Samstag, 31. Oktober 2009

Besuch aus der Ferne

Donnerstag, 29.10.:
Nachdem das Tutorium in Spanisch schneller als erwartet hinter mich gebracht werden konnte und ich mit den erreichten Noten mehr als zufrieden war, konnte ich mich schon am frühen Nachmittag aufmachen, um die Schlüssel für das Atico-Apartment, das mein Besuch die nächsten Tage bewohnen sollte, in Empfang zu nehmen. Die schöne Dachwohnung in unmittelbarer Nähe zur Rambla gefiel mir sehr und nachdem ich nun auch mal den Blick über Barcelona von einer weiteren Dachterrasse als meiner eigenen genießen konnte, flitzte ich noch mal zum Supermarkt und in meine Wohnung, um einige grundlegenden Sachen zu besorgen (beispielsweise Mineralwasser, welches sich leider zu einem späteren Zeitpunkt als Zitronenlimonade herausstellen sollte).
Dann ging ich zum Placa Catalunya, um dort Mutti und Vati nach ihrer Bustour vom Flughafen in Empfang zu nehmen.
Überrascht von der "Hitze" (ich fand ja eigentlich, dass 23 Grad schon Stiefelwetter ist...), aber gleichermaßen beeindruckt vom mit Leben gefüllten Stadtzentrum, gingen wir zu Fuß über die Rambla zur Wohnung.
Während sich die lieben Eltern ein bisschen frisch machten, versuchte ich mich darin, meine neu gewonnenen Kochkünste unter Beweis zu stellen. Außer meinem eigenen konnte ich zwar keinen der Geschmäcker treffen, aber so blieb wenigstens mehr für mich.
Da wir den ersten Abend jedoch nicht ungenutzt lassen wollten, machten wir uns nach der Inaugenscheinnahme der mitgebrachten Sachen (unter Anderem eine Flasche Hela-Gewürz-Ketch-Up und ein Koffer, der mir hoffentlich erlaubt, alle meine Sachen wieder sicher mit nach Deutschland zu nehmen), auf den Weg ins Städtchen.
Im Barri Gotico sollten wir fündig werden und tranken vor der traumhaften Kulisse einer gotischen Ruine, die von warmem Licht angestrahlt wurde, ein paar schöne Cerveza.
Danach machten wir noch einen kurzen Ausflug ins Tres Flores und ich trank (da sich Gaumenpräferenzen der Eltern und meiner auch hier unterscheiden) 3 Mojitos :-)
Zu Fuß machten wir uns dann wieder auf den Rückweg und nach einem Blick auf den Placa Reial und die Gaudí-Laternen verabschiedete ich mich ins Bettchen.
Freu dich, du hast Besuch :-)

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Zauberhaft

Mittwoch, 28.10.:
In der UNI zog in der Pause eins meiner Gruppenmitglieder die Aufmerksamkeit auf sich. Eine auf dem Tisch liegende Zeitung und ein Glas Wasser sollten genügen, um Robert zu spontanen Zaubertrick-Versuchen zu animieren. Nach dem Falten der Blätter und dem Hineingießen des Wassers befand sich jedoch ein Alex zu viel in der "Ausschüttelzone", was für ihn ein nasser Spaß werden sollte. Für alle anderen ein trockener Anlass, sich herzhaft zu amüsieren.
In der Vorlesung bei Otilia sollte es dann jedoch zu einer Spontan-Präsi kommen, da wir die "Gruppenhausaufgaben" ohne Vorwarnung dem Kurs vorstellen sollten. Auch wenn ich aufgrund der späten Absendung die Einzige war, die eine grobe Ahnung hatte, was die einzelnen Stichpunkte auf den Folien bedeuten sollten, konnten die Herren mit Charme und Wortwitz von ihrer Unwissenheit ablenken und Dozentin und Kommilitonen zufriedenstellen.
Zu Hause erwartete mich zu meiner Überraschung ein regelrechtes Schlachtfeld. Die Nachbarn hatten beschlossen, ihre Wohnung neu einzurichten und uns angeboten, einige der bis dahin in Gebrauch gewesenen Möbel zu übernehmen. So kam es, dass unser komplettes Wohnzimmer mit allerlei Einrichtungsgegenständen vollgerümpelt war. Da mein Zimmer sehr klein und mit den darin befindlichen Möbeln bereits voll ist, musste ich leider passen, doch der neue Mitbewohner durfte sich über eine Kommode freuen und das Wohnzimmer über einen weiteren Tisch und eine funktionierende Stehlampe.
Als das Chaos annähernd beseitigt war, bahnte ich mir den Weg in die Küche und kochte mir süße Nudeln mit Muskat und Apfelmus (welches ich für sage und schreibe 2 Euro im Supermarkt als "deutsche Spezialität" erstehen musste!).
Danach beantwortete ich noch ein paar Emails und genoss den milden Abend auf der Dachterrasse, bis mich der kalte Luftzug ins warme Bettchen scheuchte.
Freu dich, dein Wohnhaus ist ein Flohmarkt.

Mid-Terms

Dienstag, 27.10.:
Frisch und munter schrieben wir heute unsere Midterms. Auch wenn zwischenzeitiges Verschwinden zur Raucherpause von Antonia nicht unbedingt Klausurbedingungen widerspiegelte, gingen wir doch alle mit der nötigen Ernsthaftigkeit ans Werk.
Das Fach, für das ich am meisten tun musste und bei dem ich die schwerste Klausur erwartet hatte, nämlich Managing Services, verließ ich mit einem überraschend guten Gefühl und auch der zweite Spanischteil, eine schriftliche Zusammenfassung vom Film "Pan's Labyrinth", ging mir relativ leicht von der Hand.
So konnte ich fröhlich zum nächsten Tagesprojekt stiefeln, nämlich der Besorgung von Informationsbroschüren über touristische Aktivitäten in Barcelona, die meine Vorbereitungen auf den erwarteten Besuch aus der Heimat darstellen sollte.
Danach ging es noch eine Kleinigkeit einkaufen.
Zu Hause belohnte ich mich für meine ganzen Lernaktivitäten mit einer leckeren Pizza (die erste seit meiner Ankunft in Barcelona), telefonierte noch ein bisschen und machte mich dann an die Vorbereitung der nächsten Hausaufgabe für New Venture Creation.
Leider konnte ich nicht so gut einschlafen wie in der vergangenen Nacht und ich war froh über meine Fülle an "???"-Folgen auf dem Laptop, die mir die ein oder andere Stunde des Wachseins zumindest ein bisschen versüßen konnte. Um halb drei stellte ich dann fest, dass ich vergessen hatte, Otilia und meinen Kommilitonen die Hausaufgabe auch zu schicken, was ich dann glücklicherweise noch nachholen konnte. So haben Schlafprobleme auch ihr Gutes.
Freu dich, Midterms erfolgreich abgehakt!

Kekse und Kakao

Montag, 26.10.:
Stichtag für die Midterm-Präsentation in Strategic Management of the Firm.
Die Präsentation war vorbereitet und die knapp 20 Seiten lange schriftliche Ausarbeitung fristgerecht eingereicht, doch Estebans Finger zeigte in der Vorlesung nicht auf unsere Gruppe und so blieben wir vom Vortrag über die Entwicklung der amerikanischen Flugzeugindustrie in den letzten 20 Jahren verschont.
Auch gut, so konnte nach der UNI die gesamte Konzentration auf die letzten Lernversuche für die am Dienstag stattfindenden Klausuren in Spanisch und Managing Services vereint werden.
Bei Keksen und einer schönen Kanne Kakao führte ich mir nicht nur meine eigenen, sondern auch die weitaus ausführlicheren Mitschriften von Stefan zu Gemüte, die meinen Lernerfolg sichtlich positiv beeinflussten.
Nach einem sehr schönen Telefonat ins ferne Deutschland legte ich dann meine Zettelwirtschaftn nieder und beschloss mal früh schlafen zu gehen, um fit für den nächsten Tag zu sein. Jorge und Antonia: Ich komme...
Freu dich, bei Keksen und Kakao lernt es sich doch am angenehmsten!

