Sonntag, 20. Dezember 2009

Der letzte Tag

Samstag, 19.12.:
Ein letzter Strandbesuch war natürlich Pflicht an diesem letzten sonnigen Tag in Barcelona. 10 Grad zeigte das Thermometer und meine Finger froren auf dem Fahrrad regelrecht ein. Doch langsam sollte ich mich daran gewöhnen, denn laut Mutti hat sich eine Kälteglocke über die Heimat gelegt, die das Mitbringen von langer Unterwäsche zum Flughafen erforderlich machen könnten.
Da konnte ich dann wiederum doppelt diese letzten Augenblicke, die trotz der Jahreszeit dieses Sommerurlaubsgefühl bei mir hervorrufen, genießen.
Wehmütig nahm ich Abschied von meinem Strand, meinen Palmen und meinem Meer, bevor es später am Abend zu Daniela ging, die zum Abschied ein formidables Dinner für Hendrik und mich zubereitete. Hier ereilte mich dann die wohl beste Nachricht des Tages, nämlich dass meine Fortuna einfach die Beste ist und großartigerweise den Herbstmeistertitel geholt hat.
Morgen geht es dann wieder auf Richtung Heimat, der Faktor, der mir neben dem weinenden eben auch ein lachendes Auge beschert.
Die letzten vier Monate waren unvergesslich für mich und ich hoffe, ich konnte allen, die immer so fleißig mitgelesen haben, ein Bild davon geben, wie sehr es mir hier gefallen hat!
Danke fürs mitfreuen :-)

Freu dich, jetzt komm ich zurück!!!

Samstag, 19. Dezember 2009

Fröhe Weihnachten

Freitag, 18.12.:
Das Wetter war prächtig und ich beschloss die verbleibenden Tage zu nutzen, um noch einmal ein paar Streifzüge durch die Stadt zu machen. Mein Weg führte mich über die Ramblas durch das Born-Viertel, wo ich (um der eisigen Kälte von 12 Grad zu entfliehen!) einen Abstecher in die bisher vernachlässigte Kirche Santa María del Mal machte. Prunkvoll kann man diese berühmte Kirche eigentlich nicht nennen - Sie besticht durch ihre Schlichtheit, vermittelt aber dennoch den Eindruck von Schönheit und Wohlbehagen. Mehr zur Meditation genutzt, als für touristische Erkundungstouren war ich mit dem Fotoapparat leider gänzlich fehl am Platz - zumindest bis zum Zeitpunkt, zu dem ich den Eingang zu den Gewölben unterm Altar entdeckte. Hier war eine überdimensionale Krippe aufgebaut, die ab vom Gebet mein Weihnachtsherz höher schlagen ließ.
Weiter ging es dann wieder in die Altstadt, wo ich mir dann auch noch vor dem 4. Advent mal den Weihnachtsmarkt anschauen wollte. Das wurde jedoch zur größten Enttäuschung, denn meine verzweifelte Suche nach einem Glühweinstand blieb leider erfolglos. Offenbar ist dieser vorweihnachtliche Gaumenschmaus noch nicht bis hier vorgedrungen - Marktlücke sag ich dazu!
Und auch Schmalzgebäck oder sonstige Leckrigkeiten standen nicht auf dem Plan, sodass mir nichts übrig blieb, als mir die zwar liebevoll gestalteten, aber nicht minder kitschigen Maria und Josef Figuren ansehen und mein Herz mit dem Gedanken an den Braunschweiger Weihnachtsmarkt erwärmen musste.
Wenigstens ging zur voran geschrittenen Stunde die bunte Adventsbeleuchtung an und ich konnte mich wieder amüsieren. Der mehrsprachige Weihnachtsgruß wünschte allen deutschen recht "Fröhe Weihnachten". Danke, auf www.weter.de entsteht übrigens das große deutsche Legasthenikerportal ;-)
Später traf ich mich dann mit Hendrik und Daniela, um der berühmten Absinthbar im Raval (siehe Vicky Christina Barcelona) einen Besuch abzustatten. Lohnt sich!
Freu dich, es gibt hier doch immer was zu lachen.

Semester Closing

Mittwoch, 16.12.:
Facebook zum Dank fand die Einladung eines Beisammenseins der Study Abroad Studenten hinreichend Gehör und am Abend zog es Deutsche, Amis, Belgier und Schweden (deren Sprache ich nun übrigens auch schon nahezu fließend spreche:"edd quist fritt quast skaft!" ;-)) ins lieb gewonnene Tres Flores, bis die Bar förmlich aus allen Nähten platzte.
Die extra für diesen Anlass angepassten Preise wirkten unterstützend auf die ausgelassene Stimmung. Mehr von diesem Abend vermag ich jedoch nicht zu berichten, nur so viel: Meine Jacke und ich sind wohlbehalten wieder zu Haus angekommen...;-)
Freu dich Wiebke, Auslandssemester fertig!


Gran Casino

Dienstag, 15.12.:
Die letzte Präsentation, die letzte Klausur und auch die mündliche Prüfung in Spanisch, deren Bearbeitung und Vorbereitung die spektakulären Aktivitäten unter der Woche ein wenig haben schleifen lassen, waren endlich hinter mich gebracht und das musste mit einem Highlight besiegelt werden. Ein Besuch in der Champagneria sollte ein guter Anfang werden, doch da das ja mittlerweile regelrechtes Standardprogramm ist, musste noch ein weiterer Höhepunkt folgen.
Die neu entwickelte Spielfreude lockte mich dann schließlich nach einem kleinen Nickerchen ins ansässige Casino.
Premiere, denn dieses Erlebnis war bis dahin noch nicht vergönnt gewesen. Auf einen Begrüßungscocktail wartete ich zwar vergeblich, doch dafür bekam ich direkt beim Einlass einen Gutschein für den nächsten Besuch ausgehändigt. Beeindruckt von der Oceans Eleven-Kulisse, tausenden Spielautomaten und mindestens genauso vielen großen schwarz gekleideten Männern mit Stöpsel im Ohr ging es dann ein Stockwerk tiefer, wo die "richtigen" Spiele stattfanden. Am auffälligsten waren hier jedoch nicht die überdimensionalen Roulette- und Black-Jack-Tische, sondern der Kontrast zwischen den sich daran befindlichen Spielern. Gleich neben dem piekfeinen Schlipsträger mit Diamant-Manschetten und seinen beiden "Nichten" versuchte der Holzfäller mit dem richtigen Bet Hund und Hof wieder zurückzuerobern.
Da fühlte man sich doch gleich heimisch :-)
Zunächst beobachtete ich natürlich das Geschehen und studierte fleißig im Casino-Guide, wie mich die verschiedenen Platzierungen der Chips reich machen würden.
Dann war es soweit und ich wechselte meinen (überschaubaren) Einsatz in glänzende Chips ein. In Gesellschaft von Hendrik und Robert, die sich von Anfang an vom Ambiente haben verführen lassen und nach 5 Minuten bereits alles verspielt hatten, schmiss ich meine ersten Chips ins Roulette-Geschehen. Nach anfänglicher Flaute wurde ich dann aber schließlich doch noch vom Glück geküsst und in Windeseile - aber auch um 2 Liter Angstschweiß ärmer - hatte ich den Wert meiner Chips wieder hergestellt.
Beim Black-Jack guckte ich nur zu, denn mit dem schnellen Rechnen, Geben und Umverteilen des Dealers war ich ein bisschen überfordert (wie viel ist doch gleich 17+4?). Die Kugeln aber rollten für mich und als wir uns entschlossen, weiterzuziehen, konnte ich mehr als das Doppelte meiner Chips zum Rücktausch anbieten.
Verjubelt werden musste der Gewinn natürlich auch wieder und deshalb begab ich mich mit Robert, Hendrik, Stefan und Alex ins María, einer Bar in Gracia, wo wir mit unserem Dozenten Esteban ein paar Abschiedsbierchen tranken.
Freu dich- nada más, schwarz gewinnt :-)

Chanukka

Freitag, 11.12.:
Heute sollte ich für die fehlende häusliche Weihnachtsbeleuchtung entschädigt werden, denn die Festivitäten der in diesem Haushalt vorherrschenden Religion wollten sich für mich auch durchaus interessant gestalten.
Pünktlich zu Beginn des achttägigen Lichterfestes brodelte es in der Küche und die Wohnung wurde auf Hochglanz gebracht, um kurz vor Einbruch der Dunkelheit eine Schar an Gästen zu empfangen.
Die Feierlichkeiten sollen an die kurze Herrschaft des jüdischen Volkes zwischen Eroberung des Tempels in Jerusalem durch die Syrier und deren Zerstörung durch die Römer gedenken. Zu der Zeit ist wohl jemand sehr sparsam mit dem letzten Fläschchen geweihten Öl umgegangen, das dann - oh Wunder - 8 statt einen Tag reichte, um die wichtige Lampe am Brennen zu halten.
Pünktlich zum Sabbat ging dann das muntere Lichteranzünden los und die Wohnung wurde darüber hinaus mit den hebräischen Gesängen diverser gut gelaunter Gäste erhellt. Mein Glück, dass ich nicht die einzige war, die von dieser Sprache keine Ahnung hatte und so konnte ich mich größtenteils mit Englisch, und Emil sei Dank zum Teil auch mit Bulgarisch (;-)), verständigen.
Viele Flaschen Wein gingen bei diesem Einläuten des Familien- und Freundesfestes über den Tisch und auch das angesprochene Öl sollte nicht nur Beleuchtungszwecke erfüllen. So lag der Schwerpunkt des Mahls auf Gebratenem und Frittiertem und Wiebke durfte sich über zahlreiche Krapfen und Kartoffelpuffer hermachen. Damit darf man dann wohl Kilo Nummer 12 ganz herzlich willkommen heißen :-)
Freu dich, Schalömchen!

