Freitag, 9. Oktober 2009

Lauf Wiebke, Lauf!

Montag, 05.10.:
Als ich mich an diesem Morgen für die UNI fertig machte, musste ich leider mit Erschrecken feststellen, dass sich die mangelnde sportliche Verausgabung bisher (zumindest im Vergleich zu zu Hause) in Kombination mit diversen Schmause-Eskapaden in den letzten Wochen bemerkbar gemacht hatten: Ich krieg die Knöpfe fast aller mitgebrachten Hosen nicht mehr zu....Qué lástima.
Wer jetzt aber auf die kulinarischen Orgien nicht verzichten mag und weiter alles probieren möchte, was ihm unters Näschen gereicht wird, hat wohl nur eine Möglichkeit, aus diesem Dilemma zu entkommen: Sport.
So beschloss ich, die ich mich zum genannten Personenkreis zähle, den sonnigen Abend nach Ende der Vorlesungen und einem kurzen Besuch mit Robert im Ticket Shop zu nutzen, um wiederum die Laufschuhe anzuziehen. Diesmal nahm ich mir jedoch vor, mindestens eine Stunde unterwegs zu sein und am besten sogar nicht vorher umzukehren, sondern lieber mit dem Fahrrad zurückzufahren, sobald ich mein Pensum geschafft hatte.
Über die Ramblas meines Viertels hinunter zum Hafen, um eben diesen herum zum Strand von Barceloneta und von dort aus immer der Promenade folgend, trabte ich (in weiser Voraussicht eines längeren Unterfangens) gemächlich meines Weges. Mir begegneten gefühlte hundert weitere Jogger, zahlreiche Touristen und Inlineskater, die ebenfalls die angenehme Strecke an der frischen Meeresluft für ihre Abendgestaltung gewählt hatten. Meinen Plan, nicht vor Vollendung der 60 Minuten umzukehren, konnte ich aber dann nicht verwirklichen, da ich bereits nach 45 Minuten das Fòrum erreichte, an welchem eine Mauer das Weiterlaufen verhinderte. Ich machte also kehrt und lief wieder den beiden Türmen am Port Olímpic entgegen. Gerade als ich den ersten Turm passierte, wurde ich dann Zeuge eines unglaublichen Stromausfalls, der in Bruchteilen von Sekunden die gesamte Hafenanlage, Ampeln, Straßenlaternen und die Lichter beider Türme in Dunkelheit tauchte. Die Gäste in den Restaurants, die Spaziergänger an der Hafenpromenade und sämtliche Mitarbeiter in den Geschäften hier erschraken vom plötzlichen Ausfall aller Geräte. Auch ich war verwundert, lief aber dennoch weiter - mit dem mich zu einem Lächeln verleitenden Gedanken: Tja Wiebke, das kommt davon, wenn du hier die ganze Energie verbrauchst :-) Einzig das Casino blieb erhellt und wurde somit Blickpunkt aller Anwesenden. Offenbar verfügt es über eine eigene Stromversorgung.
Gerade in diesem Moment signalisierte mir meine Uhr, dass ich es geschafft hatte, die Stunde durchzulaufen. Jedoch dachte ich mir, dass bei dem Stromausfall wohl auch alle Bicingstationen außer Funktion wären und beschloss einfach so lang weiter zu laufen, bis ich nicht mehr kann. Meine anfängliche Zurückhaltung im Tempo kam mir somit echt zugute.
Als ich nach einem letzten Sprint die Treppen meines Hauses hinauf völlig erschöpft den Schlüssel in meine Wohnungstür steckte, konnte ich es kaum glauben. Ich hatte es doch tatsächlich geschafft, meinen Körper ganze hundert Minuten in Bewegung zu halten!!! Jogmap erlaubte mir dann festzustellen, dass ich bei dieser Unternehmung über 15 km zurückgelegt hatte.
Voller Stolz mobilisierte ich meine letzten Kräfte, um unter der Dusche zu singen, bis ein Besen von oben an die Decke klopfte, und dann - ich glaube so früh wie noch niemals hier - um halb Zehn ins Bett und kurz darauf in einen tiefen Schlaf zu fallen.
Freu dich, heut Nacht kannst du gut schlafen!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn jemand seinen Senf dazugeben mag, ist er herzlich eingeladen :-)