Lernen bei Resaca

Sonntag, 25.10.:
Offenbar war mir der vorabendliche Ausflug nicht bekommen, denn der Sonntag zeichnete sich bei mir durch ein globales Unwohlsein aus. Zu blöd, dass ich lernen musste und auf Kopfschmerzen keine Rücksicht nehmen konnte.
Also war schnell das Aspirin auf dem Tisch und zeigte glücklicherweise recht schnell seine Wirkung. Als es mir wieder besser ging, durfte ich dann Bekanntschaft mit meinem neuen Mitbewohner machen. Marcello kommt, genau wie mein anderer Mitbewohner Mattia aus Italien. Seine Erzählungen, dass er hier sei, um einen Spanischkurs zu machen, da er ja die Sprache noch nicht so gut beherrsche, brachte er aber in für meine Begriffe ziemlich flüssigem Kastellan auf den Punkt. Italiener müsste man sein, denn offenbar gleichen sich die beiden Sprachen so sehr, dass auch ohne Unterricht die Verständigung auf spanisch keine wirkliche Hürde darstellte.
Nach einer kleinen Laufeinheit an der Hafenpromenade fühlte ich mich dann zum Glück wieder fit genug, um die nächste Ausarbeitung für Otilia in Angriff zu nehmen. Eine Analyse der chinesischen Feuerwerksindustrie und wiederholendes Skriptlesen von Jorges Managing Services Inhalten hielt mich die Stunden bis zum Einbruch der Dunkelheit auf Trab.
Freu dich, vielleicht lernst du ja auch noch ein bisschen italienisch.

Mojito-Nacht

Samstag, 24.10.:
Nachdem ich den Tag mit den Vorbereitungen für die Zwischenprüfungen verbracht hatte, belohnte ich mich mit der Zubereitung einer köstlichen (und dank meines Gemüsefreundes kostengünstigen) Paprikapfanne.
Ein Anruf von Hendrik und die Frage nach meiner Bereitschaft für einen kleinen Bocadillo-Imbiss auf der Rambla del Raval, stellte eine weitere Challenge für meinen eigentlich gefüllten Magen dar. Aber Appetit sei Dank hatte ich schnell die Schuhe an den Füßen und eilte zum besagten "Büdchen" auf der Rambla. Dort traf ich dann auf Hendrik, Stefan und Freundin Anna, die mittlerweile auch zu Besuch angereist war.
Mit zunehmender Dunkelheit schlenderten wir erst durch die Gassen des Raval, über die Rambla und dann ins gotische Viertel, um einen erneuten Abend im Tres Flores zu verbringen. Dort stieß auch Alex dazu und wir läuteten einen lustigen Abend ein, der aufgrund der günstigen Preise ziemlich Mojitolastig werden sollte. Die Lokalität feierte nämlich an diesem Wochenende Jubiläum und als "Geschenk" wurden alle Cocktails und Longdrinks die ganze Nacht lang zu Happy-Hour-Preisen angeboten. Diese Information fand auch noch ihren Weg zu Robert, der daraufhin nebst Familie und Anhang Christine ebenfalls den Weg ins Tres Flores fand. Zeitgleich gab sich ein Grüppchen die Ehre, das eine Promotionaktion für ein Getränk veranstaltete, dessen Logo ein in Deutschland nicht unbekanntes Rotwild auf orangenem Untergrund zierte.
Quintessenz aus dieser Abendgestaltung war, dass am nächsten Morgen eine Jacke zu wenig, ein Handy zu viel und ein fremdes Schlüsselbund den Heimweg angetreten hatten.
Der Besitzerwechsel verlief aber zur Beruhigung aller reibungslos :-)
Freut Euch, Tres Flores hat Geburtstag.

Bergfest

Freitag, 23.10.:
Mein freier Freitag ließ sich eigentlich in genau zwei Worten zusammenfassen, die meine Beschäftigung an diesem Tag darstellen sollten: Lümmeln und Lernen.
Doch auch wenn nichts passiert ist, hab ich ja immer was zu erzählen. Ich feiere nämlich Bergfest, die Hälfte meines Aufenthalts hier ist also bereits rum und da kommen doch die ein oder anderen Gedanken bei mir auf.
Ich vermisse mein Auto mit dem in Regenbogenfarben leuchtenden Radio, meine Kaffeepausen auf meinem roten Sofa, Friends, Fortuna, aufgeschäumte Milch, Gummibärchen, meine Badewanne und natürlich meine Lieben (ich glaube jeder, der sich jetzt angesprochen fühlt, darf sich dazu zählen ;-)).
Doch ich erlebe hier so viele schöne Sachen, dass ich den Trennungsschmerz zu überwinden weiß und mir die Zeit hier so vorkommt, als verginge sie viel schneller als zu Hause. Auch wenn man sagt, ab einem gewissen Zeitpunkt sei alles "normal und gewöhnlich" und sich das in Sachen Uni bewahrheitet, genieße ich jeden Tag.
Dank des formidablen und zu großen Teilen frittierten Essens hier, hab ich schon 10 kg zugenommen (handballtechnisch ziehe ich schon eine Umschulung von "Rückraum links" auf "Spielball" in Betracht), ich hab gelernt wie man Tortillas macht, durfte Bekanntschaft mit dem Bürgermeister machen, bin tiefer in die jüdischen Gebräuche eingetaucht, hab schon seit August nicht mehr ferngesehen, habe mich in der Stadt der Taschendiebe noch kein einziges Mal beklauen lassen, gewöhne mich langsam an die Supermarktverkäufer, die ein in Deutschland inakzeptables Schneckentempo an den Tag legen, liebe meine Dachterrasse, verabscheue das Fehlen eines Aufzugs, habe viele (sogar überwiegend nette :-D) Menschen kennengelernt und genieße das Großstadtleben in unmittelbarer Nähe des Meeres.
So sehr ich mich auch schon auf meine Rückkehr freue, so erschreckend nah scheint mir doch dieser Tag schon zu sein! Ich bin sehr froh, dass ich mich entschieden habe, mein Auslandssemester in Barcelona zu verbringen und möchte keinen Tag und keine Erfahrung hier missen. Ich bin sehr gespannt, was mich während des zweiten Teils dieser Reise noch alles erwartet und freue mich, dass ein reges Interesse daran zu bestehen scheint, dass ich diese Erlebnisse teile :-)
Freu dich, du bist in Spanien!

Freitag, 23. Oktober 2009

Land unter

Donnerstag, 22.10.:
Die Erkenntnis des Tages: Mit Regen kommen Barcelonesen mal überhaupt nicht klar. Als ich heute das UNI-Gebäude verließ und trotz Schirm (da KANN nichts passieren) von flutwellenartigen Regenstürmen heimgesucht klitschnasse Füße bekam, war das erst der Anfang. Die irgendwie nicht bis ins letzte Detail ausgeklügelte Kanalisationsführung, die die Straßen zu einer einzigen riesigen Pfütze werden ließ, offenbarte sich auch in der Metrostation, die bei meiner Ankunft am Placa Catalunya regelrecht unter Wasser stand.
Doch der Regen sollte auch etwas Gutes mit sich bringen: Die Aussage von Esteban, dass hier bei Regen kein Mensch vor die Tür geht, die Leute ihre Planungen über den Haufen werfen und einfach zu Hause bleiben, bewahrheitete sich. Der Champagneria-Ausflug mit Stefan, Hendrik, Robert und Christine war heute folglich anders als gewöhnlich. Eine fast menschenleere Bar offenbarte sich, man konnte seine Ellbogen ausstrecken, ohne einem anderen Gast das Glas aus der Hand zu stoßen und sogar Gespräche führen, ohne Angst um seine Stimmbänder haben zu müssen. Weiterer positiver Nebeneffekt war, dass ich keine 30 Sekunden auf meinen bestellten Käsekuchen warten musste, was ich zum Anlass nahm, mir heute gleich mal 2 leckere Stücke davon zu gönnen :-)
Donnerstag = Pokerabend, das sollte den restlichen Fortgang des Abends bestimmen. Mein Merkblatt über die verschiedenen Zusammenstellungen der Karten für gewinnbringende Runden reichte ich feierlich an Christine weiter und bezeichne mich fortan als alter Pokerhase :-)
Finanziellen Erfolg brachte mir die Spielrunde zwar wieder nicht, doch dafür einen Riesenspaß. Mit einem Meisterbluff (wörtlich "der beste Bluff, den Franky jemals in seiner Karriere erlebt hat") und rein gar nichts auf der Hand, schaffte ich es, Stefan trotz seiner zwei Pärchen einen riesigen Pott abzuluchsen. Allein dafür hat sich der Einsatz schon gelohnt!
Freu dich - auch bei Land unter kann Barcelona was!

