Dienstag, 8. September 2009

Unbezahlbar

Montag, 07.09.:
Als ich (für mich eigentlich unerklärlicherweise) schon um halb 7 aufwachte, waren meine sportlichen Vorsätze alles andere als verflogen. Und so ging es noch im Halbdunkeln auf meine erste Lauftour in Barcelona.
Durch die menschenleeren Straßen und lediglich vom Duft der von den hiesigen Bäckern frisch zubereiteten Backwaren begleitet wuchtete ich meinen, offenbar von jeglicher sportlicher Betätigung entwöhnten, Körper  - wohin auch sonst - zum Strand. Stets die Pulsuhr im Blick, die mich rechtzeitig warnen sollte, ob der Zusammenbruch kurz bevorstände, gewöhnte ich mich schnell wieder an die Belastung und konnte mich alsbald auf die frische Luft und die weite Sicht entlang der Promenade kontzentrieren. Doch dann wurde mir ein für Geld nicht zu erstehendes Geschenk gemacht und ich für mein frühes Aufstehen mehr als belohnt: Zum ersten Mal in meinem Leben durfte ich sehen, wie die Sonne über dem Meer aufgeht. Ein unbezahlbarer Anblick, wie sich die Feuerkugel glutrot aus dem Meer erhebt, einen glänzenden Schimmer auf das Wasser legt und vom einen auf den anderen Moment das komplette Strandbild in eine orange-wohlige Wohlfühllandschaft verwandelt. Ich war völlig benommen und von riesiger Freude, dass ich das erleben durfte, durchflutet.
Nach 45 Minuten Jogging musste ich dann aber doch aufgeben und nach Luft schnappend den letzten verbleibenden Kilometer zurück bis zur Wohnung im Gehen absolvieren. Dann folgte das nächste wonnige Highlight, da ich offenbar bereits so "heimisch" in dieser Stadt bin, dass ich schon um halb Acht Bekannte auf der Straße treffe :-) Mein Mitbewohner war gerade von der Nachtschicht gekommen und nahm im Bistro an der Ecke eine letzte Malzeit vor dem Schlafengehen ein.
Als ich dann wieder zu Haus war und das heute nach der Anstrengung besonders gut schmeckende Frühstück auf der Dachterasse genossen hatte, machte ich mich mit der Metro auf zum Campus. Die Vorlesungen beginnen erst am Dienstag, aber die Studentenausweise, die einem zahlreiche Vergünstigungen einbringen sollten, sollten bereits heute abgeholt werden können. Leider war dem nicht so und mein Missmut über die "verschenkten" 77 Cent für die Metro blieb auch der Sekretärin der Hochschule nicht verborgen. So stellte sie mir eine vorläufige Bescheinigung über meine studentische Zugehörigkeit aus, bevor sie mich wieder entließ. Wahrscheinlich werde ich sie nicht brauchen, aber dennoch gab mir das ein zumindest ansatzweise befriedigtes Gefühl.
Dann beschloss ich erneut zum Strand zu gehen (aus Trotz zu Fuß und nicht mit der Bahn) und folgte - heute ohne Stadtplan - immer der Nase nach der abwärtsführenden Straße. Nach ca. 35 Minuten Unsicherheit, ob ich auch in die richtige Richtung ging, spielte mir das Schicksal wieder in die Hände und ließ mich geradewegs an meinem Lieblingsstrandabschnitt auskommen.
Hocherfreut über meinen ach so großartigen Orientierungssinn bedeckte ich meine Haut mit Sonnencreme und ließ mich unter der Sonne auf meinem Strandhandtuch nieder...Als ich vier Stunden später wieder aufwachte und beim Anblick meines Körpers unweigerlich an meine Beschreibung des heutigen Sonnenaufgangs denken musste, wurde mir das Verhängnis dieses ungewollten Nickerchens bewusst. Ich war ein einziger roter Fleck und meine Haut brannte wie Feuer. Nachdem ich mir mit schmerzverzerrtem Gesicht die Heimfahrt im klimatisierten Bus gönnte, wurde ich auch zu Haus mit mitleidigen Blicken meiner Mitbewohner begrüßt. Lautstark leidend wurden nun mehrere Stunden mit der "Nachbereitung" durch Après-Sun in der schattigen Wohnung verbracht, während meine Haut immer roter und roter wurde. Arme Wiebke!!!
Dann wurde allerdings mein Gemüt wieder erhellt, als ich meine erste eigene Post an die neue Adresse bekam. Unverhofft schon nach sieben Tagen (anstatt der angekündigten 10) bekam ich meine Bicing-Schlüsselkarte zugeschickt und kann nun nach Lust und Laune mit dem Fahrrad herumgurken.
Das konnte nicht bis zum nächsten Tag warten und so zog ich mir schnell wieder etwas über, ging zur nächsten Bicing-Station und radelte wiederum zum Strand. Großartig! Pünktlich zu Vorlesungsstart wird mir so nun vergönnt sein, den Heimweg mit dem Fahrrad anzutreten (der Hinweg bergauf wäre ein bisschen zu viel des Guten ;-)).
Nachdem ich wieder zu Haus war und meinen mitlerweile überall schmerzenden Körper (ob nun vom Muskelkater oder den Verbrennungen, oder sogar beidem, vermag ich nicht zu beantworten) noch einmal mit einer dicken Schicht Creme bedeckte, machte ich mich auf eine schlaflose Nacht gefasst. Aber dennoch, allein durch den morgentlichen Anblick des Naturspektakels, mehr als zufrieden mit diesem Tag.
Freu dich - ab nun radelst du durch Spanien!

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