Sonntag, 13. Dezember 2009

Urquinaona

Sonntag, 06.12.:
Das lange Wochenende (Dienstag Feiertag und Montag Brückentag - ich mag Spanien!) war ausgehtechnisch eher mau, denn anstehende Projekte forderten die ein oder andere Nachtschicht.
Am Sonntag-Abend jedoch lockte das Irish Pub George Payne am Plaza Urquinaona mit dem wöchentlichen Karaoke-Abend. Moderate Preise verschönerten das Ambiente innerhalb der mehr oder weniger begnadet trällernden Hobby-Sänger.
Auch Hendrik und Robert ließen es sich nicht nehmen, mehrmals die Bühne zu erklimmen um mit Stimme und Performance das Publikum zu begeistern.
Ich hielt mich eher zurück und verfolgte von der Theke aus das Geschehen, während ich abermals den siegreichen Spieltag meiner Fortuna feierte. Mit Alex, Stefan und Daniela befand ich mich hierbei in bester Gesellschaft.
Zeit sich zu freuen - a little respect für die Erasure-Konkurrenz

Hopping

Donnerstag, 03.12.:
Mit Stefan und Hendrik ging es an diesem Abend durchs Zentrum.
Den Anfang machten wir im Ovella Negra, wo wir auf einen freundlichen Catalanen trafen, den wir um hilfreiche Insidertipps bezüglich der Preis/Leistungsgestaltung der Bars baten. Außer einer Verbesserung unserer Spanischkenntnisse brachte das Gespräch jedoch keinen gewinnbringenden Output. Und so begaben wir uns einfach auf gut Glück zum Universitätsplatz, wo wir eine günstige Bar auftaten und ein Getränk zu uns nahmen.
Daraufhin fielen wir jedoch Stefans räudigem Orientierungssinn zum Opfer, der uns in eine urige Lokalität in der Nähe der Ramblas führen wollte, sie jedoch partout nicht wiederzufinden wusste.
Gut, dass die netten Straßenverkäufer stets zur Stelle waren und wir somit bei unserem Marsch durch die gotischen Gassen nicht verdursten mussten.
Letztendlich landeten wir dann in der Dreizehn, wo Antonio und Richard sich außerordentlich freuten, uns mal wieder in ihrer Bar begrüßen zu dürfen und dieser Freude mit Freundschaftspreisen für diverse Cocktails Ausdruck verliehen.
Freu dich - es ist immer ratsamer die Leute zu kennen, die hinter der Bar stehen als diejenigen, die dort Stammgäste sind :-)

Pokern - international

Mittwoch, 02.12.:
Nachdem ich mein Poker-Face ja in den letzten Wochen trainiert habe und habe ausreifen lassen, war es an der Zeit, mich mal an einem versierteren Tisch zu versuchen, als bisher.
Deshalb machten Hendrik, Robert und ich uns am Abend auf den Weg ins Tres Flores, um an der wöchentlich stattfindenden Pokerrunde teilzunehmen.
Aus den 15 Teilnehmern wurden zwei Tische zusammengestellt und die internationale Runde platziert. Überwiegend französische Teilnehmer und ab und an jemand aus England, sowie wir Deutsche bestätigten das multikulturelle Bild.
Ja, mit dem Spanier Kennenlernen will es wohl nicht so recht klappen, dafür konnte ich aber mal wieder ein bisschen französisch plaudern (und mein Vokabular hinsichtlich französischer Pokerweisheiten erweitern), was auch eine großartige Abwechslung war.
Von nationaler Loyalität war aber nichts zu spüren, denn Hendrik holte mich ohne zu zögern vom Tisch...Wenigstens konnte ich aber meine Ehre verteidigen, indem ich mich länger am Tisch hielt als Robert :-D
Freu dich, le français est même en Espagne une langue laquelle peut amener le soleil dans mon cœur!

Jazz Si

Dienstag, 01.12.:
Nur eine Fußminute von meiner Wohnung entfernt sollte es heute in der Jazz-Bar "Jazz-Si" ansprechende Open-Stage Auftritte zu verfolgen geben. Mit Hendrik, Alex und Daniela verabredete ich mich, diesem Spektakel beizuwohnen.
In der Bar, die kaum größer als mein Zimmer war, dadurch aber einen unglaublich familiären Charme versprühte, schunkelten wir dicht aneinander gedrängt zu spanischer Alternative-Musik, bevor wir uns zu Fuß weiter Richtung Norden arbeiteten.
Die Lokalität, in der wir uns daraufhin niederließen, war bis auf unseren Tisch völlig unbesetzt, was uns jedoch königliche Fürsorge vom Wirt einbrachte. Mojitos und nicht enden wollender Nachschub an Popcorn begünstigte die gute Stimmung. Darüber hinaus machte sich dann ein Gitarrenzupfer daran, uns mit Liedern aus den verschiedensten Genres zu beglücken. Sein Spielen - oder unser schonungsloses Mitsingen - lockte immer mehr Besucher in die Bar und sorgte für ein ausgelassenes Ambiente.
Später sollten wir feststellen, dass "unser" Gitarrist offenbar nur der Vor-Act war, denn als fast jeder Tisch besetzt war, wurde er von einem noch viel versierteren Spieler abgelöst, der uns daraufhin mit spanischem Liedgut zum musizieren einlud. Rasselnderweise (mit mit Nudeln gefüllten Cola-Dosen) begleiteten wir die guitarra espanola und freuten uns bis in die Morgenstunden über diesen gelungenen Abend.
Freu dich - die auswendig gelernten Lieder aus dem Spanischunterricht können eben doch Nutzen stiften!

Samstag, 12. Dezember 2009

Auf der Siegerspur

Sonntag, 29.11.:
Schwerlich kam ich an diesem Morgen aus dem Bett, doch ich hatte eine Mission zu früher Stunde. Hendrik hatte es sich nicht nehmen lassen, sich bei einem Wettrennen anzumelden, das laufverrückte Spanier zu unchristlicher Zeit am Sonntagmorgen durch die Innenstadt Barcelonas jagte. Er bestand darauf, dass doch bitte einige Fans an der Ziellinie auf ihn warten sollten, um im Falle der Erstplatzierung jubelnderweise die Kleidung zu lüften. Und so standen Robert, Hendriks Freund Bastian und ich vor Tage am Plaza Espanya und warteten geduldig auf unser "Pferdchen", das im Schalketrikot für uns Ruhm und Ehre erlaufen sollte.
In persönlicher Bestzeit lief Hendrik dann überraschend munter ins Ziel ein und konnte auf Anhieb jeden Streckenabschnitt der knapp 10km langen Strecke bis ins Detail und ohne nach Atem zu ringen beschreiben.
Also wenn man sich da ein bisschen mehr angestrengt hätte, dann wäre doch sicherlich einer der ersten drei Plätze drin gewesen ;-)
Die sportliche Erfolgsspur fuhren aber auch noch andere, weiter entfernte Sportler....Meine Fortuna schaffte es doch tatsächlich den Tabellenführer Pulheim mit einem spektakulären Sieg vom Thron zu stoßen!
Irgendwie scheint es besser zu laufen, seit ich nur noch in Form von moralischer Unterstützung meinen Beitrag leiste....Mmmhhhh, sollte mir das zu denken geben?
Freu dich, ohne Sport ist das Leben doch langweilig!

Taxi Taxi

Mittwoch, 18.11.:
Ich hatte mich morgens schon nicht besonders fit gefühlt, doch nach einem langen Schläfchen dachte ich mir, dass eine ausgiebige Nahrungsaufnahme einer Verbesserung meines Befindens sicherlich zuträglich wäre. Und wo ginge das besser als in der Champagneria? So machte ich mich also auf und stieß am Ort, wo Öl und Cava fließen auf die bewährten Gesichter sowie auf den wiederholten Damenbesuch von Alex' Freundin.
Aber selbst der Käsekuchen mochte mir am heutigen Tag nicht recht schmecken - und DAS war für mich das Zeichen, dass etwas nicht in Ordnung war :-D
Und deshalb musste ich beschließen, mich auszuklinken und schnellstmöglich wieder ins heimische Bettchen zu verschwinden.
Das schnellstmögliche war dann das Taxi und ich konnte ein weiteres Häkchen auf der Premierenliste machen. Das erste Mal fuhr ließ ich mich in einem der schwarz-gelben Autos durch Barcelona kutschieren und wurde Zeuge der täglichen Rush-Hour. Die ledernen Sitze, astronautisch moderne Anschnallgurte sowie die bisher nie erlebte Soundanlage im Fahrzeug passten allerdings weniger zum dazugehörigen Fahrer. Der erinnerte nämlich mit Karohemd, zerschlissener Jeans, rauer Stimme und langen Haaren eher an einen Andy Zenke in jungen Jahren, jedoch verpasste er der Taxifahrt eine persönliche Note und konnte mir vor Augen führen, dass mein Vokabular in Catalán durchaus noch ausbaufähig ist.
Das Bett sollte ich dann aber leider die nächsten 5 Tage nicht mehr verlassen. Doll krank verschlief ich das gesamte Wochenende, ließ mich ab und zu fürsorglich mit Tee und Zwieback versorgen und beruhigte meine Mitbewohner mit fundierten Googlerecherchen, dass ich nicht an der "Grippe A" erkrankt war.
Freu dich, auf Regen folgt ja bekanntlich immer wieder Sonne!

Von Gänsen in der Kirche

Samstag, 14.11.:
Ein regelrechter Wintereinbruch ließ mich frierend erwachen. Der Himmel war klar und die Sonne schien, doch schon als ich nur einen Finger unter der Bettdecke zum Vorfühlen hinausstreckte, bibberte ich am ganzen Leib. Das sollte aber nicht heißen, dass ich mich das ganze Wochenende in meinem Zimmer verkriechen sollte, lediglich, dass Vorkehrungen getroffen werden mussten. Und so wurde auch das letzte mitgebrachte Kleidungsstück in Benutzung genommen und in der roten Bremer Winterjacke ein Spaziergang ins Städtchen unternommen. Gut gepackt, Wiebke!
Als ich durch die Gassen Richtung Gótico ging, sah ich allerorts fleißige Arbeiter der Stadt, die die Weihnachtsbeleuchtung anbrachten. Verständlicherweise dauert das in so einer großen Stadt etwas länger und deshalb kann getrost schon 2 Wochen vor Dezember damit begonnen werden.
Mein Weg führte mich zur Kathedrale und ich beschloss, nachdem ich bestimmt schon hundert Mal hier vorbei gelaufen war, nun auch mal einen Blick hinein zu werfen. Und es sollte sich lohnen.