Effizient geht anders

Mittwoch, 21.10.:
Highlightverdächtig war an diesem Tag wenig. Nachdem ich das erste Mal mitbekommen hatte, wie die Herren morgens drauf sind, wenn unfreiwilliges Aufstehen auf dem Programm steht, machten wir uns in strömendem Regen auf den Weg zum Campus.
Die Verbindung ist wesentlich lauflastiger als von meiner Wohnung aus und leider kam ich nicht wirklich trockenen Fußes im Gebäude an. Die voll aufgedrehte Heizung in den Vorlesungsräumen sollte meine Kleidung aber ruck zuck wieder trocknen (offenbar gibt es bei der Einstellung der Klimatisierung hier nur "viel zu kalt" oder "viel zu warm").
Weiterhin Blogeintragwürdig erachtete ich die nette Geste von Hendrik, in der vorlesungsfreien Zeit zum Supermarkt zu laufen und mir wohlschmeckendes Pausenobst zu besorgen - man muss seine Leute eben im Griff haben (oder wahlweise auf Kommando weinen können :-D)!
Wieder zu Haus angekommen, wurde ich leider mit der enttäuschenden Wahrheit konfrontiert, dass es auch hier in den letzten 48 Stunden geregnet hatte. Mein Waschtag war also leider für die Katz gewesen, denn ich musste die Waschmaschine aufgrund des mit dem Regen herunter gekommenen Barcelonaschmutzes auf meine Kleidung aufs Neue bemühen.
Vom gestrigen Thunfischerlebnis noch nicht losgelassen, beschloss ich, heute selbst die Töpfe dreckig zu machen und kochte mir leckere Spaghetti, mit Paprika, Mais, Zwiebeln, Tomatensauße und gebratenem Thunfisch! Da das Essen diesmal ohne anderes Fleisch zubereitet war, sah ich eine gute Gelegenheit mir meine verbessernden Kochkünste attestieren zu lassen und lud meine Mitbewohner dazu ein, an meinem Mahl teilzunehmen. Und tatsächlich konnte ich meine Wohngenossen begeistern und gleichzeitig als Gegenleistung den Abwasch weiter"delegieren".
Zu meiner Freude klarte der Himmel am Abend wieder auf, was mich zum wiederholten Male auf die Dachterrasse zog. Dort widmete ich mich dann wieder der Literatur, da ja in der kommenden Woche die Midterm-Tests anstehen sollten. Die Abendsonne ZWANG mich aber dazu, alle 5 Minuten ein genießerisches Päuschen einzulegen und mich darüber zu freuen, dass es der Lorenz wieder gut mit mir und meinem Traumplätzchen meint. Der Lerneffekt ging dadurch dann leider ein bisschen flöten, aber so ist das halt. Sind ja noch ein paar Tage Zeit.
Freut Euch - auf Regen folgt Sonne!

Fleißiges Lieschen

Dienstag, 20.10.:
Ein Uni-Tag wie eigentlich jeder andere zog sich bei mehr oder weniger schönem Wetter in die Länge und nachdem in der letzten Vorlesung heute wieder einmal ein spanischer Film die Unterrichtsvorbereitung von Antonia ersetzte, setzte ich mich noch für ein Stündchen in die Bibliothek.
Danach konnte ich meine Fremdenführerqualitäten unter Beweis stellen, indem ich Robert in Sachen Busfahrplanlesen unterweisen konnte. Sein Weg zog ihn nämlich heute nicht auf direktem Weg nach Haus, sondern in Richtung Flughafen, um sein sehnlichst herbeigesehntes Herzblatt in Empfang zu nehmen (näheres gibt es im Jubiläumsheft des MTVD Köln nachzulesen ;-)).
Für mich aber sollten die universitären Verpflichtungen kein Ende nehmen. Nachdem die erste Präsentation ja erfolgreich hinter mich gebracht werden konnte, stand schon die Vorbereitung der nächsten an. Im Fach Strategic Management of the Firm werden wir zwar sowohl von Midterm-Exam als auch von einer Abschlussklausur verschont, müssen dafür aber diverse Ausarbeitungen zu mehr oder minder spannenden Case-Studies einreichen und vortragen.
Mein Weg führte mich also ebenfalls nicht in meine Wohnung, sondern zu meinen Gruppenmitgliedern, die meinen Bibliothekszwischenstop für ein kleines Nickerchen genutzt hatten.
Bevor wir uns ans Werk machten, durfte ich mein kulinarisches Portfolio um die Kenntnis erweitern, dass gebratener Thunfisch einen ganz neuen, nicht minder guten Geschmack hat und ohne Probleme den Speck in der Sahnesauße für die Nudeln ersetzen kann. Mit anderen Worten, Stefan bekochte uns wieder einmal.
Gestärkt widmeten wir uns dann unserem Projekt und waren zuversichtlich, dass wir den Dozenten Esteban mit den recherchierten Ergebnissen mehr als beeindrucken würden. Die Ankunft von Christine und dem freudestrahlenden Robert unterbrach das fleißige Treiben nur kurz.
Nachdem die Uhrzeit dann irgendwann so weit voran geschritten war, dass weder Bicing noch Metro für die Heimreise verfügbar waren, musste ich - das erste Mal nun auch unter der Woche - "mein" Küchenschlafsofa für die Regeneration bis zum nächsten Tag nutzen. Wohl dem, der vorsorglich immer die Zahnbürste in der Schultasche mitführt...Man weiß ja nie, was der Tag noch so bringt ;-)
Freu dich - Vorbereitung ist alles!

Dienstag, 20. Oktober 2009

Presentation-Day

Montag, 19.10.:
Heute stand die Präsentation unserer Business-Idee auf dem Stundenplan. Da ich nicht mehr bis zum Ende mitgewirkt hatte, musste ich die Mittagspause dazu nutzen, mich im Computerraum auf meine Präsentationsteile vorzubereiten und nebenbei den Study-Abroad-Drucker gleich zweimal zu schrotten.
In der Vorlesung durften wir dann zunächst zwei Präsentationen unserer amerikanischen Kommilitonen lauschen, was mir für unseren Vortrag ziemlich viel Selbstvertrauen gab. Denn auch wenn wir sprachlich natürlich gegenüber den Muttersprachlern etwas im Nachteil sind, stufte ich unseren Inhalt doch um einiges besser ein.
Das schien auch Dozentin Otilia so zu sehen, denn während unserer Präsentation konnte man deutlich öfter ein zustimmendes Lächeln und weniger Zwischenfragen bezüglich unberücksichtigter Aspekte feststellen.
Besonders überzeugen konnten wir natürlich mit dem perfekten Logo unserer Firma.
Detailliert kann ich natürlich nicht verraten, worum es geht (Copyright und so ;-)), aber es sei so viel gesagt: Gebt uns 90.866,36 € und wir machen ein Geschäft auf, das einen Dukaten-Esel-Charakter birgt! :-D
Den Rest des Tages verbrachte ich im Kämmerlein: Leider musste die Küche erneut von mir einer Reinigunsprozedur unterzogen werden, da ich nicht das richtige, Krankenhausduft versprühende, Putzmittel verwendet hatte und somit nicht die WG-Auflagen erfüllt hatte. Dann wurde ein Waschtag eingeläutet und der Abend mit der Blog-mäßigen Aufarbeitung meiner Highlights der letzten Woche abgerundet.
Freu dich - du wirst bestimmt reich in Barcelona!

Montag, 19. Oktober 2009

Gourmetverdächtig

Sonntag, 18.10.:
Nachdem ich heute das erste Mal (abgesehen von meiner schlimmen Erkrankung von vor einigen Wochen) frierenderweise aufwachte, war es Zeit, den sich in nur einer Woche um fast 10 Grad abgekühlten Temperaturen Tribut zu zollen und die Daunendecke aus dem an dieser Stelle verstauten Koffer zu holen. Naja, 18 sonnige Grad sind aber ein deutlich angenehmeres Herbstwetter als das aus Deutschland gewohnte Eiskratz-Morgen-Wetter, also will ich mich nicht beklagen.
Beim Joggen war der frische Wind um die Nase dann nämlich schon wieder ein willkommener Erfrischungsfaktor!
Der Fokus meiner Aktivitäten war jedoch heute auf die am Montag zu präsentierende Gruppenarbeit zu legen und so machte ich mich nach der Erfüllung meiner Küchenputzpflicht mit dem Fahrrad auf zu meinen Gruppenmitgliedern - Überraschung: Alex, Hendrik, Stefan und Robert.
Enthusiastisch arbeiteten wir an der Machbarkeitsstudie für unsere Business-Idee im Fach Entrepreneurship.
Belohnend für viele Stunden der akribischen Recherche kochte Stefan am heutigen Tag mal wieder ein richtiges Sonntagsessen. Im Ofen gegarte Lachsstreifen mit Nudeln und einer prächtigen Champagnersauce waren für unser aller Gaumen eine wahre Freude und es wunderte keinen, dass selbst die großen Mengen am Ende restlos verputzt waren. Ich muss schon sagen, kochen können "meine Jungs" ;-)
Danach setzten wir uns aber wieder an die Arbeit und diskutierten unsere Ideen aus. Besonders beim Design unseres Firmenlogos konnte ich meine Ideen verwirklichen lassen (obwohl ich mich nicht gerade beliebt dadurch gemacht hatte, bis zur Fertigstellung zu warten und erst dann mit meinen bahnbrechenden Vorschlägen hinterm Ofen hervorzukommen...) Den Anblick, wie wir einander gegenüber alle mit aufgeklappten Laptops und rauchenden Köpfen an unserem Projekt arbeiten, hätte man für die Amis aus unserem Kurs als Paradebeispiel motivierter Task-Erfüllung eigentlich mal abfotografieren sollen.
Nachdem ich vor gänzlicher Beendigung den Heimweg antreten mussten (böse böse Fahrpläne), fiel ich nach einem sehr produktiven Tag müde ins Bett.
Freu dich Barcelona - dich erwartet eine Experiencia Unica!

