semester Closing

Mittwoch, 16.12.:
Facebook zum Dank fand die Einladung eines Beisammenseins der Study Abroad Studenten hinreichend Gehör und am Abend zog es Deutsche, Amis, Belgier und Schweden (deren Sprache ich nun übrigens auch schon nahezu fließend spreche:"edd quist fritt quast skaft!" ;-)) ins lieb gewonnene Tres Flores, bis die Bar förmlich aus allen Nähten platzte.
Die extra für diesen Anlass angepassten Preise wirkten unterstützend auf die ausgelassene Stimmung. Mehr von diesem Abend vermag ich jedoch nicht zu berichten, nur so viel: Meine Jacke und ich sind wohlbehalten wieder zu Haus angekommen...;-)
Freu dich Wiebke, Auslandssemester fertig!


Gran Casino

Dienstag, 15.12.:
Die letzte Präsentation, die letzte Klausur und auch die mündliche Prüfung in Spanisch, deren Bearbeitung und Vorbereitung die spektakulären Aktivitäten unter der Woche ein wenig haben schleifen lassen, waren endlich hinter mich gebracht und das musste mit einem Highlight besiegelt werden. Ein Besuch in der Champagneria sollte ein guter Anfang werden, doch da das ja mittlerweile regelrechtes Standardprogramm ist, musste noch ein weiterer Höhepunkt folgen.
Die neu entwickelte Spielfreude lockte mich dann schließlich nach einem kleinen Nickerchen ins ansässige Casino.
Premiere, denn dieses Erlebnis war bis dahin noch nicht vergönnt gewesen. Auf einen Begrüßungscocktail wartete ich zwar vergeblich, doch dafür bekam ich direkt beim Einlass einen Gutschein für den nächsten Besuch ausgehändigt. Beeindruckt von der Oceans Eleven-Kulisse, tausenden Spielautomaten und mindestens genauso vielen großen schwarz gekleideten Männern mit Stöpsel im Ohr ging es dann ein Stockwerk tiefer, wo die "richtigen" Spiele stattfanden. Am auffälligsten waren hier jedoch nicht die überdimensionalen Roulette- und Black-Jack-Tische, sondern der Kontrast zwischen den sich daran befindlichen Spielern. Gleich neben dem piekfeinen Schlipsträger mit Diamant-Manschetten und seinen beiden "Nichten" versuchte der Holzfäller mit dem richtigen Bet Hund und Hof wieder zurückzuerobern.
Da fühlte man sich doch gleich heimisch :-)
Zunächst beobachtete ich natürlich das Geschehen und studierte fleißig im Casino-Guide, wie mich die verschiedenen Platzierungen der Chips reich machen würden.
Dann war es soweit und ich wechselte meinen (überschaubaren) Einsatz in glänzende Chips ein. In Gesellschaft von Hendrik und Robert, die sich von Anfang an vom Ambiente haben verführen lassen und nach 5 Minuten bereits alles verspielt hatten, schmiss ich meine ersten Chips ins Roulette-Geschehen. Nach anfänglicher Flaute wurde ich dann aber schließlich doch noch vom Glück geküsst und in Windeseile - aber auch um 2 Liter Angstschweiß ärmer - hatte ich den Wert meiner Chips wieder hergestellt.
Beim Black-Jack guckte ich nur zu, denn mit dem schnellen Rechnen, Geben und Umverteilen des Dealers war ich ein bisschen überfordert (wie viel ist doch gleich 17+4?). Die Kugeln aber rollten für mich und als wir uns entschlossen, weiterzuziehen, konnte ich mehr als das Doppelte meiner Chips zum Rücktausch anbieten.
Verjubelt werden musste der Gewinn natürlich auch wieder und deshalb begab ich mich mit Robert, Hendrik, Stefan und Alex ins María, einer Bar in Gracia, wo wir mit unserem Dozenten Esteban ein paar Abschiedsbierchen tranken.
Freu dich- nada más, schwarz gewinnt :-)