Überrascht stellte ich nämlich fest, dass in dieser Kirche nicht nur Gott zu Hause zu sein schien, sondern ebenfalls eine Schar an Tieren. Im Kreuzgang gab es einen Teich, auf dem sich ein Dutzend weißer Gänse tummelte. Sie waren früher dazu gedacht, durch ihr Kreischen und Geschnatter vor Eindringlingen zu warnen. Offenbar wurde an dieser Tradition festgehalten und Touristen (und Einwohner wie ich ;-)) können nun die Gänseschar mitten in der Stadt und auch noch mitten in der Kirche bestaunen.
Nachdem ich heimlich mein Foto geschossen hatte, wurde ich vom einsetzenden Musizieren einer Kapelle wieder auf den Vorplatz gelockt.
Hier hatten sich ca. 200 Menschen versammelt, die in großen Kreisen einen Reigen tanzten. Belustigt verfolgte ich das schon bei der Briefmarken-Veranstaltung kennengelernte Spektakel. Diesmal waren aber größtenteils Senioren dabei, ihr Tanzbein in weißen Turnschläppchen zu schwingen. Daneben gab es aber auch noch eine "Profi-Mannschaft", die aus Leuten meiner Generation bestand und schweißtreibend an ihrer Choreografie arbeiteten.
Ansonsten ist die Kirche ja ein Ort der Ruhe, aber freut Euch, in Barcelona darf man sogar tanzen und schnattern!

Das schwarze Schaf

Donnerstag, 12.11.:
Die Abendgestaltung sollte heute in der beliebten Lokalität "L'Ovella Negra" (Das Schwarze Schaf) Gestalt annehmen. Hier feierte die Amerikanerin Daniela ihren Geburtstag und Robert, Hendrik, Stefan und ich nahmen dies zum Anlass, uns ebenfalls unter die schwarzen Schafe zu mischen.

Mir fehlte bis dahin ja auch noch die Gelegenheit, zu begießen, dass meine Fortuna am Sonntag die Bonner glorreich aus der Halle gefegt hatten.
Die strenge Einlasskontrolle (Ausweis zeigen und solche Scherze) vom zur Ruhe ermahnenden Pantomimespieler  ließ uns das erste Mal schmunzeln.
Als wir jedoch die "Bar" betraten, wurden wir vom Ambiente doch überrascht. Das schwarze Schaf erinnerte sehr an ein deutsches Brauhaus und die Malz-Getränke wurden in großen Pitschern serviert. Über die Verteilung in diverse eigene oder fremde Becher kam man doch mit dem ein oder anderen ins Gespräch (unter anderem lernte ich dann auch das Geburtstagskind kennen, das sich nur schwer davon abhalten ließ, mir aus meinem Leben verbannte Tequila-Shots zu verpassen).
Im munteren Treiben waren neben den langen Biertischgarnituren, Kicker-Tische, Dartscheiben und auch ein Billardtisch auszumachen. Hier versuchten sich die mich begleitenden Herren und konnten im spektakulären Umgang mit den Spielgeräten wiederholt gegenseitig übertreffen und bewundernde Blicke von allen umstehenden Gästen ernten.
Ein schöner Abend und bestimmt nicht der letzte Besuch hier, zumal es sich hier (endlich mal) um eine Bar in MEINEM Viertel handelt.
Freu dich, nette Menschen, Bier in Krügen! Was will man mehr?

Freitag, 11. Dezember 2009

Camp Nou

Samstag, 07.11.:
Wieder mal stand ein Highlight auf dem wochenendlichen Programm: Mit einem Besuch eines FCB-Spiels sollte ein in den Reiseführern oftmals hervorgehobenes "Must" verwirklicht werden.
In ungewöhnlicher, aber erfrischender Kombination, begab ich mich mit Alex und Clarissa zum Camp Nou, dem Heimstadion des FC Barcelona.
Nachdem wir den Fanartikel-Stand leergeräumt hatten und die catalanische Stadionzeitschrift im schwarzen Büdel verstaut war, ging es einmal durch die Ränge. Wir waren frühzeitig da und somit konnten wir ohne großes Gedränge unsere Plätze erreichen (wir waren kurz nach Einlassbeginn gefühlt die ersten Besucher).
Ein Hardcore-Fan geleitete uns während der Beweisfotosession dann zum begehrtesten Aufnahmepunkt, sodass wir die beste Kulisse für unser Bild bekamen.

Das Stadion war schon vor Anpfiff den Besuch wert, es ist das größte Stadion Europas und fasst knapp 100000 Besucher. Unsere Plätze waren zwar nicht gaaaaanz oben, aber dennoch wurde es so frisch auf unseren Sitzen, dass Wiebke die in Kennerkreisen allseits beliebten Ohrenschützer auspacken musste (@Fortuna: Nein, Schamgefühl ist auch hier nicht so mein Fall :-P)

Da die Preise für den Besuch je nach Gegner variierten, mussten wir uns bei studentischem Budget mit Mallorca als "Opfer" zufrieden geben. Unsere Befürchtungen, die Fans würde das Spiel nicht interessieren, bewahrheiteten sich aber nicht und kurz vor Anpfiff kamen auch die restlichen 99997 Zuschauer (inklusive dem angeschlagenen Hendrik).

Das Spiel war ok, die Fans nicht zu vergleichen mit deutschen Stadien (Fankurve oder so hatte es nicht, geklatscht wurde offenbar nur gegen die kalten Finger) und der erhoffte Glühwein in der Pause musste mit Kaffee substituiert werden. Aber die zahlreichen Tore der Partie waren schön anzuschauen und mit einem Elfer kurz vor Schluss wurde das 4:1 für FCB besiegelt.


Aufwärmen sollte ich mich nach diesem sportlichen Ausflug mit ein paar Mojitos im Tres Flores, wo ich mit Robert diesen überraschend winterlichen Abend ausklingen ließ.
Freu dich, wenn der FC gewinnt, wird es einem doch warm ums Herz - egal in welcher Stadt :-)

Auf Tour

Mittwoch, 04.11.:
Nachdem das Wochenende ja ganz im Zeichen der touristischen Erkundungen stand, war mein Entdeckungsdrang neu geweckt.
So beschloss ich nach der UNI einen weiteren Ausflug zu machen. Mit dem Fahrrad machte ich eine Tour durch das Born-Viertel und konnte ein weiteres wunderschönes Viertel der Innenstadt bewundern. Natürlich stellte ich - Sparfuchs wie ich bin - alle 30 Minuten das Radl in eine Station und ging mindestens 10 Minuten zu Fuß weiter. So konnte ich auch abseits der Radwege die Borngassen erkunden und stieß dabei auf das ein oder andere gemütliche Lädchen.
Käse- und Weinverkaufsstellen boten stets einige Lockhäppchen und so musste ich nicht hungern :-)
Es ist immer wieder beeindruckend, wie schön, aber eben auch wie unterschiedlich die einzelnen Plätze hier sind.
Auf dem Rückweg nach Hause, kam mir das erste Mal seit ich hier bin ein herbstlicher Gedanke auf: denn langsam fallen die ersten Blätter von den Bäumen - das bin ich in Deutschland ja schon im September gewohnt. Aber entmutigend ist dieser sanfte Übergang in den Winter natürlich nicht, im Gegenteil - das golden-rötliche Barcelona hat durchaus seinen Reiz!
Freu dich, Blätter, Born und Bicing sind eine prima Kombination!

Samstag, 7. November 2009

Nacharbeiten

Dienstag, 03.11.:
Frisch ausgeschlafen sollte der UNI-Tag sehr angenehm werden. Die guten Nachrichten über unerwartet hoch ausgefallene Midterm-Ergebnisse konnten den übrigen Beitrag zum fröhlichen Fortgang des Tages leisten.
Die Abendgestaltung sollte für einen Dienstag jedoch etwas ungewöhnlicher ausfallen. Aufgrund von angekündigtem familiären Besuch bei Stefan beschlossen wir kurzfristig, die donnerstägliche Pokerrunde auf diesen Abend vorzuverlegen.
Eingeläutet wurde der Abend mit einer riesigen Form voller Nudelauflauf-à-la-Roberts-Oma, der in Verbindung mit Hela-Gewürz-Ketchup ein besonderes Lob verdient. Während ich mich verzweifelt in der Runde zu halten versuchte, ließ ich mir von den Geschehnissen der letzten Tage berichten und arbeitete Halloween-Party-Erlebnisse und Spielhallen-Besuche nach.
Obwohl ich es das erste Mal schaffte, Hendrik alle Chips abzunehmen, sollte es am Ende dann doch nur für ein glorreiches, aber nicht bezahltes Treppchenplätzchen reichen.
Freu dich, lernen macht sich bezahlt!

Ellis Adé

Montag, 02.11.:
Am frühen Morgen (also schon vor neun Uhr) machte ich mich zum letzten Besuch bei meinen Eltern auf. Mit ein paar Croissants im Gepäck genoss ich ein letztes Mal die Annehmlichkeit eines Aufzugs, der mich in die fünfte Etage bringen sollte. Bei herrlicher Aussicht, klarem Himmel und schönster Sonne kredenzten wir Kaffee auf der Dachterrasse.

Dann war es soweit, die Koffer wurden gepackt und alle Kühlschrankreste vertrauensvoll ans liebe Kind übergeben. Nachdem alles hinunter geschafft war, machten wir uns wiederum zu Fuß auf den Weg zum Placa Catalunya und puckelten das Gepäck über die Rambla. Als ich Mutti und Vati sicher im Aerobus verstaut wusste, war die Uhrzeit leider schon so weit voran geschritten, dass keine Möglichkeit mehr bestand, vor Vorlesungsbeginn noch die riesige Tüte mit Brot, Kaffee, Limonade, Wein und Gewürzen nach Haus zu bringen und so blieb mir nichts übrig, als mein Naschtütchen mit in die UNI zu nehmen.
Nach ein paar fragenden Blicken bezüglich meiner mitgebrachten Lebensmittel gestalteten sich die Vorlesungen sogar recht unterhaltsam.
Als ich dann aber zu Hause war, musste ich einfach schleunigst ins Bettchen...Liebe Ellis, es war anstrengend - aber schön :-)
Freut Euch, Spanien ist "herrlich"!

Freitag, 6. November 2009

Von Golondrinas und Paella

Sonntag, 01.11.:
Relativ verschlafen begab ich mich bei bedecktem Himmel am späten Vormittag (also um 12 :-)) an den Anleger der Golondrinas von Barcelona. Dank des Rabatt-Carnets von der Bus-Touristik-Rundfahrt konnte das eingesparte Geld fürs Ticket dann für meinen ersten Kaffee heute verbraten werden (nett wie ich nun mal bin, hatte ich meine Kaffeereserven ins elterliche Apartment geschafft), bevor das Boot vom Steg ablegte. Der Ausflug führte uns durch den Hafen hinauf aufs offene Meer und ich kann nur sagen, dass die Sicht auf Barcelona von der Seeseite aus eine ganz neue, ganz andere ist und auf jeden Fall lohnenswert ist.
Die Strände vom World-Trade-Center entlang bis zum Forum genossen wir die Fahrt und den Seewind an Deck. Dank der Strandkarte wussten wir auch zu jedem Zeitpunkt, auf welcher Höhe der Stadt wir uns gerade befanden (denn nervige Erzählbären gibt es auf den Golondrinas nicht).
Auf der Rückfahrt klarte der Himmel plötzlich auf und bei strahlendem Sonnenschein gerieten wir mitten in eine Regatta, bei der Vati richtigerweise fehlendes Gegengewicht auf der Luv-Seite eines der Boote diagnostizierte und mich damit durchaus zu beeindrucken wusste.