Jordi Hereu

Samstag, 17.10.:
Heute hab ich etwas zu berichten, was zwar relativ unspektakulär war, womit ich jedoch unheimlich angeben kann :-)
Von lauter Musik geweckt, zog es mich hinunter auf die Straße. Der neue Markt in meinem Viertel hatte heute feierliche Eröffnung. Um die Hallen herum spielten Musiker und sangen volkstümliche Lieder. Für die Kleinen (was nicht heißen soll, dass mich das davon abgehalten hätte, das ein oder andere auszuprobieren) gab es verschiedene Spielstellen, die Dosenwerfen, Mühle-Spielen oder Pfannkuchen-Wenden zur Beschäftigung anboten.
Als ich eine Runde um die weißen, zeltartigen Markthallen gemacht hatte, wollte ich auch das Innere erforschen. Zu meiner Freude bekam man am heutigen Tag schon am Eingang einen Becher Cava geschenkt und konnte sich an einer Mannigfaltigkeit verschiedener Salami-, Schinken- und Käsesorten bedienen.
Der Markt an sich ist ähnlich dem Markt la Boqueria an den Ramblas, nur größer und ohne all die Touristen. Zudem gibt es noch den daran angeschlossenen Kleidermarkt. Hier ist der ideale Platz, um Zutaten für eine reichhaltige Mahlzeit zu kaufen oder um einfach nur mal durchzuschlendern. Die die verschiedenen Gerüche von frischen Früchten bis hin zu Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten kommen einem Attentat auf die Sinne gleich. Ich muss jedoch sagen, dass mir vom Flair und Ambiente her der ursprüngliche Marktplatz besser gefallen hat als diese weißen Kunststoffröhren.
Als ich mich durch die Menge schlängelte, bemerkte ich plötzlich wie eine Gruppe von Pressefotografen auffällig dicht aufeinander hockte. Noch dazu gingen vor, neben und hinter mir im Abstand von etwa zwei Metern große Anzugträger mit Knöpfen in den Ohren. Dann sah ich, wie ein kleiner Mann mit Krawatte herzlich lachend die gleiche Runde machte wie ich und offenbar jeden Händler auf dem Markt kannte. Zumindest begrüßte er jeden solchen mit Handschlag und grinste dabei in eine von den aufblitzenden Kameras. Ab und zu gab es auch ein Händeschütteln für die Seniorinnen, die sich mit ihrem Einkaufswägelchen den Weg durch die Markthallen zu bahnen versuchten. Wie andere Besucher des Marktes wollte auch ich mich, nachdem ich einige Minuten geduldig dem Trupp hinterhergetrottet war, an diesem offenbar nicht unbekannten Herren vorbeischleusen. Vielleicht, weil ich den Altersdurchschnitt in der Markthalle erheblich gesenkt hatte (die Kinder spielten ja alle draußen), vielleicht weil ich einfach über einen Kopf größer war als die anderen Besucher, ich weiß es nicht: Als ich vorbeigehen wollte, wurde auch ich mit einem festen Handschlag dieses Promis, von dem ich immer noch keine Ahnung hatte, wer er war, bedacht. Ich freute mich aber natürlich und grinste ebenfalls in die Kamera. Einen der später im Gang auf die Ankunft des Edelmannes wartenden Fotografen fragte ich dann, um wen es sich denn dort handle, konnte aber mangels ausgereiftem Vokabular lediglich verstehen, dass es sich um den "Chef von Barcelona" handeln sollte.
Gleich nach meiner Ankunft zu Hause konnte ich dann dank der Google-Bilder-Suche feststellen, dass ich am heutigen Tag Jordi Hereu, dem Bürgermeister von Barcelona, die Hand geschüttelt hatte :-)
Freu dich - so ein Promianekdötchen hat doch nicht jeder Austauschstudent parat, oder?

Sardana

Freitag, 16.10.:
Das Wetter an diesem Tag war sensationell und so beschloss ich, meine Lernaktivitäten auf die Dachterrasse zu verlegen. Zu meiner Freude konnte ich feststellen, dass das W-Lan der Wohnung sogar bis dorthin reicht. Zwar konnte ich bei dem strahlenden Sonnenschein nicht allzu viel vom Bildschirm erkennen, doch das Wissen über diese Option stimmte mich dennoch sehr freudig.
Später wollte ich wieder einmal eine meiner Erkundungstouren starten und radelte erst zum Placa Catalunya und ging von dort aus zu Fuß durch die Einkaufsstraßen.
Und ein Highlight ließ nicht lang auf sich warten, denn am Platz vor der Kathedrale sollte die Post am heutigen Tag für Unterhaltungsprogramm sorgen. Zur Feier einer neuen Briefmarke gab es dort nicht nur eine Ausstellung alter Briefe und Marken, sondern auch Live-Musik und Tanzvorführungen. Die neue Briefmarke zeigt nämlich eine Gruppe von Tänzern, die den katalanischen Nationaltanz, die Sardana, tanzen.
Die Sardana wird in vielen Orten Kataloniens unter freiem Himmel getanzt. Auch in Barcelona hat sich dieses Brauchtum erhalten und am Wochenende treffen sich an diesem Platz die "Sardanisten" zum kreisförmigen Hüpfen. Heute waren es jedoch die tatsächlich auf der Marke abgebildeten Tänzer, die in ihren Ballethäschen-Trachten die Sardana vorführten. Sobald der erste Ton der Kapelle ertönte, fassten sich alle an den Händen, um den Gruppentanz einzuläuten. Auch Fremde können jederzeit in den Reigen eintreten und mittanzen - Alter und Herkunft spielt dabei keine Rolle.
Das Tanzen gestaltet sich aber schwieriger als es auf den ersten Blick aussieht (sofern ich das vom Zusehen beurteilen kann). Die Schrittfolge wiederholt sich zwar immer, jedoch müssen die Tanzenden konzentriert den Takt mitzählen. Die feierlich ernsten Mienen dabei sind wohl typisch für diesen Volkstanz.
Die Katalanen sagen über die Sardana: "Sie besitzt den Rhythmus Kataloniens - das Herz tanzt, der Kopf rechnet."
Auch wenn ich nicht so großen Gefallen an diesem Tanz gefunden habe, dass ich fortan jeden Sonntag um 12 Uhr an der Kathedrale auf die Sardanisten warten werde, war es doch den Ausflug heute wert und ich freu mich, dass ich dieses Spektakel mal live erleben konnte.
Freu dich - Ringelpietz wird hier sehr ernst genommen!

All out

Donnerstag, 15.10.:
Nachdem ich in der letzten Woche so viel Spaß daran entwickelt hatte, mir im Pokern ein goldenes Näschen zu verdienen, wollten wir heute eine Wiederholung starten.
Bevor ich mich mit den Salatresten vom Grillen auf ins Eixample machte, möchte ich jedoch noch kurz erwähnen, dass ich ab und an sogar Züge von Nettigkeit entwickeln kann :-) So hatte ich nämlich die Brot-, Nudelsalat- und Fleischreste liebevoll zu Pausenbroten zusammengestellt und konnte in der UNI das Gefühl des gestrigen Abends noch einmal - zumindest geschmacklich - in Erinnerung rufen und meine Kommilitonen erfreuen.
Der Pokerabend, bei dem häufiger als in der letzten Woche Naschpausen für den Salat und Pizzabrot eingelegt wurden, war erneut Rechtfertigung für die Investition in die Chips - zumindest was den Spaß am Spiel anging. Denn leider war ich an diesem Tag weniger vom Anfängerglück geküsst und musste mich als erste dem unglaublich stark aufspielenden Robert geschlagen geben (der übrigens darauf bestand, dass ich das doch bitte hier erwähne) ;-)
Mit qualifizierten Zwischenkommentaren konnte ich mich aber dennoch bis zum Schluss am Spielgeschehen beteiligen und Nutznießer kleiner Schulungsmaßnahmen in Sachen Chancenberechnung durch Stefan werden.
Alles, was ich an diesem Abend in finanzieller Hinsicht einbüßen musste, hab ich aber natürlich - Fuchs, wie ich bin - an der permanenten Bedienung am WG-Kühlschrank wieder reingeholt ;-)
Freu dich - wenn man es locker nimmt, macht auch Verlieren Spaß!