Chanukka

Freitag, 11.12.:
Heute sollte ich für die fehlende häusliche Weihnachtsbeleuchtung entschädigt werden, denn die Festivitäten der in diesem Haushalt vorherrschenden Religion wollten sich für mich auch durchaus interessant gestalten.
Pünktlich zu Beginn des achttägigen Lichterfestes brodelte es in der Küche und die Wohnung wurde auf Hochglanz gebracht, um kurz vor Einbruch der Dunkelheit eine Schar an Gästen zu empfangen.
Die Feierlichkeiten sollen an die kurze Herrschaft des jüdischen Volkes zwischen Eroberung des Tempels in Jerusalem durch die Syrier und deren Zerstörung durch die Römer gedenken. Zu der Zeit ist wohl jemand sehr sparsam mit dem letzten Fläschchen geweihten Öl umgegangen, das dann - oh Wunder - 8 statt einen Tag reichte, um die wichtige Lampe am Brennen zu halten.
Pünktlich zum Sabbat ging dann das muntere Lichteranzünden los und die Wohnung wurde darüber hinaus mit den hebräischen Gesängen diverser gut gelaunter Gäste erhellt. Mein Glück, dass ich nicht die einzige war, die von dieser Sprache keine Ahnung hatte und so konnte ich mich größtenteils mit Englisch, und Emil sei Dank zum Teil auch mit Bulgarisch (;-)), verständigen.
Viele Flaschen Wein gingen bei diesem Einläuten des Familien- und Freundesfestes über den Tisch und auch das angesprochene Öl sollte nicht nur Beleuchtungszwecke erfüllen. So lag der Schwerpunkt des Mahls auf Gebratenem und Frittiertem und Wiebke durfte sich über zahlreiche Krapfen und Kartoffelpuffer hermachen. Damit darf man dann wohl Kilo Nummer 12 ganz herzlich willkommen heißen :-)
Freu dich, Schalömchen!

Sonntag, 13. Dezember 2009

Urquinaona

Sonntag, 06.12.:
Das lange Wochenende (Dienstag Feiertag und Montag Brückentag - ich mag Spanien!) war ausgehtechnisch eher mau, denn anstehende Projekte forderten die ein oder andere Nachtschicht.
Am Sonntag-Abend jedoch lockte das Irish Pub George Payne am Plaza Urquinaona mit dem wöchentlichen Karaoke-Abend. Moderate Preise verschönerten das Ambiente innerhalb der mehr oder weniger begnadet trällernden Hobby-Sänger.
Auch Hendrik und Robert ließen es sich nicht nehmen, mehrmals die Bühne zu erklimmen um mit Stimme und Performance das Publikum zu begeistern.
Ich hielt mich eher zurück und verfolgte von der Theke aus das Geschehen, während ich abermals den siegreichen Spieltag meiner Fortuna feierte. Mit Alex, Stefan und Daniela befand ich mich hierbei in bester Gesellschaft.
Zeit sich zu freuen - a little respect für die Erasure-Konkurrenz

Hopping

Donnerstag, 03.12.:
Mit Stefan und Hendrik ging es an diesem Abend durchs Zentrum.
Den Anfang machten wir im Ovella Negra, wo wir auf einen freundlichen Catalanen trafen, den wir um hilfreiche Insidertipps bezüglich der Preis/Leistungsgestaltung der Bars baten. Außer einer Verbesserung unserer Spanischkenntnisse brachte das Gespräch jedoch keinen gewinnbringenden Output. Und so begaben wir uns einfach auf gut Glück zum Universitätsplatz, wo wir eine günstige Bar auftaten und ein Getränk zu uns nahmen.
Daraufhin fielen wir jedoch Stefans räudigem Orientierungssinn zum Opfer, der uns in eine urige Lokalität in der Nähe der Ramblas führen wollte, sie jedoch partout nicht wiederzufinden wusste.
Gut, dass die netten Straßenverkäufer stets zur Stelle waren und wir somit bei unserem Marsch durch die gotischen Gassen nicht verdursten mussten.
Letztendlich landeten wir dann in der Dreizehn, wo Antonio und Richard sich außerordentlich freuten, uns mal wieder in ihrer Bar begrüßen zu dürfen und dieser Freude mit Freundschaftspreisen für diverse Cocktails Ausdruck verliehen.
Freu dich - es ist immer ratsamer die Leute zu kennen, die hinter der Bar stehen als diejenigen, die dort Stammgäste sind :-)