Nach der 1,5-stündigen Fahrt hatten wir jedoch noch nicht genug vom Wasser und fuhren mit dem Bus an die Strandpromenade. Nach einem kurzen Spaziergang entlang der Sandburgenbauer, ließen wir uns in einem Strandrestaurant nieder und ich aß das erste Mal in meinem Leben Paella.
Mit Muscheln, Gambas, Langustinos und weiterem Meeresgetier konnte uns die Speisekarte eben locken und die Paella-Erfahrung vor der wunderschönen Strandkulisse hätte schöner nicht sein können.
Bei 20 Grad und Sonnenschein bekommt das Wort Novemberwetter doch eine ganz neue Bedeutung :-)
Die Metro brachte uns schließlich wieder weiter ins Landesinnere, denn der Besuch des Parc Guell stand als weiterer Tagesordnungspunkt auf unserer Liste. Tapfer stiefelten Mutti und Vati mit mir die steilen Straßen hinauf, um letztlich die großartige Parkanlage und die Aussicht auf die Stadt zu genießen. Lobende Worte gab es dabei für Gaudí, der mit seiner Wellenbank "praktische" Kunst erschaffen hatte, die bequemes Verharren zum Einbruch der Dunkelheit erlaubte.
Großartige Kulisse bescherte uns dann auch der Besuch einer Cervezeria am Plaza Reial, dessen Drei-Grazien-Brunnen, die Gaudí-Laternen und Palmen vom Licht des Vollmonds lauschig angestrahlt wurden.
Die Abendgestaltung sollte sich dann auf der Rambla de Raval fortsetzen, wo wir eine sehr ansprechende Bar auftaten und den letzten Abend des Elternbesuchs ausklingen ließen. Der (sogar mit kölschem Akzent) perfekt deutsch sprechende Gastwirt umsorgte uns mit Wein, Cava und leckeren Tapas, die unerwartet exzellent unsere Gaumen verwöhnten.
Freu dich, in Spanien gibt's viel zu sehen!

Haloween

Samstag, 31.10.:
Am späten Vormittag traf ich meine Eltern am Eingang des Marktes an der Rambla. Auch wenn nach 10 Uhr die Preise auf dem Markt steigen und somit die Küchenchefs und barcelonesischen Hausmütterchen schon wieder von dannen gezogen waren, sollte es ein toller Marktbesuch werden. Der Duft des aushängenden Schinkens, der Meeresfrüchte und der bunten Obststände konnte Mutti und Vati erwartungsgemäß beeindrucken. Nachdem die Runde über den schönsten Markt der Stadt absolviert war, beschlossen wir eine der uns von Vatis Reiseführer nahegelegten Markt-Imbisse für eine Mahlzeit aufzusuchen. Mitten im munteren Einkaufsgeschehen ergatterten wir drei Plätze direkt am Tresen einer der am besten besuchten Verzehrstellen. Vor unseren Augen bereitete der charmante Koch den frisch gefangenen Oktopus, Stabmuscheln und Gambas mit einer einzigartigen Knoblauch-Kräuter-Sauße zu. Bei einem Glas Wein genossen wir den Tumult und das mehr als empfehlenswerte Essen mitten in der Markthalle.
Danach zogen wir dann jedoch eine etwas ruhigere Umgebung vor. Gut, dass der im "schwatten Büdel" stets mitgeführte Reiseführer den perfekten Marco-Polo-Insider-Tipp für uns bereithielt: Direkt hinter dem Markt befindet sich ein antikes Krankenhaus (in welchem übrigens der hier schon öfter erwähnte Gaudí seinen Verletzungen erlag, nachdem er von einer Straßenbahn erfasst wurde), deren klösterlich anmutender Innenhof für Besucher frei zugänglich ist und mit einem netten Café auf uns wartete. Nachdem wir die Idylle mitten im Stadtzentrum aufgesogen hatten, schlenderten wir durch die Gassen des Raval zum Mercat von Sant Antoni, wo noch ein paar Leckrigkeiten erstanden wurden.
Diese verzehrten wir dann bei schönstem Wetter auf meiner Dachterrasse, bevor es zu Fuß wieder Richtung Rambla ging. Dabei kamen wir zunächst am MACBA vorbei, gingen dann über die am Wochenende wieder mit Schaustellern überhäufte Rambla und frönten dann ein wenig dem Schaufenstershopping. Handfeste Ergebnisse gab es natürlich trotzdem, denn wie es sich gehört, wurde als Andenken eine Barca-Flagge erstanden, die sicherlich bald (spätestens Samstag um 20 Uhr bitte) am Soltauer Fahnenmast gehisst wird.
Zum Essen machten wir uns heute etwas zeitiger auf als am Vortag, denn in der schon am Freitag erspähten Tappas-Bar am Hafen waren die Plätze rar.
Von großartiger Bedienung und mit bester Sicht auf die Brat-und Frittierstelle aßen wir uns an Thunfischbällchen, Käsekugeln, Sardinen, Calamares, Pimientos und Schokoladenkuchen königlich satt.
Die Flasche Cava dazu sorgte dabei für die nötige Zungenlockerung für angeregte Gespräche.

Danach ging ich noch mal kurz zurück in meine Wohnung, um die erfreuliche Kunde des erneuten Fortuna-Siegs zu beziehen und den Koffertausch (@Taito: Die Sachen dürften jetzt heil nach Wietzendorf kommen) einzuleiten.
Den weiteren Abend verbrachten wir dann bei verhältnismäßig lauem Oktoberwetter auf der elterlichen Dachterrasse. Die zahlreichen Halloweenveranstaltungen in der Stadt stellten nach dem lauflastigen Tag wohl kein ansprechendes Programm dar.
Stattdessen wurde eine eher kritische Haltung zu den Feierlichkeiten vor Allerheiligen an den Tag gelegt:
Der Ursprung von Halloween ist bei den keltischen Druiden aus Irland zu finden.
Die keltischen Druiden feierten das Neujahr am 31. Oktober, das so genannte "Samhain"-Fest.
Man glaubte, das an diesem Datum ungeheure Energien freigesetzt und gewaltige Begegnungen mit dem Totenreich sich ereigneten, da der Gott des Todes auf die Erde kam, um die Seelen der Toten einzusammeln. Dazu kam die Angst, wenn diese Toten-Geister den Weg nicht finden würden, diese ihr Unwesen unter den Lebenden treiben würden. Um diesem zu entgehen, wurden sogar Menschenopfer dargebracht.
Auch der Brauch der kleinen Kinder, die bei Halloween von Tür zu Tür gehen und "Trick or Treat" rufen, geht auf die Druiden zurück. Diese gingen damals genauso von Schloß zu Schloß. Die Zeche, die das Schloß zu zahlen hatte, war ein Kind für ein Menschenopfer frei zu geben.
Gefiehl dieser "Treat" den Druiden, ließen sie ausgehöhlte Rübe mit brennenden Kerzen aus menschlichem Fett zurück, um die im Hause lebenden Menschen in dieser Nacht vor einem Tod durch Dämonengewalt zu schützen.
Wurde die Forderung der Druiden nicht erfüllt, kam "Trick" dran: Ein Hexagramm wurde an die Haustür gemalt um den Dämonen als Zeichen zu dienen und das Haus regelrecht zu verfluchen..
Die Druiden brachten das Opfer brutal ihrem Gott dar: Kernos, dem Gott der Toten (Satan).
Ist es da nicht ein wenig fragwürdig, dass gerade Kinder, die im Ursprung das einzuholende Opfer darstellten, fröhlich durch die Nachbarschaft ziehen und unter der Halloweenflagge Süßigkeiten fordern?
Man weiß es nicht, aber ich war interessiert, diese mir bis dahin unbekannte Hintergrundgeschichte über diesen "Feier"tag von regelmäßigen Böhme-Zeitungs-Lesern erzählen zu lassen.
Freu dich, du lernst immer was dazu!

Mittwoch, 4. November 2009

Touri in Barcelona

Freitag, 30.10.:
Das Wetter sollte es am heutigen Tag wirklich gut mit uns meinen und so begaben Mutti, Vati und ich uns bei strahlendem Sonnenschein am Vormittag zum Placa Catalunya. Dort kauften wir Tickets für eine Stadtrundfahrt mit dem Bus und Mutti organisierte in ihrem besten Spanisch (welches gebrochenes Französisch ist) adrette türkise Kopfhörer, damit wir bei der Führung auf dem Deck auch mitbekommen würden, an welchen Sehenswürdigkeiten wir so vorbeikamen.


Mit der blauen Route fuhren wir alle innerstädtischen Highlights ab, angefangen am Passeig de Gracia, an welchem Vati schon allein aus Prinzip eine ironisch anmutende Abneigung gegen alle mit dem Architekten Gaudí in Verbindung gebrachten Gebäude entwickelte.

Offenbar hat er sich schon im Vorfeld in den ganzen Reiseführern an diesem Meister satt gelesen.
Ich bin jedoch immer noch der festen Überzeugung, dass Gaudí elementar zum gelungenen Stadtbild Barcelonas beizutragen wusste und genoss die Anblicke der Casa Battlo und Casa Mila aus dieser etwas höheren Perspektive als dem Fußweg.

Von der Placa Espanya ging es dann den Montjuic hinauf und ich sah zum ersten Mal nun auch von nahem die olympischen Spielstätten von 1992.

