Heute hab ich etwas zu berichten, was zwar relativ unspektakulär war, womit ich jedoch unheimlich angeben kann :-)
Von lauter Musik geweckt, zog es mich hinunter auf die Straße. Der neue Markt in meinem Viertel hatte heute feierliche Eröffnung. Um die Hallen herum spielten Musiker und sangen volkstümliche Lieder. Für die Kleinen (was nicht heißen soll, dass mich das davon abgehalten hätte, das ein oder andere auszuprobieren) gab es verschiedene Spielstellen, die Dosenwerfen, Mühle-Spielen oder Pfannkuchen-Wenden zur Beschäftigung anboten.
Als ich eine Runde um die weißen, zeltartigen Markthallen gemacht hatte, wollte ich auch das Innere erforschen. Zu meiner Freude bekam man am heutigen Tag schon am Eingang einen Becher Cava geschenkt und konnte sich an einer Mannigfaltigkeit verschiedener Salami-, Schinken- und Käsesorten bedienen.
Der Markt an sich ist ähnlich dem Markt la Boqueria an den Ramblas, nur größer und ohne all die Touristen. Zudem gibt es noch den daran angeschlossenen Kleidermarkt. Hier ist der ideale Platz, um Zutaten für eine reichhaltige Mahlzeit zu kaufen oder um einfach nur mal durchzuschlendern. Die die verschiedenen Gerüche von frischen Früchten bis hin zu Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten kommen einem Attentat auf die Sinne gleich. Ich muss jedoch sagen, dass mir vom Flair und Ambiente her der ursprüngliche Marktplatz besser gefallen hat als diese weißen Kunststoffröhren.
Als ich mich durch die Menge schlängelte, bemerkte ich plötzlich wie eine Gruppe von Pressefotografen auffällig dicht aufeinander hockte. Noch dazu gingen vor, neben und hinter mir im Abstand von etwa zwei Metern große Anzugträger mit Knöpfen in den Ohren. Dann sah ich, wie ein kleiner Mann mit Krawatte herzlich lachend die gleiche Runde machte wie ich und offenbar jeden Händler auf dem Markt kannte. Zumindest begrüßte er jeden solchen mit Handschlag und grinste dabei in eine von den aufblitzenden Kameras. Ab und zu gab es auch ein Händeschütteln für die Seniorinnen, die sich mit ihrem Einkaufswägelchen den Weg durch die Markthallen zu bahnen versuchten. Wie andere Besucher des Marktes wollte auch ich mich, nachdem ich einige Minuten geduldig dem Trupp hinterhergetrottet war, an diesem offenbar nicht unbekannten Herren vorbeischleusen. Vielleicht, weil ich den Altersdurchschnitt in der Markthalle erheblich gesenkt hatte (die Kinder spielten ja alle draußen), vielleicht weil ich einfach über einen Kopf größer war als die anderen Besucher, ich weiß es nicht: Als ich vorbeigehen wollte, wurde auch ich mit einem festen Handschlag dieses Promis, von dem ich immer noch keine Ahnung hatte, wer er war, bedacht. Ich freute mich aber natürlich und grinste ebenfalls in die Kamera. Einen der später im Gang auf die Ankunft des Edelmannes wartenden Fotografen fragte ich dann, um wen es sich denn dort handle, konnte aber mangels ausgereiftem Vokabular lediglich verstehen, dass es sich um den "Chef von Barcelona" handeln sollte.
Gleich nach meiner Ankunft zu Hause konnte ich dann dank der Google-Bilder-Suche feststellen, dass ich am heutigen Tag Jordi Hereu, dem Bürgermeister von Barcelona, die Hand geschüttelt hatte :-)
Freu dich - so ein Promianekdötchen hat doch nicht jeder Austauschstudent parat, oder?

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Wenn jemand seinen Senf dazugeben mag, ist er herzlich eingeladen :-)