BBQ

Mittwoch, 14.10.:
Wie verabredet sollte heute das schöne Wetter hinsichtlich der plötzlich abkühlenden Temperaturen genutzt werden. Am frühen Abend kamen dann das erste Mal Stefan, Alex und Robert - angeführt vom den Weg bereits bestens verinnerlicht habenden Hendrik - zu mir. Beeindruckt, nicht nur von meinem phänomenalen Nudelsalat, sondern auch von kleinen Gurken-Käse-Häppchen, Salat und von meinem selbst gebackenen Brot, ließen sich die Herren von der herrlichen Aussicht von meiner Dachterrasse überwältigen.
Doch auch ich musste lobend meinen Hut ziehen, da die für die Fleischversorgung verantwortlich gezeichneten Besucher keine Mühen gescheut hatten, sage und schreibe vier eigene Marinaden für die verschiedenen Fleischsorten zu "erfinden".
Darüber hinaus half mir Stefan noch bei der Salz-Butter-Ummantelung für den Lachs.
Nachdem der Grill entzündet und das erste Willkommenskaltgetränk auf der Dachterrasse eingenommen war, hatten wir einen großartigen Abend der Völlerei vor dem Hintergrund der in der Abendsonne orange eingefärbten Silhouette Barcelonas.

Später wurde das anschließende Kartenspiel aufgrund der in der Dunkelheit nicht zuträglichen Lichtverhältnisse ins WG-Wohnzimmer verlegt, wo eine kurze Bekanntschaft mit meiner Mitbewohnerin Shelly gemacht wurde.
Das Spiel konnten wir wegen der unflexiblen Metrozeiten leider nicht so lang spielen, bis ich offiziell als Sieger hätte bezeichnet werden konnte, aber nach einem so schönen Abend konnte ich das mit Leichtigkeit verkraften.
Freu dich - Grillen macht doch immer Spaß!

Samstag, 17. Oktober 2009

Großeinkauf

Dienstag, 13.10.:
Nachdem mein Schlafrhythmus nach den letzten vier freien Tagen leider völlig aus dem Gleichgewicht geraten war und ich nicht vor halb vier der letzten Nacht Schlaf gefunden hatte, brachte ich es doch tatsächlich fertig, die erste Vorlesung (die um 11:00 Uhr beginnt!!!) zu verschlafen. Antonia nimmt mir dies hoffentlich nicht übel. In der zweiten Spanischstunde war jedoch ohnehin die attraktivere an diesem Tag, da der Unterricht vom katalanischen Vertretungslehrer Franziskus geleitet wurde. Ihn zu verstehen stellte eine echte Herausforderung dar.
Nachdem die katalanischen Floskeln Chao und bona nit verinnerlicht wurden, war der UNI-Tag auch schon wieder vorbei. Doch meine To-Do-Liste barg weitere Aufgaben für mich. Die neuen Markthallen des Mercat Sant Antonin hatten die Tore geöffnet und da der Eingang jetzt nur noch knappe 30m von meiner Wohnung entfernt liegt, stattete ich ihm einen kurzen Besuch ab. Da es jedoch sehr voll war, kaufte ich nur einen Alibi-Apfel und begab mich zu meinem eigentlichen Ziel - dem Supermarkt. Der lästige Sicherheitsbeamte war zum Glück nicht zu erspähen und so konnte ich in Ruhe meine Einkäufe erledigen. Diese sollten heute etwas größer ausfallen, da ich mir doch tatsächlich für den nächsten Tag Besuch eingeladen hatte.
Nach ca. einer Stunde schleppte ich die in weiser Voraussicht mitgebrachte IKEA-Tüte vollgepackt aus dem Consum. Neben Getränken, Kohle, Eiern, Gemüse und Nudeln, waren auch ein paar Lachsfilets und Maiskolben in meiner blauen Wundertüte.
Nach den 20 Minuten, die es mich kostete, die schwere Tüte die hundert Meter bis zum Haus und die 4 Stockwerke hinauf zu wuchten,
rückversicherte ich mich kurz bei Schwesti, dass mit ausreichend Salz beim Zusammenmischen der Zutaten eigentlich nicht viel schief gehen kann. Und 30 Minuten später konnte ich in meinem Kopf stolz ein Häkchen hinter das Projekt "erster eigener Nudelsalat" setzen.
Den Rest des Abends verbrachte ich damit, mir genügend Platz für meine Leckrigkeiten im Kühlschrank zu ergattern und das Rost vom Dach vom Dreck der Jahrhunderte zu befreien.
Freu dich - morgen wird gegrillt!

Dienstag, 13. Oktober 2009

Columbus-Day

Montag, 12.10.:
Den heimischen Lesern wird es wahrscheinlich wieder mal die neidische Blässe ins Gesicht treiben, doch dennoch muss ich darauf hinweisen, dass hier heute wieder einmal Feiertag war. Zu Ehren des Herrn Columbus fanden heute keine Vorlesungen statt und bescherte mir somit ein verlängertes Wochenende.
Da die Sonne sich hier immer noch nicht überlegt hat, sich für den Winter fertig zu machen, war dies eine perfekte Gelegenheit, meine Lernaktivitäten an den Strand zu verlegen. Obwohl es dort windiger war als auf meiner Dachterasse, ist der Klang des rauschenden Meeres als Hintergrundmusik für das Durcharbeiten meiner Skripte einfach unübertrefflich. Bei lauschigen 25 Grad und strahlend blauem Himmel verbrachte ich den kompletten Mittag am Strand.
An dieser Stelle möchte ich aufmunternde Grüße nach Köln bestellen und mein Mitgefühl bezüglich des einsetzenden Bodenfrostes bei Nacht (sofern ich dem Wetterbericht Glauben schenken darf) kundtun.
Später am Nachmittag gab es dann noch weitere Premieren. Hendrik war zu munter, um den Tag trantütig wie der Rest in der Wohnung zu verbringen und stattete mir - als erster wohlgemerkt - einen Besuch ab. Nachdem ein Kaffee auf meiner Dachterasse kredenzt, eine Inspektion der religiösen Gegenstände in meiner Wohnung durchgeführt und ein strandtauglicher Fußball in meinem Zimmer entdeckt wurde, machte ich meinen Gast mit den Sehenswürdigkeiten meines Viertels bekannt. Der Mercat von Sant Antoni hatte aufgrund des Feiertags leider seine Tore geschlossen, doch mit einem Spaziergang zum MACBA und über die Rambla de Raval mit ihrer Vielzahl an Dönerstübchen und preisgünstigen Bocadillobuden wusste ich Hendrik trotzdem zu beeindrucken.
Der Ausflug wandelte sich schließlich zu einer kulturellen Erkundungstour, denn der Passeig de Gracia beherbergte noch immer die berühmten Gaudí-Bauwerke. Diese interessierten jedoch nur sekundär, da wir unser Augenmerk auf den mit unglaublich viel Liebe zum Detail blümerant gepflasterten Fußweg legten und (sogar mit Erfolg) versuchten, Fehler zu entdecken.
Eine Einladung zum gemeinsamen Abendessen im Eixample nahm ich gern an und durfte mich zum wiederholten Male bekochen lassen. Reis mit Gambas war ein schönes Dinner für den Feiertags-Anlass.
Freu dich - die Minusgrade sind hier noch weit weit weg!

HB CL: FCB-THW

Sonntag, 11.10.:
Pünktlich zu meinem 50. Blogeintrag weiß ich von einem echten Highlight meines Barcelonaaufenthalts zu berichten!
Heute stand die von mir schon seit Wochen herbeigesehnte Hanball-Champions-League-Begegnung von den beiden Weltspitzenteams FC Barcelona Borges und dem THW Kiel auf dem Programm. Am Tag des Vorverkaufsstarts hatten Robert und ich Karten für dieses Spiel gekauft und wollten den anderen "unseren Sport" mal ein wenig näher bringen. So machten wir uns an diesem sonnigen Nachmittag auf zum Palau Blaugrana, der Austragungshalle direkt neben dem Camp Nou. Während der Metrofahrt zur Halle wurden diverse Jubelgesänge einstudiert und
geschichtliche Hintergründe der Begegnungen dieser beiden Teams zum Besten gegeben.
So sollten wir Welthandballer Thierry Omeyer, Nationalspieler Dominik Klein, Zeitzi,
Ahlm, Andersson, Sprenger, Narcisse, Jicha, Ilic, Lundström und Lund neben weiteren Handballgrößen auf Kieler Seite zu Gesicht bekommen und Iker Romero, Mikkel Hansen, Joachim Boldsen, Rutenka, Nagy und Barrufet als Leistungsträger auf der spanischen Seite.
Noch nie hatte es ein Unentschieden bei Spielen dieser Mannschaften gegeneinander gegeben und das Siegerverhältnis war ebenfalls ausgeglichen.
Wir freuten uns also auf ein spannendes Spiel und da Robert als erste Amtshandlung in der Halle erstmal einen inbrünstigen Schrei loswerden musste, wurde er sogleich von einem Bekannten aus Köln wiedererkannt, der sich daraufhin zu uns gesellte.
Das Catering in der Halle ließ zwar zu wünschen übrig, denn es gab nicht mal Hotdogs oder andere warme Snacks, sondern nur Erdnüsse und alkoholfreies Bier, jedoch sollten wir durch unsere guten Plätze und die daraus resultierende astreine Sicht entschädigt werden.
Das Spiel war wie erwartet packend und super anzusehen, Omeyer wuchs wieder einmal über sich hinaus und ich ließ mich sogar dazu hinreißen, mein Nationalgefühl über mein Flensburger Vereinsherz zu stellen und klatschte irgendwann für die Kieler :-X.
Ein 30:27 stand am Ende mit den Kielern als Gewinnern auf der Anzeigetafel und wir alle freuten uns, dass wir uns dieses Spiel nicht haben entgehen lassen. Natürlich kribbelt es seitdem wieder stärker in Roberts und meinen Fingern....Handball ist halt einfach der beste Sport der Welt!
Freu dich - FCBarcelona, més que un club