Den Berg hinunter ging es dann Richtung Wasser und am World Trade Center vorbei. Die AIDA im Hafen machte (auch wenn das nicht zum offiziellen Teil der Führung gehörte) ebenfalls Eindruck auf uns, bevor wir vom Columbus aus parallel zum Wasser an den olympischen Hafen fuhren.
Dann beschlossen wir, den Bus zu wechseln und mit der zweiten Route auch die weiter entfernten Viertel Eixample (mit der berühmten Sagrada Familia), Sarriá und Gracia kennenzulernen. Zur Mittagszeit hatten sich die Touristen nun zu Haufe aufgerafft und so mussten wir einige Zeit warten, um wieder einen Platz an Oberdeck zu ergattern.
Die Sonne war zwar von hier prima zu genießen, jedoch war die Tour an sich hier weniger spektakulär. Um die Sehenswürdigkeiten letztendlich zu sehen, hätte man immer aussteigen musste und unter Anbetracht der stetig langen Wartezeit beschlossen wir, einfach wieder die schon bekannte Runde zu drehen. Nach einer kleinen Toilettenpause bei Starbucks fuhren wir also wieder Richtung Innenstadt. Am Hauptbahnhof vorbei ging es wieder auf den Berg, der auch den wundervollen Palast beherbergt, von dem aus man den besten Sonnenuntergang bewundern kann.
Zurück am Hafen stiegen wir dann aus und ich führte meine Eltern an die hier entwickelten Champagneria-Gebräuche heran. Bei leckerem Cava und Xorico & Käsekuchen ließen wir es uns gut gehen.

Dann machten wir uns - diesmal mit der Metro - auf den Weg zur Placa Espanya, wo nach Einbruch der Dunkelheit die berühmten Magic Fountains für wonnige visuelle Eindrücke sorgen sollten. Mit musikalischer Untermalung konnte heute auch ich zum ersten Mal das Brunnen-Lichter-Spektakel aus nächster Nähe erleben und ich war wirklich beeindruckt.

Nach Ende der Vorstellungen brachte uns der Bus wieder an den Passeig de Colom und wir suchten eine schöne Lokalität zur Stillung des sich einstellenden Hungers.
In einem urigen Restaurant in der Nähe des Hafens testeten wir dann, was Barcelona Meeresfrüchtetechnisch so drauf hat und wurden alles andere als enttäuscht. Lediglich an die "manana-Mentalität" des Servicepersonals muss man sich einfach gewöhnen. Die vorzüglichen Calamares entschädigten mich dann aber in bester Weise für die lange Wartezeit.
Ausklingen ließen wir den voran geschrittenen Abend dann auf der Dachterrasse. Die lauen Temperaturen waren wiederholt Anlass für elterliche Ausrufe von Glückseligkeit.
Freu dich, es gibt immer was zu entdecken!

Samstag, 31. Oktober 2009

Besuch aus der Ferne

Donnerstag, 29.10.:
Nachdem das Tutorium in Spanisch schneller als erwartet hinter mich gebracht werden konnte und ich mit den erreichten Noten mehr als zufrieden war, konnte ich mich schon am frühen Nachmittag aufmachen, um die Schlüssel für das Atico-Apartment, das mein Besuch die nächsten Tage bewohnen sollte, in Empfang zu nehmen. Die schöne Dachwohnung in unmittelbarer Nähe zur Rambla gefiel mir sehr und nachdem ich nun auch mal den Blick über Barcelona von einer weiteren Dachterrasse als meiner eigenen genießen konnte, flitzte ich noch mal zum Supermarkt und in meine Wohnung, um einige grundlegenden Sachen zu besorgen (beispielsweise Mineralwasser, welches sich leider zu einem späteren Zeitpunkt als Zitronenlimonade herausstellen sollte).
Dann ging ich zum Placa Catalunya, um dort Mutti und Vati nach ihrer Bustour vom Flughafen in Empfang zu nehmen.
Überrascht von der "Hitze" (ich fand ja eigentlich, dass 23 Grad schon Stiefelwetter ist...), aber gleichermaßen beeindruckt vom mit Leben gefüllten Stadtzentrum, gingen wir zu Fuß über die Rambla zur Wohnung.
Während sich die lieben Eltern ein bisschen frisch machten, versuchte ich mich darin, meine neu gewonnenen Kochkünste unter Beweis zu stellen. Außer meinem eigenen konnte ich zwar keinen der Geschmäcker treffen, aber so blieb wenigstens mehr für mich.
Da wir den ersten Abend jedoch nicht ungenutzt lassen wollten, machten wir uns nach der Inaugenscheinnahme der mitgebrachten Sachen (unter Anderem eine Flasche Hela-Gewürz-Ketch-Up und ein Koffer, der mir hoffentlich erlaubt, alle meine Sachen wieder sicher mit nach Deutschland zu nehmen), auf den Weg ins Städtchen.
Im Barri Gotico sollten wir fündig werden und tranken vor der traumhaften Kulisse einer gotischen Ruine, die von warmem Licht angestrahlt wurde, ein paar schöne Cerveza.
Danach machten wir noch einen kurzen Ausflug ins Tres Flores und ich trank (da sich Gaumenpräferenzen der Eltern und meiner auch hier unterscheiden) 3 Mojitos :-)
Zu Fuß machten wir uns dann wieder auf den Rückweg und nach einem Blick auf den Placa Reial und die Gaudí-Laternen verabschiedete ich mich ins Bettchen.
Freu dich, du hast Besuch :-)

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Zauberhaft

Mittwoch, 28.10.:
In der UNI zog in der Pause eins meiner Gruppenmitglieder die Aufmerksamkeit auf sich. Eine auf dem Tisch liegende Zeitung und ein Glas Wasser sollten genügen, um Robert zu spontanen Zaubertrick-Versuchen zu animieren. Nach dem Falten der Blätter und dem Hineingießen des Wassers befand sich jedoch ein Alex zu viel in der "Ausschüttelzone", was für ihn ein nasser Spaß werden sollte. Für alle anderen ein trockener Anlass, sich herzhaft zu amüsieren.
In der Vorlesung bei Otilia sollte es dann jedoch zu einer Spontan-Präsi kommen, da wir die "Gruppenhausaufgaben" ohne Vorwarnung dem Kurs vorstellen sollten. Auch wenn ich aufgrund der späten Absendung die Einzige war, die eine grobe Ahnung hatte, was die einzelnen Stichpunkte auf den Folien bedeuten sollten, konnten die Herren mit Charme und Wortwitz von ihrer Unwissenheit ablenken und Dozentin und Kommilitonen zufriedenstellen.
Zu Hause erwartete mich zu meiner Überraschung ein regelrechtes Schlachtfeld. Die Nachbarn hatten beschlossen, ihre Wohnung neu einzurichten und uns angeboten, einige der bis dahin in Gebrauch gewesenen Möbel zu übernehmen. So kam es, dass unser komplettes Wohnzimmer mit allerlei Einrichtungsgegenständen vollgerümpelt war. Da mein Zimmer sehr klein und mit den darin befindlichen Möbeln bereits voll ist, musste ich leider passen, doch der neue Mitbewohner durfte sich über eine Kommode freuen und das Wohnzimmer über einen weiteren Tisch und eine funktionierende Stehlampe.
Als das Chaos annähernd beseitigt war, bahnte ich mir den Weg in die Küche und kochte mir süße Nudeln mit Muskat und Apfelmus (welches ich für sage und schreibe 2 Euro im Supermarkt als "deutsche Spezialität" erstehen musste!).
Danach beantwortete ich noch ein paar Emails und genoss den milden Abend auf der Dachterrasse, bis mich der kalte Luftzug ins warme Bettchen scheuchte.
Freu dich, dein Wohnhaus ist ein Flohmarkt.

Mid-Terms

Dienstag, 27.10.:
Frisch und munter schrieben wir heute unsere Midterms. Auch wenn zwischenzeitiges Verschwinden zur Raucherpause von Antonia nicht unbedingt Klausurbedingungen widerspiegelte, gingen wir doch alle mit der nötigen Ernsthaftigkeit ans Werk.
Das Fach, für das ich am meisten tun musste und bei dem ich die schwerste Klausur erwartet hatte, nämlich Managing Services, verließ ich mit einem überraschend guten Gefühl und auch der zweite Spanischteil, eine schriftliche Zusammenfassung vom Film "Pan's Labyrinth", ging mir relativ leicht von der Hand.
So konnte ich fröhlich zum nächsten Tagesprojekt stiefeln, nämlich der Besorgung von Informationsbroschüren über touristische Aktivitäten in Barcelona, die meine Vorbereitungen auf den erwarteten Besuch aus der Heimat darstellen sollte.
Danach ging es noch eine Kleinigkeit einkaufen.
Zu Hause belohnte ich mich für meine ganzen Lernaktivitäten mit einer leckeren Pizza (die erste seit meiner Ankunft in Barcelona), telefonierte noch ein bisschen und machte mich dann an die Vorbereitung der nächsten Hausaufgabe für New Venture Creation.
Leider konnte ich nicht so gut einschlafen wie in der vergangenen Nacht und ich war froh über meine Fülle an "???"-Folgen auf dem Laptop, die mir die ein oder andere Stunde des Wachseins zumindest ein bisschen versüßen konnte. Um halb drei stellte ich dann fest, dass ich vergessen hatte, Otilia und meinen Kommilitonen die Hausaufgabe auch zu schicken, was ich dann glücklicherweise noch nachholen konnte. So haben Schlafprobleme auch ihr Gutes.
Freu dich, Midterms erfolgreich abgehakt!

Kekse und Kakao

Montag, 26.10.:
Stichtag für die Midterm-Präsentation in Strategic Management of the Firm.
Die Präsentation war vorbereitet und die knapp 20 Seiten lange schriftliche Ausarbeitung fristgerecht eingereicht, doch Estebans Finger zeigte in der Vorlesung nicht auf unsere Gruppe und so blieben wir vom Vortrag über die Entwicklung der amerikanischen Flugzeugindustrie in den letzten 20 Jahren verschont.
Auch gut, so konnte nach der UNI die gesamte Konzentration auf die letzten Lernversuche für die am Dienstag stattfindenden Klausuren in Spanisch und Managing Services vereint werden.
Bei Keksen und einer schönen Kanne Kakao führte ich mir nicht nur meine eigenen, sondern auch die weitaus ausführlicheren Mitschriften von Stefan zu Gemüte, die meinen Lernerfolg sichtlich positiv beeinflussten.
Nach einem sehr schönen Telefonat ins ferne Deutschland legte ich dann meine Zettelwirtschaftn nieder und beschloss mal früh schlafen zu gehen, um fit für den nächsten Tag zu sein. Jorge und Antonia: Ich komme...
Freu dich, bei Keksen und Kakao lernt es sich doch am angenehmsten!