Pokern - international

Mittwoch, 02.12.:
Nachdem ich mein Poker-Face ja in den letzten Wochen trainiert habe und habe ausreifen lassen, war es an der Zeit, mich mal an einem versierteren Tisch zu versuchen, als bisher.
Deshalb machten Hendrik, Robert und ich uns am Abend auf den Weg ins Tres Flores, um an der wöchentlich stattfindenden Pokerrunde teilzunehmen.
Aus den 15 Teilnehmern wurden zwei Tische zusammengestellt und die internationale Runde platziert. Überwiegend französische Teilnehmer und ab und an jemand aus England, sowie wir Deutsche bestätigten das multikulturelle Bild.
Ja, mit dem Spanier Kennenlernen will es wohl nicht so recht klappen, dafür konnte ich aber mal wieder ein bisschen französisch plaudern (und mein Vokabular hinsichtlich französischer Pokerweisheiten erweitern), was auch eine großartige Abwechslung war.
Von nationaler Loyalität war aber nichts zu spüren, denn Hendrik holte mich ohne zu zögern vom Tisch...Wenigstens konnte ich aber meine Ehre verteidigen, indem ich mich länger am Tisch hielt als Robert :-D
Freu dich, le français est même en Espagne une langue laquelle peut amener le soleil dans mon cœur!

Jazz Si

Dienstag, 01.12.:
Nur eine Fußminute von meiner Wohnung entfernt sollte es heute in der Jazz-Bar "Jazz-Si" ansprechende Open-Stage Auftritte zu verfolgen geben. Mit Hendrik, Alex und Daniela verabredete ich mich, diesem Spektakel beizuwohnen.
In der Bar, die kaum größer als mein Zimmer war, dadurch aber einen unglaublich familiären Charme versprühte, schunkelten wir dicht aneinander gedrängt zu spanischer Alternative-Musik, bevor wir uns zu Fuß weiter Richtung Norden arbeiteten.
Die Lokalität, in der wir uns daraufhin niederließen, war bis auf unseren Tisch völlig unbesetzt, was uns jedoch königliche Fürsorge vom Wirt einbrachte. Mojitos und nicht enden wollender Nachschub an Popcorn begünstigte die gute Stimmung. Darüber hinaus machte sich dann ein Gitarrenzupfer daran, uns mit Liedern aus den verschiedensten Genres zu beglücken. Sein Spielen - oder unser schonungsloses Mitsingen - lockte immer mehr Besucher in die Bar und sorgte für ein ausgelassenes Ambiente.
Später sollten wir feststellen, dass "unser" Gitarrist offenbar nur der Vor-Act war, denn als fast jeder Tisch besetzt war, wurde er von einem noch viel versierteren Spieler abgelöst, der uns daraufhin mit spanischem Liedgut zum musizieren einlud. Rasselnderweise (mit mit Nudeln gefüllten Cola-Dosen) begleiteten wir die guitarra espanola und freuten uns bis in die Morgenstunden über diesen gelungenen Abend.
Freu dich - die auswendig gelernten Lieder aus dem Spanischunterricht können eben doch Nutzen stiften!