Montag, 12. Oktober 2009

Sperrstunde

Samstag, 10.10.:
Den Tag verbrachte ich abwechselnd auf der Dachterasse, der Raval-Rambla und in meinem Zimmer: Die UNI forderte von mir ein bisschen Aufmerksamkeit in Form von zu lesender Literatur. Ziemlich unspektakulär beschäftigte ich mich also mit Managing Services und unterbrach mein Lernen lediglich durch einen kleinen Besuch im Supermarkt (dessen Sicherheitschef mir langsam aber sicher durch das permanente Aufzwängen eines Gesprächs auf die Nerven geht) und ein paar Internetrecherchen auf der THW-Provinzial-Seite.
Der Abend sollte dafür aber umso unterhaltsamer werden. In der altbekannten Bar Trece wartete schon ein frischer Mojito und ein angenehmes Gespräch (sogar halb auf spanisch) mit den netten Besitzern auf mich. Da es diesmal, am späten Samstag Abend, jedoch sehr voll in der Bar, die kaum größer als ein Durchschnittswohnzimmer ist, wurde, beschlossen Stefan, Robert, Hendrik (die sich ebenfalls eingefunden hatten) und ich, eine neue Örtlichkeit auszutesten.
Erfolgreich ergatterten wir in einer Bar einige Meter weiter einen Tisch und konnten uns über günstige Preise und Luft zum Atmen freuen. Den Namen der Bar hab ich leider nicht mehr im Kopf, doch die Hauptsache ist ja eigentlich, dass ich sie noch mal wiederfinde, oder? Und das werde ich wohl, solang ich mich nicht auf Frankys Orientierungssinn verlasse, schaffen. In der neuen Bar hatte ich, nachdem ich über die Bedeutung des Wortes "Mueddel" aufgeklärt wurde, einen wundervoll gesprächigen Abend mit "meinen Jungs". Lediglich Stefan schien dieses Wochenende ein bisschen vom Pech verfolgt, denn nachdem er schon beim Pokern und beim Schach nicht gewonnen hatte, musste er sich nun auch noch im Schnick-Schnack-Schnuck geschlagen geben und die anderen mit Bier versorgen.
Das erste Mal geschah es dann, dass wir aufgefordert wurden eine Bar zu verlassen, da um drei Uhr nachts wohl abgesehen von Diskotheken alle Verkaufsstätten schließen müssen. Dies wurde zu unserem Entsetzen auch beim nahe gelegenen Dönerstübchen praktiziert, der uns vom noch sehr fleischhaltigen Spieß nichts mehr absäbeln durfte.
Zu schade, doch andererseits sorgte dies dafür, dass wir den an diesem Wochenende am höchsten priorisierten Sonntag halbwegs ausgeschlafen begehen sollten. Nach dem gescheiterten Versuch, einem Rambla-Bier-Verkäufer noch etwas abzuluchsen und einem kurzen Pläuschchen mit einem Urlauber aus Alicante, fiel ich müde ins Bettchen.
Freu dich - so lang zu feiern, bis die Läden schließen, ist doch das Schönste!

Wie die Einheimischen

Freitag, 09.10.:
Nach der langen Pokernacht entließ mich mein Bett am heutigen Tag erst am Nachmittag aus meiner Erholungsphase. Die Sonne war nicht verlässlich genug, um den Weg an den Strand zu wagen, jedoch immer noch zu verlockend am strahlen, dass ich den kompletten Tag hätte zu Haus verbringen wollen.
Und so flanierte ich durch die Straßen, um schließlich das Treiben am Placa Catalunya zu genießen. Hier traf ich auf zwei alte Bekannte, die ihr Spielvergnügen heute auf andere Art und Weise ausleben wollten. Hendrik und Franky hatten es sich auf einem Mäuerchen gemütlich gemacht und spielten - wie so manche katalonische Senioren am gleichen Platz - eine Partie Schach. Belustigt durch die in manchen Momenten sogar in Schaaren stehenbleibenden Touristen, die interessiert das Spiel und die Denkerposen der Jungs verfolgten, leistete ich den Schachmeistern Gesellschaft und beobachtete gekonnt professionell den Fortschritt auf dem Brett.
Robert, der mit seiner Verwandschaft die Sagrada Familia als erster von uns auch von innen besichtigt hatte, kam ebenfalls hinzu und wir tauschten unsere kulturellen Erfahrungen aus, während wir Tauben beobachteten und überlegten, ob wir durch das Aufstellen eines Bechers womöglich noch Geld mit dem Schachstillleben aus Stefan und Hendrik verdienen könnten.
Bevor allerdings dieser Plan einen ausgereifteren Status erreichen konnte, hatte Hendrik das Siegerkrönchen errungen und wir beschlossen, uns zum wiederholten Male in der Champagneria zu stärken. Mit den Rädern (für die ich irgendwann sicherlich noch mal Fuchsschwänze anschaffen werde, um dem Grundschul-Fahrrad-Gang-Verhalten visuelle Untermalung zu stiften) schlängelten wir uns durch die Fußgängerzone nach Barceloneta. Neben dem üblichen Sandwich zum Cava probierten wir diesmal auch eine hierorts bekannte Spezialität: Frittierte Blutwurst. Nachdem alle probiert hatten, waren wir uns dann aber einig, dass außer Alex wohl niemand an diesem kulinarischen Geschmackserlebnis Gefallen finden konnte. Nachdem wir es uns so lang haben gut gehen lassen, bis der Schampus ein auf dem Foto zu erkennendes Dauergrinsen auf unsere Gesichter gezaubert hatte, war der Tag auch schon wieder um.
Freu dich - sogar Seniorenrunde spielen macht in Barcelona Spaß!

Samstag, 10. Oktober 2009

All in

Donnerstag, 08.10.:
Der Wetterbericht bewahrheitete sich nicht und es blieb schön. Jedoch war die Abendplanung auf eine wetterunabhängige Aktivität festgelegt: Ein Pokerabend mit Hendrik, Robert und Stefan.
Nachdem ein Kartenspiel mit dem spanischen Torro darauf und ein paar Pokerchips gekauft waren, sollte es ein lustiger Abend werden.
Meine Sorge, mich Anfänger bis auf die Knochen zu blamieren, konnte ich nach meiner Ankunft beim Anblick der drei Spieler getrost vergessen. Spezielle Poker-Mützen, unverspiegelte Sonnenbrillen und überdimensionale Kopfhörer zur Einschüchterung des Gegners machten eine Steigerung der Blamage durch mich nahezu unmöglich.
Alex, der dem Pokern nicht so zugewandt ist, verabschiedete sich zum Skat spielen und ich legte meine heutige Strategie fest: Mein Bier mit Cola mischen und somit langsamer betrunken werden als die anderen, was es mir leichter machen sollte, den Tisch als Sieger zu verlassen.
Ob es nun wirklich daran lag oder ob ich einfach so gut bin - man weiß es nicht, jedenfalls schickte ich relativ zeitig den sehr forsch spielenden Robert vom Tisch (@Robin: wie lang dauert es denn, bis man über diese Schmach hinweg ist? ;-)), der ab da fürs Dealen und die Getränkeversorgung zuständig war. Mein Gleichgültigkeitsgesicht schaffte ich dabei nicht aufrecht zu erhalten und belustigte die Runde mit zwischenzeitigen Freudentänzchen. Als nächstes fiel Stefan meinem Full-House zum Opfer und musste das Finale an Hendrik (der die nächste Partie gewinnen sollte) und mich abgeben. Überrascht von mir selbst spielte ich meine Chipleaderposition geduldig aus und konnte doch tatsächlich am Ende alle Spielchips auf mich vereinen! Gewonnen :-) Ruhm, Reichtum, Ehre!




Freu dich - dass dieser Abend so günstig und erfolgreich für mich verlaufen würde, hätte ich nicht gedacht!