Lernen bei Resaca

Sonntag, 25.10.:
Offenbar war mir der vorabendliche Ausflug nicht bekommen, denn der Sonntag zeichnete sich bei mir durch ein globales Unwohlsein aus. Zu blöd, dass ich lernen musste und auf Kopfschmerzen keine Rücksicht nehmen konnte.
Also war schnell das Aspirin auf dem Tisch und zeigte glücklicherweise recht schnell seine Wirkung. Als es mir wieder besser ging, durfte ich dann Bekanntschaft mit meinem neuen Mitbewohner machen. Marcello kommt, genau wie mein anderer Mitbewohner Mattia aus Italien. Seine Erzählungen, dass er hier sei, um einen Spanischkurs zu machen, da er ja die Sprache noch nicht so gut beherrsche, brachte er aber in für meine Begriffe ziemlich flüssigem Kastellan auf den Punkt. Italiener müsste man sein, denn offenbar gleichen sich die beiden Sprachen so sehr, dass auch ohne Unterricht die Verständigung auf spanisch keine wirkliche Hürde darstellte.
Nach einer kleinen Laufeinheit an der Hafenpromenade fühlte ich mich dann zum Glück wieder fit genug, um die nächste Ausarbeitung für Otilia in Angriff zu nehmen. Eine Analyse der chinesischen Feuerwerksindustrie und wiederholendes Skriptlesen von Jorges Managing Services Inhalten hielt mich die Stunden bis zum Einbruch der Dunkelheit auf Trab.
Freu dich, vielleicht lernst du ja auch noch ein bisschen italienisch.

Mojito-Nacht

Samstag, 24.10.:
Nachdem ich den Tag mit den Vorbereitungen für die Zwischenprüfungen verbracht hatte, belohnte ich mich mit der Zubereitung einer köstlichen (und dank meines Gemüsefreundes kostengünstigen) Paprikapfanne.
Ein Anruf von Hendrik und die Frage nach meiner Bereitschaft für einen kleinen Bocadillo-Imbiss auf der Rambla del Raval, stellte eine weitere Challenge für meinen eigentlich gefüllten Magen dar. Aber Appetit sei Dank hatte ich schnell die Schuhe an den Füßen und eilte zum besagten "Büdchen" auf der Rambla. Dort traf ich dann auf Hendrik, Stefan und Freundin Anna, die mittlerweile auch zu Besuch angereist war.
Mit zunehmender Dunkelheit schlenderten wir erst durch die Gassen des Raval, über die Rambla und dann ins gotische Viertel, um einen erneuten Abend im Tres Flores zu verbringen. Dort stieß auch Alex dazu und wir läuteten einen lustigen Abend ein, der aufgrund der günstigen Preise ziemlich Mojitolastig werden sollte. Die Lokalität feierte nämlich an diesem Wochenende Jubiläum und als "Geschenk" wurden alle Cocktails und Longdrinks die ganze Nacht lang zu Happy-Hour-Preisen angeboten. Diese Information fand auch noch ihren Weg zu Robert, der daraufhin nebst Familie und Anhang Christine ebenfalls den Weg ins Tres Flores fand. Zeitgleich gab sich ein Grüppchen die Ehre, das eine Promotionaktion für ein Getränk veranstaltete, dessen Logo ein in Deutschland nicht unbekanntes Rotwild auf orangenem Untergrund zierte.
Quintessenz aus dieser Abendgestaltung war, dass am nächsten Morgen eine Jacke zu wenig, ein Handy zu viel und ein fremdes Schlüsselbund den Heimweg angetreten hatten.
Der Besitzerwechsel verlief aber zur Beruhigung aller reibungslos :-)
Freut Euch, Tres Flores hat Geburtstag.

Bergfest

Freitag, 23.10.:
Mein freier Freitag ließ sich eigentlich in genau zwei Worten zusammenfassen, die meine Beschäftigung an diesem Tag darstellen sollten: Lümmeln und Lernen.
Doch auch wenn nichts passiert ist, hab ich ja immer was zu erzählen. Ich feiere nämlich Bergfest, die Hälfte meines Aufenthalts hier ist also bereits rum und da kommen doch die ein oder anderen Gedanken bei mir auf.
Ich vermisse mein Auto mit dem in Regenbogenfarben leuchtenden Radio, meine Kaffeepausen auf meinem roten Sofa, Friends, Fortuna, aufgeschäumte Milch, Gummibärchen, meine Badewanne und natürlich meine Lieben (ich glaube jeder, der sich jetzt angesprochen fühlt, darf sich dazu zählen ;-)).
Doch ich erlebe hier so viele schöne Sachen, dass ich den Trennungsschmerz zu überwinden weiß und mir die Zeit hier so vorkommt, als verginge sie viel schneller als zu Hause. Auch wenn man sagt, ab einem gewissen Zeitpunkt sei alles "normal und gewöhnlich" und sich das in Sachen Uni bewahrheitet, genieße ich jeden Tag.
Dank des formidablen und zu großen Teilen frittierten Essens hier, hab ich schon 10 kg zugenommen (handballtechnisch ziehe ich schon eine Umschulung von "Rückraum links" auf "Spielball" in Betracht), ich hab gelernt wie man Tortillas macht, durfte Bekanntschaft mit dem Bürgermeister machen, bin tiefer in die jüdischen Gebräuche eingetaucht, hab schon seit August nicht mehr ferngesehen, habe mich in der Stadt der Taschendiebe noch kein einziges Mal beklauen lassen, gewöhne mich langsam an die Supermarktverkäufer, die ein in Deutschland inakzeptables Schneckentempo an den Tag legen, liebe meine Dachterrasse, verabscheue das Fehlen eines Aufzugs, habe viele (sogar überwiegend nette :-D) Menschen kennengelernt und genieße das Großstadtleben in unmittelbarer Nähe des Meeres.
So sehr ich mich auch schon auf meine Rückkehr freue, so erschreckend nah scheint mir doch dieser Tag schon zu sein! Ich bin sehr froh, dass ich mich entschieden habe, mein Auslandssemester in Barcelona zu verbringen und möchte keinen Tag und keine Erfahrung hier missen. Ich bin sehr gespannt, was mich während des zweiten Teils dieser Reise noch alles erwartet und freue mich, dass ein reges Interesse daran zu bestehen scheint, dass ich diese Erlebnisse teile :-)
Freu dich, du bist in Spanien!

Freitag, 23. Oktober 2009

Land unter

Donnerstag, 22.10.:
Die Erkenntnis des Tages: Mit Regen kommen Barcelonesen mal überhaupt nicht klar. Als ich heute das UNI-Gebäude verließ und trotz Schirm (da KANN nichts passieren) von flutwellenartigen Regenstürmen heimgesucht klitschnasse Füße bekam, war das erst der Anfang. Die irgendwie nicht bis ins letzte Detail ausgeklügelte Kanalisationsführung, die die Straßen zu einer einzigen riesigen Pfütze werden ließ, offenbarte sich auch in der Metrostation, die bei meiner Ankunft am Placa Catalunya regelrecht unter Wasser stand.
Doch der Regen sollte auch etwas Gutes mit sich bringen: Die Aussage von Esteban, dass hier bei Regen kein Mensch vor die Tür geht, die Leute ihre Planungen über den Haufen werfen und einfach zu Hause bleiben, bewahrheitete sich. Der Champagneria-Ausflug mit Stefan, Hendrik, Robert und Christine war heute folglich anders als gewöhnlich. Eine fast menschenleere Bar offenbarte sich, man konnte seine Ellbogen ausstrecken, ohne einem anderen Gast das Glas aus der Hand zu stoßen und sogar Gespräche führen, ohne Angst um seine Stimmbänder haben zu müssen. Weiterer positiver Nebeneffekt war, dass ich keine 30 Sekunden auf meinen bestellten Käsekuchen warten musste, was ich zum Anlass nahm, mir heute gleich mal 2 leckere Stücke davon zu gönnen :-)
Donnerstag = Pokerabend, das sollte den restlichen Fortgang des Abends bestimmen. Mein Merkblatt über die verschiedenen Zusammenstellungen der Karten für gewinnbringende Runden reichte ich feierlich an Christine weiter und bezeichne mich fortan als alter Pokerhase :-)
Finanziellen Erfolg brachte mir die Spielrunde zwar wieder nicht, doch dafür einen Riesenspaß. Mit einem Meisterbluff (wörtlich "der beste Bluff, den Franky jemals in seiner Karriere erlebt hat") und rein gar nichts auf der Hand, schaffte ich es, Stefan trotz seiner zwei Pärchen einen riesigen Pott abzuluchsen. Allein dafür hat sich der Einsatz schon gelohnt!
Freu dich - auch bei Land unter kann Barcelona was!

Effizient geht anders

Mittwoch, 21.10.:
Highlightverdächtig war an diesem Tag wenig. Nachdem ich das erste Mal mitbekommen hatte, wie die Herren morgens drauf sind, wenn unfreiwilliges Aufstehen auf dem Programm steht, machten wir uns in strömendem Regen auf den Weg zum Campus.
Die Verbindung ist wesentlich lauflastiger als von meiner Wohnung aus und leider kam ich nicht wirklich trockenen Fußes im Gebäude an. Die voll aufgedrehte Heizung in den Vorlesungsräumen sollte meine Kleidung aber ruck zuck wieder trocknen (offenbar gibt es bei der Einstellung der Klimatisierung hier nur "viel zu kalt" oder "viel zu warm").
Weiterhin Blogeintragwürdig erachtete ich die nette Geste von Hendrik, in der vorlesungsfreien Zeit zum Supermarkt zu laufen und mir wohlschmeckendes Pausenobst zu besorgen - man muss seine Leute eben im Griff haben (oder wahlweise auf Kommando weinen können :-D)!
Wieder zu Haus angekommen, wurde ich leider mit der enttäuschenden Wahrheit konfrontiert, dass es auch hier in den letzten 48 Stunden geregnet hatte. Mein Waschtag war also leider für die Katz gewesen, denn ich musste die Waschmaschine aufgrund des mit dem Regen herunter gekommenen Barcelonaschmutzes auf meine Kleidung aufs Neue bemühen.
Vom gestrigen Thunfischerlebnis noch nicht losgelassen, beschloss ich, heute selbst die Töpfe dreckig zu machen und kochte mir leckere Spaghetti, mit Paprika, Mais, Zwiebeln, Tomatensauße und gebratenem Thunfisch! Da das Essen diesmal ohne anderes Fleisch zubereitet war, sah ich eine gute Gelegenheit mir meine verbessernden Kochkünste attestieren zu lassen und lud meine Mitbewohner dazu ein, an meinem Mahl teilzunehmen. Und tatsächlich konnte ich meine Wohngenossen begeistern und gleichzeitig als Gegenleistung den Abwasch weiter"delegieren".
Zu meiner Freude klarte der Himmel am Abend wieder auf, was mich zum wiederholten Male auf die Dachterrasse zog. Dort widmete ich mich dann wieder der Literatur, da ja in der kommenden Woche die Midterm-Tests anstehen sollten. Die Abendsonne ZWANG mich aber dazu, alle 5 Minuten ein genießerisches Päuschen einzulegen und mich darüber zu freuen, dass es der Lorenz wieder gut mit mir und meinem Traumplätzchen meint. Der Lerneffekt ging dadurch dann leider ein bisschen flöten, aber so ist das halt. Sind ja noch ein paar Tage Zeit.
Freut Euch - auf Regen folgt Sonne!