Samstag, 12. Dezember 2009

Auf der Siegerspur

Sonntag, 29.11.:
Schwerlich kam ich an diesem Morgen aus dem Bett, doch ich hatte eine Mission zu früher Stunde. Hendrik hatte es sich nicht nehmen lassen, sich bei einem Wettrennen anzumelden, das laufverrückte Spanier zu unchristlicher Zeit am Sonntagmorgen durch die Innenstadt Barcelonas jagte. Er bestand darauf, dass doch bitte einige Fans an der Ziellinie auf ihn warten sollten, um im Falle der Erstplatzierung jubelnderweise die Kleidung zu lüften. Und so standen Robert, Hendriks Freund Bastian und ich vor Tage am Plaza Espanya und warteten geduldig auf unser "Pferdchen", das im Schalketrikot für uns Ruhm und Ehre erlaufen sollte.
In persönlicher Bestzeit lief Hendrik dann überraschend munter ins Ziel ein und konnte auf Anhieb jeden Streckenabschnitt der knapp 10km langen Strecke bis ins Detail und ohne nach Atem zu ringen beschreiben.
Also wenn man sich da ein bisschen mehr angestrengt hätte, dann wäre doch sicherlich einer der ersten drei Plätze drin gewesen ;-)
Die sportliche Erfolgsspur fuhren aber auch noch andere, weiter entfernte Sportler....Meine Fortuna schaffte es doch tatsächlich den Tabellenführer Pulheim mit einem spektakulären Sieg vom Thron zu stoßen!
Irgendwie scheint es besser zu laufen, seit ich nur noch in Form von moralischer Unterstützung meinen Beitrag leiste....Mmmhhhh, sollte mir das zu denken geben?
Freu dich, ohne Sport ist das Leben doch langweilig!

Taxi Taxi

Mittwoch, 18.11.:
Ich hatte mich morgens schon nicht besonders fit gefühlt, doch nach einem langen Schläfchen dachte ich mir, dass eine ausgiebige Nahrungsaufnahme einer Verbesserung meines Befindens sicherlich zuträglich wäre. Und wo ginge das besser als in der Champagneria? So machte ich mich also auf und stieß am Ort, wo Öl und Cava fließen auf die bewährten Gesichter sowie auf den wiederholten Damenbesuch von Alex' Freundin.
Aber selbst der Käsekuchen mochte mir am heutigen Tag nicht recht schmecken - und DAS war für mich das Zeichen, dass etwas nicht in Ordnung war :-D
Und deshalb musste ich beschließen, mich auszuklinken und schnellstmöglich wieder ins heimische Bettchen zu verschwinden.
Das schnellstmögliche war dann das Taxi und ich konnte ein weiteres Häkchen auf der Premierenliste machen. Das erste Mal fuhr ließ ich mich in einem der schwarz-gelben Autos durch Barcelona kutschieren und wurde Zeuge der täglichen Rush-Hour. Die ledernen Sitze, astronautisch moderne Anschnallgurte sowie die bisher nie erlebte Soundanlage im Fahrzeug passten allerdings weniger zum dazugehörigen Fahrer. Der erinnerte nämlich mit Karohemd, zerschlissener Jeans, rauer Stimme und langen Haaren eher an einen Andy Zenke in jungen Jahren, jedoch verpasste er der Taxifahrt eine persönliche Note und konnte mir vor Augen führen, dass mein Vokabular in Catalán durchaus noch ausbaufähig ist.
Das Bett sollte ich dann aber leider die nächsten 5 Tage nicht mehr verlassen. Doll krank verschlief ich das gesamte Wochenende, ließ mich ab und zu fürsorglich mit Tee und Zwieback versorgen und beruhigte meine Mitbewohner mit fundierten Googlerecherchen, dass ich nicht an der "Grippe A" erkrankt war.
Freu dich, auf Regen folgt ja bekanntlich immer wieder Sonne!

Von Gänsen in der Kirche

Samstag, 14.11.:
Ein regelrechter Wintereinbruch ließ mich frierend erwachen. Der Himmel war klar und die Sonne schien, doch schon als ich nur einen Finger unter der Bettdecke zum Vorfühlen hinausstreckte, bibberte ich am ganzen Leib. Das sollte aber nicht heißen, dass ich mich das ganze Wochenende in meinem Zimmer verkriechen sollte, lediglich, dass Vorkehrungen getroffen werden mussten. Und so wurde auch das letzte mitgebrachte Kleidungsstück in Benutzung genommen und in der roten Bremer Winterjacke ein Spaziergang ins Städtchen unternommen. Gut gepackt, Wiebke!
Als ich durch die Gassen Richtung Gótico ging, sah ich allerorts fleißige Arbeiter der Stadt, die die Weihnachtsbeleuchtung anbrachten. Verständlicherweise dauert das in so einer großen Stadt etwas länger und deshalb kann getrost schon 2 Wochen vor Dezember damit begonnen werden.
Mein Weg führte mich zur Kathedrale und ich beschloss, nachdem ich bestimmt schon hundert Mal hier vorbei gelaufen war, nun auch mal einen Blick hinein zu werfen. Und es sollte sich lohnen.