UNI: alles umsonst

Mittwoch, 07.10.:
Obwohl oder gerade weil meine Oberschenkel mich an diesem Morgen deutlichst spüren ließen, dass irgendwo in ihnen Muskelmasse verborgen ist, beschloss ich ein weiteres Morgen-Sportprogramm zu absolvieren. Heute machte ich allerdings schon an den diesmal wieder hell erleuchteten Türmen kehrt und war "nur" eine Stunde unterwegs.
Während der Busfahrt zur UNI verfestigte sich dann aber unter pochendem Stechen in den Beinen der Gedanke, dass dies für die nächsten Stunden die letzte sportliche Betätigung gewesen sein sollte. So verbrachte ich sogar die Pause im Hörsaal, da mir der Treppengang vom dritten Stock in den Hof und wieder zurück einfach zu anstrengend war und ließ mir stattdessen von den amerikanischen Kommilitonen ein paar Ausgeh-Tipps für den Studentengeldbeutel geben.
Und als hätte die Hochschulleitung unser Bestreben kostengünstig Spaß zu haben gespürt, gab es auf einmal einen Anlass (welcher uns konkret verborgen geblieben ist) im Innenhof ein Fest zu feiern. Es gab Bocadillos, Bier und eine Seniorentanzgruppe, die Ringeltänze um einen kleinen Wimpel veranstaltete. Auch wenn wir nicht wussten, welchem Gönner wir das alles zu verdanken hatten, freuten sich alle Studenten über diese Gratis-Abwechslung.
Mit einer Cerveza in der Hand ließ sich die letzte Vorlesung wie spielend hinter sich bringen.
Zurück zu Hause nach einem Blick auf den Wetterbericht, beschloss ich das gute Wetter hinsichtlich der schlechten Prognosen (auch wenn "schlecht" relativ zu sehen ist: ich glaube die Kölner könnten sich bei den verregneten 13 Grad dort durchaus über 25 °C, bei denen sich öfter mal ein kleines Wölkchen vor die Sonne schiebt, durchaus freuen) noch einmal zu nutzen und schwimmen zu gehen.
Ich redete mir ein, dass ein paar Züge im Meer mich von meinem Muskelkater befreien könnten. Und siehe da, man muss nur fest dran glauben, denn tatsächlich fühlte ich mich nach 20 Minuten im kühlen Nass deutlich entspannter.
Den restlichen Abend kümmerte ich mich dann um die schriftliche Zusammenfassung des Spanischfilms aus der Vorlesung, bevor ich erneut müde und zufrieden ins Traumland entschlief.
Freu dich - du wohnst am Meer!

Freitag, 9. Oktober 2009

Fleißig

Dienstag, 06.10.:
Wie ich es bereits erwartet hatte, wachte ich mit leichtem Muskelkater auf. Dafür aber umso früher, da ich ja bereits so zeitig ins Bett gegangen war. Ein Anlass für mich, diesen Tag mal ein wenig intensiver der UNI zu widmen und den Vormittag bis Vorlesungsbeginn in der Bibliothek zu verbringen, um ein weiteres Kapitel im 1000-seitigen Buch zu lesen, das die Prüfungsinhalte des Fachs Managing Services enthält. Das Buch für 60 $ und wahrscheinlich Versandkosten in ähnlicher Höhe zu kaufen, dafür ist mein Budget nicht kalkuliert.
Um halb Neun am Campus musste ich dann feststellen, dass in Spanien die Würmer wohl die frühen Vögel am langen Arm verrecken lassen, denn die Bibliothekstüren waren noch verschlossen. Sie blieben es auch noch ein ganzes Weilchen und ich hatte schon den zweiten Kaffee getrunken, bis eine "Dame" (die Anführungszeichen hat sie sich durch die Hausschuhe, die sie trug, verdient) mit Thermoskanne angeschlurft kam und mir 20 Minuten später als es die offiziellen Öffnungszeiten versprachen, Zugang zur gewünschten Literatur gewährte.
Dass analog zur Unterrichtssprache auch die Bücher auf englisch gehalten sind, führte dann dazu, dass ich nach knapp 2 Stunden leider erst 15 Seiten durchgearbeitet hatte und ich beschließen musste, auch den Abend im Bibliothekskabuff des Sarría-Campus zu verbringen. Zur zweiten Phase gesellten sich dann auch Franky und Robert und wir lasenmehr oder weniger wie Hühner in der Legebatterie abgeschottet nebeneinander unsere Kapitel.
Dass Robert ohne morgendliches universitäres Engagement 2 Stunden später genauso weit gekommen war, wie ich, war nicht weiter tragisch, da wir so zumindest alle gemeinsam den Heimweg antraten.
Freu dich, Jorge - sonst fällt mir niemand ein, den diese Beschäftigung heute erfreut hätte ;-)

Lauf Wiebke, Lauf!

Montag, 05.10.:
Als ich mich an diesem Morgen für die UNI fertig machte, musste ich leider mit Erschrecken feststellen, dass sich die mangelnde sportliche Verausgabung bisher (zumindest im Vergleich zu zu Hause) in Kombination mit diversen Schmause-Eskapaden in den letzten Wochen bemerkbar gemacht hatten: Ich krieg die Knöpfe fast aller mitgebrachten Hosen nicht mehr zu....Qué lástima.
Wer jetzt aber auf die kulinarischen Orgien nicht verzichten mag und weiter alles probieren möchte, was ihm unters Näschen gereicht wird, hat wohl nur eine Möglichkeit, aus diesem Dilemma zu entkommen: Sport.
So beschloss ich, die ich mich zum genannten Personenkreis zähle, den sonnigen Abend nach Ende der Vorlesungen und einem kurzen Besuch mit Robert im Ticket Shop zu nutzen, um wiederum die Laufschuhe anzuziehen. Diesmal nahm ich mir jedoch vor, mindestens eine Stunde unterwegs zu sein und am besten sogar nicht vorher umzukehren, sondern lieber mit dem Fahrrad zurückzufahren, sobald ich mein Pensum geschafft hatte.
Über die Ramblas meines Viertels hinunter zum Hafen, um eben diesen herum zum Strand von Barceloneta und von dort aus immer der Promenade folgend, trabte ich (in weiser Voraussicht eines längeren Unterfangens) gemächlich meines Weges. Mir begegneten gefühlte hundert weitere Jogger, zahlreiche Touristen und Inlineskater, die ebenfalls die angenehme Strecke an der frischen Meeresluft für ihre Abendgestaltung gewählt hatten. Meinen Plan, nicht vor Vollendung der 60 Minuten umzukehren, konnte ich aber dann nicht verwirklichen, da ich bereits nach 45 Minuten das Fòrum erreichte, an welchem eine Mauer das Weiterlaufen verhinderte. Ich machte also kehrt und lief wieder den beiden Türmen am Port Olímpic entgegen. Gerade als ich den ersten Turm passierte, wurde ich dann Zeuge eines unglaublichen Stromausfalls, der in Bruchteilen von Sekunden die gesamte Hafenanlage, Ampeln, Straßenlaternen und die Lichter beider Türme in Dunkelheit tauchte. Die Gäste in den Restaurants, die Spaziergänger an der Hafenpromenade und sämtliche Mitarbeiter in den Geschäften hier erschraken vom plötzlichen Ausfall aller Geräte. Auch ich war verwundert, lief aber dennoch weiter - mit dem mich zu einem Lächeln verleitenden Gedanken: Tja Wiebke, das kommt davon, wenn du hier die ganze Energie verbrauchst :-) Einzig das Casino blieb erhellt und wurde somit Blickpunkt aller Anwesenden. Offenbar verfügt es über eine eigene Stromversorgung.
Gerade in diesem Moment signalisierte mir meine Uhr, dass ich es geschafft hatte, die Stunde durchzulaufen. Jedoch dachte ich mir, dass bei dem Stromausfall wohl auch alle Bicingstationen außer Funktion wären und beschloss einfach so lang weiter zu laufen, bis ich nicht mehr kann. Meine anfängliche Zurückhaltung im Tempo kam mir somit echt zugute.
Als ich nach einem letzten Sprint die Treppen meines Hauses hinauf völlig erschöpft den Schlüssel in meine Wohnungstür steckte, konnte ich es kaum glauben. Ich hatte es doch tatsächlich geschafft, meinen Körper ganze hundert Minuten in Bewegung zu halten!!! Jogmap erlaubte mir dann festzustellen, dass ich bei dieser Unternehmung über 15 km zurückgelegt hatte.
Voller Stolz mobilisierte ich meine letzten Kräfte, um unter der Dusche zu singen, bis ein Besen von oben an die Decke klopfte, und dann - ich glaube so früh wie noch niemals hier - um halb Zehn ins Bett und kurz darauf in einen tiefen Schlaf zu fallen.
Freu dich, heut Nacht kannst du gut schlafen!

Montag, 5. Oktober 2009

Flieg Matthes, Flieg!