Fleißiges Lieschen

Dienstag, 20.10.:
Ein Uni-Tag wie eigentlich jeder andere zog sich bei mehr oder weniger schönem Wetter in die Länge und nachdem in der letzten Vorlesung heute wieder einmal ein spanischer Film die Unterrichtsvorbereitung von Antonia ersetzte, setzte ich mich noch für ein Stündchen in die Bibliothek.
Danach konnte ich meine Fremdenführerqualitäten unter Beweis stellen, indem ich Robert in Sachen Busfahrplanlesen unterweisen konnte. Sein Weg zog ihn nämlich heute nicht auf direktem Weg nach Haus, sondern in Richtung Flughafen, um sein sehnlichst herbeigesehntes Herzblatt in Empfang zu nehmen (näheres gibt es im Jubiläumsheft des MTVD Köln nachzulesen ;-)).
Für mich aber sollten die universitären Verpflichtungen kein Ende nehmen. Nachdem die erste Präsentation ja erfolgreich hinter mich gebracht werden konnte, stand schon die Vorbereitung der nächsten an. Im Fach Strategic Management of the Firm werden wir zwar sowohl von Midterm-Exam als auch von einer Abschlussklausur verschont, müssen dafür aber diverse Ausarbeitungen zu mehr oder minder spannenden Case-Studies einreichen und vortragen.
Mein Weg führte mich also ebenfalls nicht in meine Wohnung, sondern zu meinen Gruppenmitgliedern, die meinen Bibliothekszwischenstop für ein kleines Nickerchen genutzt hatten.
Bevor wir uns ans Werk machten, durfte ich mein kulinarisches Portfolio um die Kenntnis erweitern, dass gebratener Thunfisch einen ganz neuen, nicht minder guten Geschmack hat und ohne Probleme den Speck in der Sahnesauße für die Nudeln ersetzen kann. Mit anderen Worten, Stefan bekochte uns wieder einmal.
Gestärkt widmeten wir uns dann unserem Projekt und waren zuversichtlich, dass wir den Dozenten Esteban mit den recherchierten Ergebnissen mehr als beeindrucken würden. Die Ankunft von Christine und dem freudestrahlenden Robert unterbrach das fleißige Treiben nur kurz.
Nachdem die Uhrzeit dann irgendwann so weit voran geschritten war, dass weder Bicing noch Metro für die Heimreise verfügbar waren, musste ich - das erste Mal nun auch unter der Woche - "mein" Küchenschlafsofa für die Regeneration bis zum nächsten Tag nutzen. Wohl dem, der vorsorglich immer die Zahnbürste in der Schultasche mitführt...Man weiß ja nie, was der Tag noch so bringt ;-)
Freu dich - Vorbereitung ist alles!

Dienstag, 20. Oktober 2009

Presentation-Day

Montag, 19.10.:
Heute stand die Präsentation unserer Business-Idee auf dem Stundenplan. Da ich nicht mehr bis zum Ende mitgewirkt hatte, musste ich die Mittagspause dazu nutzen, mich im Computerraum auf meine Präsentationsteile vorzubereiten und nebenbei den Study-Abroad-Drucker gleich zweimal zu schrotten.
In der Vorlesung durften wir dann zunächst zwei Präsentationen unserer amerikanischen Kommilitonen lauschen, was mir für unseren Vortrag ziemlich viel Selbstvertrauen gab. Denn auch wenn wir sprachlich natürlich gegenüber den Muttersprachlern etwas im Nachteil sind, stufte ich unseren Inhalt doch um einiges besser ein.
Das schien auch Dozentin Otilia so zu sehen, denn während unserer Präsentation konnte man deutlich öfter ein zustimmendes Lächeln und weniger Zwischenfragen bezüglich unberücksichtigter Aspekte feststellen.
Besonders überzeugen konnten wir natürlich mit dem perfekten Logo unserer Firma.
Detailliert kann ich natürlich nicht verraten, worum es geht (Copyright und so ;-)), aber es sei so viel gesagt: Gebt uns 90.866,36 € und wir machen ein Geschäft auf, das einen Dukaten-Esel-Charakter birgt! :-D
Den Rest des Tages verbrachte ich im Kämmerlein: Leider musste die Küche erneut von mir einer Reinigunsprozedur unterzogen werden, da ich nicht das richtige, Krankenhausduft versprühende, Putzmittel verwendet hatte und somit nicht die WG-Auflagen erfüllt hatte. Dann wurde ein Waschtag eingeläutet und der Abend mit der Blog-mäßigen Aufarbeitung meiner Highlights der letzten Woche abgerundet.
Freu dich - du wirst bestimmt reich in Barcelona!

Montag, 19. Oktober 2009

Gourmetverdächtig

Sonntag, 18.10.:
Nachdem ich heute das erste Mal (abgesehen von meiner schlimmen Erkrankung von vor einigen Wochen) frierenderweise aufwachte, war es Zeit, den sich in nur einer Woche um fast 10 Grad abgekühlten Temperaturen Tribut zu zollen und die Daunendecke aus dem an dieser Stelle verstauten Koffer zu holen. Naja, 18 sonnige Grad sind aber ein deutlich angenehmeres Herbstwetter als das aus Deutschland gewohnte Eiskratz-Morgen-Wetter, also will ich mich nicht beklagen.
Beim Joggen war der frische Wind um die Nase dann nämlich schon wieder ein willkommener Erfrischungsfaktor!
Der Fokus meiner Aktivitäten war jedoch heute auf die am Montag zu präsentierende Gruppenarbeit zu legen und so machte ich mich nach der Erfüllung meiner Küchenputzpflicht mit dem Fahrrad auf zu meinen Gruppenmitgliedern - Überraschung: Alex, Hendrik, Stefan und Robert.
Enthusiastisch arbeiteten wir an der Machbarkeitsstudie für unsere Business-Idee im Fach Entrepreneurship.
Belohnend für viele Stunden der akribischen Recherche kochte Stefan am heutigen Tag mal wieder ein richtiges Sonntagsessen. Im Ofen gegarte Lachsstreifen mit Nudeln und einer prächtigen Champagnersauce waren für unser aller Gaumen eine wahre Freude und es wunderte keinen, dass selbst die großen Mengen am Ende restlos verputzt waren. Ich muss schon sagen, kochen können "meine Jungs" ;-)
Danach setzten wir uns aber wieder an die Arbeit und diskutierten unsere Ideen aus. Besonders beim Design unseres Firmenlogos konnte ich meine Ideen verwirklichen lassen (obwohl ich mich nicht gerade beliebt dadurch gemacht hatte, bis zur Fertigstellung zu warten und erst dann mit meinen bahnbrechenden Vorschlägen hinterm Ofen hervorzukommen...) Den Anblick, wie wir einander gegenüber alle mit aufgeklappten Laptops und rauchenden Köpfen an unserem Projekt arbeiten, hätte man für die Amis aus unserem Kurs als Paradebeispiel motivierter Task-Erfüllung eigentlich mal abfotografieren sollen.
Nachdem ich vor gänzlicher Beendigung den Heimweg antreten mussten (böse böse Fahrpläne), fiel ich nach einem sehr produktiven Tag müde ins Bett.
Freu dich Barcelona - dich erwartet eine Experiencia Unica!

Jordi Hereu

Samstag, 17.10.:
Heute hab ich etwas zu berichten, was zwar relativ unspektakulär war, womit ich jedoch unheimlich angeben kann :-)
Von lauter Musik geweckt, zog es mich hinunter auf die Straße. Der neue Markt in meinem Viertel hatte heute feierliche Eröffnung. Um die Hallen herum spielten Musiker und sangen volkstümliche Lieder. Für die Kleinen (was nicht heißen soll, dass mich das davon abgehalten hätte, das ein oder andere auszuprobieren) gab es verschiedene Spielstellen, die Dosenwerfen, Mühle-Spielen oder Pfannkuchen-Wenden zur Beschäftigung anboten.
Als ich eine Runde um die weißen, zeltartigen Markthallen gemacht hatte, wollte ich auch das Innere erforschen. Zu meiner Freude bekam man am heutigen Tag schon am Eingang einen Becher Cava geschenkt und konnte sich an einer Mannigfaltigkeit verschiedener Salami-, Schinken- und Käsesorten bedienen.
Der Markt an sich ist ähnlich dem Markt la Boqueria an den Ramblas, nur größer und ohne all die Touristen. Zudem gibt es noch den daran angeschlossenen Kleidermarkt. Hier ist der ideale Platz, um Zutaten für eine reichhaltige Mahlzeit zu kaufen oder um einfach nur mal durchzuschlendern. Die die verschiedenen Gerüche von frischen Früchten bis hin zu Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten kommen einem Attentat auf die Sinne gleich. Ich muss jedoch sagen, dass mir vom Flair und Ambiente her der ursprüngliche Marktplatz besser gefallen hat als diese weißen Kunststoffröhren.
Als ich mich durch die Menge schlängelte, bemerkte ich plötzlich wie eine Gruppe von Pressefotografen auffällig dicht aufeinander hockte. Noch dazu gingen vor, neben und hinter mir im Abstand von etwa zwei Metern große Anzugträger mit Knöpfen in den Ohren. Dann sah ich, wie ein kleiner Mann mit Krawatte herzlich lachend die gleiche Runde machte wie ich und offenbar jeden Händler auf dem Markt kannte. Zumindest begrüßte er jeden solchen mit Handschlag und grinste dabei in eine von den aufblitzenden Kameras. Ab und zu gab es auch ein Händeschütteln für die Seniorinnen, die sich mit ihrem Einkaufswägelchen den Weg durch die Markthallen zu bahnen versuchten. Wie andere Besucher des Marktes wollte auch ich mich, nachdem ich einige Minuten geduldig dem Trupp hinterhergetrottet war, an diesem offenbar nicht unbekannten Herren vorbeischleusen. Vielleicht, weil ich den Altersdurchschnitt in der Markthalle erheblich gesenkt hatte (die Kinder spielten ja alle draußen), vielleicht weil ich einfach über einen Kopf größer war als die anderen Besucher, ich weiß es nicht: Als ich vorbeigehen wollte, wurde auch ich mit einem festen Handschlag dieses Promis, von dem ich immer noch keine Ahnung hatte, wer er war, bedacht. Ich freute mich aber natürlich und grinste ebenfalls in die Kamera. Einen der später im Gang auf die Ankunft des Edelmannes wartenden Fotografen fragte ich dann, um wen es sich denn dort handle, konnte aber mangels ausgereiftem Vokabular lediglich verstehen, dass es sich um den "Chef von Barcelona" handeln sollte.
Gleich nach meiner Ankunft zu Hause konnte ich dann dank der Google-Bilder-Suche feststellen, dass ich am heutigen Tag Jordi Hereu, dem Bürgermeister von Barcelona, die Hand geschüttelt hatte :-)
Freu dich - so ein Promianekdötchen hat doch nicht jeder Austauschstudent parat, oder?