Überrascht stellte ich nämlich fest, dass in dieser Kirche nicht nur Gott zu Hause zu sein schien, sondern ebenfalls eine Schar an Tieren. Im Kreuzgang gab es einen Teich, auf dem sich ein Dutzend weißer Gänse tummelte. Sie waren früher dazu gedacht, durch ihr Kreischen und Geschnatter vor Eindringlingen zu warnen. Offenbar wurde an dieser Tradition festgehalten und Touristen (und Einwohner wie ich ;-)) können nun die Gänseschar mitten in der Stadt und auch noch mitten in der Kirche bestaunen.
Nachdem ich heimlich mein Foto geschossen hatte, wurde ich vom einsetzenden Musizieren einer Kapelle wieder auf den Vorplatz gelockt.
Hier hatten sich ca. 200 Menschen versammelt, die in großen Kreisen einen Reigen tanzten. Belustigt verfolgte ich das schon bei der Briefmarken-Veranstaltung kennengelernte Spektakel. Diesmal waren aber größtenteils Senioren dabei, ihr Tanzbein in weißen Turnschläppchen zu schwingen. Daneben gab es aber auch noch eine "Profi-Mannschaft", die aus Leuten meiner Generation bestand und schweißtreibend an ihrer Choreografie arbeiteten.
Ansonsten ist die Kirche ja ein Ort der Ruhe, aber freut Euch, in Barcelona darf man sogar tanzen und schnattern!

Das schwarze Schaf

Donnerstag, 12.11.:
Die Abendgestaltung sollte heute in der beliebten Lokalität "L'Ovella Negra" (Das Schwarze Schaf) Gestalt annehmen. Hier feierte die Amerikanerin Daniela ihren Geburtstag und Robert, Hendrik, Stefan und ich nahmen dies zum Anlass, uns ebenfalls unter die schwarzen Schafe zu mischen.

Mir fehlte bis dahin ja auch noch die Gelegenheit, zu begießen, dass meine Fortuna am Sonntag die Bonner glorreich aus der Halle gefegt hatten.
Die strenge Einlasskontrolle (Ausweis zeigen und solche Scherze) vom zur Ruhe ermahnenden Pantomimespieler  ließ uns das erste Mal schmunzeln.
Als wir jedoch die "Bar" betraten, wurden wir vom Ambiente doch überrascht. Das schwarze Schaf erinnerte sehr an ein deutsches Brauhaus und die Malz-Getränke wurden in großen Pitschern serviert. Über die Verteilung in diverse eigene oder fremde Becher kam man doch mit dem ein oder anderen ins Gespräch (unter anderem lernte ich dann auch das Geburtstagskind kennen, das sich nur schwer davon abhalten ließ, mir aus meinem Leben verbannte Tequila-Shots zu verpassen).
Im munteren Treiben waren neben den langen Biertischgarnituren, Kicker-Tische, Dartscheiben und auch ein Billardtisch auszumachen. Hier versuchten sich die mich begleitenden Herren und konnten im spektakulären Umgang mit den Spielgeräten wiederholt gegenseitig übertreffen und bewundernde Blicke von allen umstehenden Gästen ernten.
Ein schöner Abend und bestimmt nicht der letzte Besuch hier, zumal es sich hier (endlich mal) um eine Bar in MEINEM Viertel handelt.
Freu dich, nette Menschen, Bier in Krügen! Was will man mehr?