Sonntag, 04.10.:
Wie angekündigt, verbrachte ich den Tag am Strand und führte mir erneut die Flugshows zu Gemüte, diesmal in Gesellschaft von Hendrik&Mareike, Stefan und Robert.
Nachdem Broschüren studiert wurden und das Reglement verinnerlicht war, entwickelte sich eine echte Euphorie und wir unterstützten mit lauten Rufen den deutschen Teilnehmer Matthias Dolderer. Als hätte er uns gehört beglückte er uns mit dem Einzug ins Finale (Best of four) und holte einen Treppchenplatz für Deutschland.




Danach ging es dann aber schnell in Internetnähe, um Handballergebnisse zu gucken. Das hieß eine kleine Rad- bzw. Lauftour zur Sagrada Familia. Dort angekommen, mochte ich meinen Augen kaum trauen, denn meine Fortuna hat - wie ich es prophezeit hatte sei hier angemerkt - den TV Strombach vernichtend aus der Halle gefegt. Mit dem 35:26-Siegesgefühl ließ ich mich gern auf die Teilnahme an der Vernichtung des 5kg-Nudelauflaufs einladen und fühlte mich gestärkt für eine entspannte Partie Phase 10.
Immer noch zu durchschaubar für meine Mitspieler, reichte es wiederum nur für einen zweiten Platz und die Genugtuung, Robert beim Kartenspiel zerstört zu haben.
Freu dich - Wenn's mit dem Studium nicht klappt, heuer ich auf der Kirmes als Wahrsager an :-)

Red Bull Air Race

Samstag, 03.10.:
In die Stadt zog es mich heute bereits am Vormittag. Mein Mitbewohner Mattia und ich gingen mit dem Auftrag los, Anschlussrohre für die neue Waschmaschine zu besorgen.
Und wieder einmal wurde einem hier der miserable spanische Service demonstriert. In ungefähr 8 Geschäften mit sanitären Anlagen wurden wir nicht fündig und kein einziges der Waschma
schinen-Tiendas konnte uns auch nur einen ansatzweise hilfreichen Tipp geben, wo man die benötigten Zusatzteile bekommen könnte.
Nach 3 Stunden vergeblichen Suchens und pünktlich zur Siesta mussten wir das Projekt Waschmaschinenanschluss dann abbrechen und unverrichteter Dinge wieder das Augenmerk auf amüsantere Tagesgestaltungen legen.
Ich beschloss zum Strand zu gehen, denn so ruhig es in Deutschland anlässlich des Feiertags sein mochte, so aufregend war es dafür heute hier!
An diesem Wochenende fand am Strand von Bogatell das Red Bull Air Race statt, welches als Abschluss den Weltmeister im Kunstflug küren sollte.
Zwischen den zahlreichen Zuschauern im Sand ein Plätzchen
ergattert, hatte ich perfekte Sicht auf das Spektakel beim heutigen Qualifying. Am interessantesten waren natürlich die Durchgänge, in denen nicht alles wie gewollte klappte und die Hindernisstürme von den Maschinen regelrecht ze
rsäbelt wurden.
Auch die Show-Einlagen von pfeilschnellen Militärjets und Helikoptern, die synchron schwindelerregende Kunststücke vollführten, waren einmalig anzusehen.
Nach Ende der heutigen Durchgänge und dem Beschluss, zu den sonntäglichen Finals zurückzukommen, beendete ich den Tag ganz fleißig mit einer kleinen Joggingeinlage und ließ den Abend entspannt in der Wohnung ausklingen.

Achja: "Freu dich- Poldi holt bei Bayern einen Punkt für den FC!" ;-)

Poker-Face

Freitag, 02.10.:
Als ich an diesem Freitag völlig verschlafen von meinem Zimmer zur Kaffeeinfusion in die Küche torkelte, begegnete mir erneut ein fremdes Gesicht. Shellys Wochenendbesuch Fréderic forderte sofort ein Höchstmaß an Konzentration von mir, da neben den in den letzten Wochen vermehrt verwendeten Sprachen Deutsch, Englisch und Spanisch jetzt eine weitere hinzukam und nun auch wieder meine Französisch-Kenntnisse hervorgekramt werden mussten.
Während ich mir zum Frühstück ein paar Spiegeleier braten ließ (ein guter Gast weiß sich ja erkenntlich zu zeigen), wurde ich von Erzählungen über das Friseur-Dasein des gebürtigen Parisers auf Ibiza bestens unterhalten. Nachdem wir unser Mahl beendet hatten, zeigte mir Fréderic, wie man in nur einer Stunde im Internet 400 Euro "verdienen" kann. Wie sich nämlich herausstellte, ist der Friseur-Job nur eine "just-for-fun"-Angelegenheit und quasi hauptberuflich hatte ich einen professionellen Pokerspieler vor mir. Dies war auch Anlass für seinen Barcelona-Aufenthalt, da am Abend ein renommiertes Turnier im örtlichen Casino stattfinden sollte. Beeindruckt von den Erzählungen, konnte ich mich stolz mit meinen bahnbrechenden Kenntnissen über Smallblinds und Bigblinds einbringen.
Dann halfen wir beide meinem mittlerweile Ex-Mitbewohner Ronny beim Sachen schleppen, da er sich nach nur einem Monat entschlossen hatte, wieder auszuziehen.
Einige Treppengänge später war mir dann wieder bewusst geworden, dass ich ja eigentlich meine Verausgabungserfahrung in unserem Treppenhaus bereits hinter mir hatte und bereute plötzlich, mich zum Kistentragen angeboten zu haben.
Aber nun gut, den restlichen Nachmittag belohnte ich mich für die harte körperliche Arbeit mit einem Schläfchen auf der Dachterasse.
Am Abend sollte dann die Fortsetzung des letzten Fry-Days stattfinden. Nachdem ich noch ein paar Einkäufe erledigt hatte, radelte ich also wieder gen Norden.
Da eine einfache Wiederholung des Frittier-Gelages ein bisschen zu einfach gewesen wäre, waren die Bemühungen das letztmalige Highlight noch zu übertrumpfen, immens. Ein eigener Bierteig und Tintenfischstreifen waren noch das harmloseste, was in die provisorische Fritteuse kam. Neben den bewährten Patatas Bravas und Kroketten, kamen nun auch Fleisch, CordonBleu, Bananen, Paprika und sogar Magnum und Cornetto in die Fritteuse. Und wieder wurden wir von der Zubereitung in heißem Fett nicht enttäuscht und genossen den sich im Geruch zwar penetrant in der Kleidung festsetzenden, aber dafür im Geschmack beispiellosen Gaumenschmaus in vollen Zügen.
Freu dich - Bewährtes pflegen macht Spaß!

Samstag, 3. Oktober 2009

Los tres Flores

Donnerstag, 01.10.:
Der UNI-Tag sollte sich zu meiner Freude recht unterhaltsam und entspannt gestalten. Im Spanisch-Unterricht guckten wir nämlich - wie damals im WUK-Unterricht - einen Film :-) La Niña de tus Ojos mit Penélope Cruz als spanischem Folklore Schauspielstar war tatsächlich ansehnlich und dank der ziwschdurch deutschsprachigen Dialoge sogar auch verständlich.
Zu Hause angekommen, durfte ich beim täglichen Surf-Programm (obwohl ich ja jetzt am Meer wohne, meine ich lediglich das Internetsurfen!) freudig feststellen, dass auch GMX wieder einmal an meinen Geburtstag gedacht hatte und mir pünktlich nach Ablauf meiner letzten Gratistestphase einen neuen Premiumzugang schenkte :-) Zwar bin ich jetzt kein Top-Kunde mehr, sondern lediglich ein Pro-GMXer, aber auch mit 50 Frei-SMS im Monat kann man mir schon eine große Freude machen - Danke GMX!
Später dann wurde das Wochenende eingeläutet, da freitags vorlesungfrei ist.
Heute sollte die Anlaufstelle jedoch eine neue Bar sein, um den Wirten in der Dreizehn mal eine kleine Ruhepause zu gönnen. Los tres Flores bescherte den Besuchern köstliche Mojitos für gerade einmal 3,50€, sodass ich mich eigentlich nicht hätte wundern müssen, warum bereits 15 Gläser davon auf dem Tisch standen, als ich kurz vor Ende der Happy Hour den Weg dorthin fand...Bei ziemlich guter Musik und angenehmem Publikum ließ Stefan es sich zum wiederholten Male nicht nehmen, seinen Lieblingen (dabei allen voran Hendrik!) eine Rose zu gönnen - auch wenn man dazu sagen muss, dass die sportliche Herausforderung den Rosenverkäufer möglichst weit runter zu handeln, wohl im Vordergrund stand.
Mareike und Tina, die gerade zu Besuch sind, schienen den Abend zu genießen und trotz beachtlicher Getränkevernichtung musste am Ende niemand getragen werden.
Freu dich, dein SMS-Wahn wird fremdfinanziert :-)