Freitag, 11. Dezember 2009

Camp Nou

Samstag, 07.11.:
Wieder mal stand ein Highlight auf dem wochenendlichen Programm: Mit einem Besuch eines FCB-Spiels sollte ein in den Reiseführern oftmals hervorgehobenes "Must" verwirklicht werden.
In ungewöhnlicher, aber erfrischender Kombination, begab ich mich mit Alex und Clarissa zum Camp Nou, dem Heimstadion des FC Barcelona.
Nachdem wir den Fanartikel-Stand leergeräumt hatten und die catalanische Stadionzeitschrift im schwarzen Büdel verstaut war, ging es einmal durch die Ränge. Wir waren frühzeitig da und somit konnten wir ohne großes Gedränge unsere Plätze erreichen (wir waren kurz nach Einlassbeginn gefühlt die ersten Besucher).
Ein Hardcore-Fan geleitete uns während der Beweisfotosession dann zum begehrtesten Aufnahmepunkt, sodass wir die beste Kulisse für unser Bild bekamen.

Das Stadion war schon vor Anpfiff den Besuch wert, es ist das größte Stadion Europas und fasst knapp 100000 Besucher. Unsere Plätze waren zwar nicht gaaaaanz oben, aber dennoch wurde es so frisch auf unseren Sitzen, dass Wiebke die in Kennerkreisen allseits beliebten Ohrenschützer auspacken musste (@Fortuna: Nein, Schamgefühl ist auch hier nicht so mein Fall :-P)

Da die Preise für den Besuch je nach Gegner variierten, mussten wir uns bei studentischem Budget mit Mallorca als "Opfer" zufrieden geben. Unsere Befürchtungen, die Fans würde das Spiel nicht interessieren, bewahrheiteten sich aber nicht und kurz vor Anpfiff kamen auch die restlichen 99997 Zuschauer (inklusive dem angeschlagenen Hendrik).

Das Spiel war ok, die Fans nicht zu vergleichen mit deutschen Stadien (Fankurve oder so hatte es nicht, geklatscht wurde offenbar nur gegen die kalten Finger) und der erhoffte Glühwein in der Pause musste mit Kaffee substituiert werden. Aber die zahlreichen Tore der Partie waren schön anzuschauen und mit einem Elfer kurz vor Schluss wurde das 4:1 für FCB besiegelt.


Aufwärmen sollte ich mich nach diesem sportlichen Ausflug mit ein paar Mojitos im Tres Flores, wo ich mit Robert diesen überraschend winterlichen Abend ausklingen ließ.
Freu dich, wenn der FC gewinnt, wird es einem doch warm ums Herz - egal in welcher Stadt :-)

Auf Tour

Mittwoch, 04.11.:
Nachdem das Wochenende ja ganz im Zeichen der touristischen Erkundungen stand, war mein Entdeckungsdrang neu geweckt.
So beschloss ich nach der UNI einen weiteren Ausflug zu machen. Mit dem Fahrrad machte ich eine Tour durch das Born-Viertel und konnte ein weiteres wunderschönes Viertel der Innenstadt bewundern. Natürlich stellte ich - Sparfuchs wie ich bin - alle 30 Minuten das Radl in eine Station und ging mindestens 10 Minuten zu Fuß weiter. So konnte ich auch abseits der Radwege die Borngassen erkunden und stieß dabei auf das ein oder andere gemütliche Lädchen.
Käse- und Weinverkaufsstellen boten stets einige Lockhäppchen und so musste ich nicht hungern :-)
Es ist immer wieder beeindruckend, wie schön, aber eben auch wie unterschiedlich die einzelnen Plätze hier sind.
Auf dem Rückweg nach Hause, kam mir das erste Mal seit ich hier bin ein herbstlicher Gedanke auf: denn langsam fallen die ersten Blätter von den Bäumen - das bin ich in Deutschland ja schon im September gewohnt. Aber entmutigend ist dieser sanfte Übergang in den Winter natürlich nicht, im Gegenteil - das golden-rötliche Barcelona hat durchaus seinen Reiz!
Freu dich, Blätter, Born und Bicing sind eine prima Kombination!