Sardana

Freitag, 16.10.:
Das Wetter an diesem Tag war sensationell und so beschloss ich, meine Lernaktivitäten auf die Dachterrasse zu verlegen. Zu meiner Freude konnte ich feststellen, dass das W-Lan der Wohnung sogar bis dorthin reicht. Zwar konnte ich bei dem strahlenden Sonnenschein nicht allzu viel vom Bildschirm erkennen, doch das Wissen über diese Option stimmte mich dennoch sehr freudig.
Später wollte ich wieder einmal eine meiner Erkundungstouren starten und radelte erst zum Placa Catalunya und ging von dort aus zu Fuß durch die Einkaufsstraßen.
Und ein Highlight ließ nicht lang auf sich warten, denn am Platz vor der Kathedrale sollte die Post am heutigen Tag für Unterhaltungsprogramm sorgen. Zur Feier einer neuen Briefmarke gab es dort nicht nur eine Ausstellung alter Briefe und Marken, sondern auch Live-Musik und Tanzvorführungen. Die neue Briefmarke zeigt nämlich eine Gruppe von Tänzern, die den katalanischen Nationaltanz, die Sardana, tanzen.
Die Sardana wird in vielen Orten Kataloniens unter freiem Himmel getanzt. Auch in Barcelona hat sich dieses Brauchtum erhalten und am Wochenende treffen sich an diesem Platz die "Sardanisten" zum kreisförmigen Hüpfen. Heute waren es jedoch die tatsächlich auf der Marke abgebildeten Tänzer, die in ihren Ballethäschen-Trachten die Sardana vorführten. Sobald der erste Ton der Kapelle ertönte, fassten sich alle an den Händen, um den Gruppentanz einzuläuten. Auch Fremde können jederzeit in den Reigen eintreten und mittanzen - Alter und Herkunft spielt dabei keine Rolle.
Das Tanzen gestaltet sich aber schwieriger als es auf den ersten Blick aussieht (sofern ich das vom Zusehen beurteilen kann). Die Schrittfolge wiederholt sich zwar immer, jedoch müssen die Tanzenden konzentriert den Takt mitzählen. Die feierlich ernsten Mienen dabei sind wohl typisch für diesen Volkstanz.
Die Katalanen sagen über die Sardana: "Sie besitzt den Rhythmus Kataloniens - das Herz tanzt, der Kopf rechnet."
Auch wenn ich nicht so großen Gefallen an diesem Tanz gefunden habe, dass ich fortan jeden Sonntag um 12 Uhr an der Kathedrale auf die Sardanisten warten werde, war es doch den Ausflug heute wert und ich freu mich, dass ich dieses Spektakel mal live erleben konnte.
Freu dich - Ringelpietz wird hier sehr ernst genommen!

All out

Donnerstag, 15.10.:
Nachdem ich in der letzten Woche so viel Spaß daran entwickelt hatte, mir im Pokern ein goldenes Näschen zu verdienen, wollten wir heute eine Wiederholung starten.
Bevor ich mich mit den Salatresten vom Grillen auf ins Eixample machte, möchte ich jedoch noch kurz erwähnen, dass ich ab und an sogar Züge von Nettigkeit entwickeln kann :-) So hatte ich nämlich die Brot-, Nudelsalat- und Fleischreste liebevoll zu Pausenbroten zusammengestellt und konnte in der UNI das Gefühl des gestrigen Abends noch einmal - zumindest geschmacklich - in Erinnerung rufen und meine Kommilitonen erfreuen.
Der Pokerabend, bei dem häufiger als in der letzten Woche Naschpausen für den Salat und Pizzabrot eingelegt wurden, war erneut Rechtfertigung für die Investition in die Chips - zumindest was den Spaß am Spiel anging. Denn leider war ich an diesem Tag weniger vom Anfängerglück geküsst und musste mich als erste dem unglaublich stark aufspielenden Robert geschlagen geben (der übrigens darauf bestand, dass ich das doch bitte hier erwähne) ;-)
Mit qualifizierten Zwischenkommentaren konnte ich mich aber dennoch bis zum Schluss am Spielgeschehen beteiligen und Nutznießer kleiner Schulungsmaßnahmen in Sachen Chancenberechnung durch Stefan werden.
Alles, was ich an diesem Abend in finanzieller Hinsicht einbüßen musste, hab ich aber natürlich - Fuchs, wie ich bin - an der permanenten Bedienung am WG-Kühlschrank wieder reingeholt ;-)
Freu dich - wenn man es locker nimmt, macht auch Verlieren Spaß!

BBQ

Mittwoch, 14.10.:
Wie verabredet sollte heute das schöne Wetter hinsichtlich der plötzlich abkühlenden Temperaturen genutzt werden. Am frühen Abend kamen dann das erste Mal Stefan, Alex und Robert - angeführt vom den Weg bereits bestens verinnerlicht habenden Hendrik - zu mir. Beeindruckt, nicht nur von meinem phänomenalen Nudelsalat, sondern auch von kleinen Gurken-Käse-Häppchen, Salat und von meinem selbst gebackenen Brot, ließen sich die Herren von der herrlichen Aussicht von meiner Dachterrasse überwältigen.
Doch auch ich musste lobend meinen Hut ziehen, da die für die Fleischversorgung verantwortlich gezeichneten Besucher keine Mühen gescheut hatten, sage und schreibe vier eigene Marinaden für die verschiedenen Fleischsorten zu "erfinden".
Darüber hinaus half mir Stefan noch bei der Salz-Butter-Ummantelung für den Lachs.
Nachdem der Grill entzündet und das erste Willkommenskaltgetränk auf der Dachterrasse eingenommen war, hatten wir einen großartigen Abend der Völlerei vor dem Hintergrund der in der Abendsonne orange eingefärbten Silhouette Barcelonas.

Später wurde das anschließende Kartenspiel aufgrund der in der Dunkelheit nicht zuträglichen Lichtverhältnisse ins WG-Wohnzimmer verlegt, wo eine kurze Bekanntschaft mit meiner Mitbewohnerin Shelly gemacht wurde.
Das Spiel konnten wir wegen der unflexiblen Metrozeiten leider nicht so lang spielen, bis ich offiziell als Sieger hätte bezeichnet werden konnte, aber nach einem so schönen Abend konnte ich das mit Leichtigkeit verkraften.
Freu dich - Grillen macht doch immer Spaß!

Samstag, 17. Oktober 2009

Großeinkauf

Dienstag, 13.10.:
Nachdem mein Schlafrhythmus nach den letzten vier freien Tagen leider völlig aus dem Gleichgewicht geraten war und ich nicht vor halb vier der letzten Nacht Schlaf gefunden hatte, brachte ich es doch tatsächlich fertig, die erste Vorlesung (die um 11:00 Uhr beginnt!!!) zu verschlafen. Antonia nimmt mir dies hoffentlich nicht übel. In der zweiten Spanischstunde war jedoch ohnehin die attraktivere an diesem Tag, da der Unterricht vom katalanischen Vertretungslehrer Franziskus geleitet wurde. Ihn zu verstehen stellte eine echte Herausforderung dar.
Nachdem die katalanischen Floskeln Chao und bona nit verinnerlicht wurden, war der UNI-Tag auch schon wieder vorbei. Doch meine To-Do-Liste barg weitere Aufgaben für mich. Die neuen Markthallen des Mercat Sant Antonin hatten die Tore geöffnet und da der Eingang jetzt nur noch knappe 30m von meiner Wohnung entfernt liegt, stattete ich ihm einen kurzen Besuch ab. Da es jedoch sehr voll war, kaufte ich nur einen Alibi-Apfel und begab mich zu meinem eigentlichen Ziel - dem Supermarkt. Der lästige Sicherheitsbeamte war zum Glück nicht zu erspähen und so konnte ich in Ruhe meine Einkäufe erledigen. Diese sollten heute etwas größer ausfallen, da ich mir doch tatsächlich für den nächsten Tag Besuch eingeladen hatte.
Nach ca. einer Stunde schleppte ich die in weiser Voraussicht mitgebrachte IKEA-Tüte vollgepackt aus dem Consum. Neben Getränken, Kohle, Eiern, Gemüse und Nudeln, waren auch ein paar Lachsfilets und Maiskolben in meiner blauen Wundertüte.
Nach den 20 Minuten, die es mich kostete, die schwere Tüte die hundert Meter bis zum Haus und die 4 Stockwerke hinauf zu wuchten,
rückversicherte ich mich kurz bei Schwesti, dass mit ausreichend Salz beim Zusammenmischen der Zutaten eigentlich nicht viel schief gehen kann. Und 30 Minuten später konnte ich in meinem Kopf stolz ein Häkchen hinter das Projekt "erster eigener Nudelsalat" setzen.
Den Rest des Abends verbrachte ich damit, mir genügend Platz für meine Leckrigkeiten im Kühlschrank zu ergattern und das Rost vom Dach vom Dreck der Jahrhunderte zu befreien.
Freu dich - morgen wird gegrillt!

Dienstag, 13. Oktober 2009

Columbus-Day

Montag, 12.10.:
Den heimischen Lesern wird es wahrscheinlich wieder mal die neidische Blässe ins Gesicht treiben, doch dennoch muss ich darauf hinweisen, dass hier heute wieder einmal Feiertag war. Zu Ehren des Herrn Columbus fanden heute keine Vorlesungen statt und bescherte mir somit ein verlängertes Wochenende.
Da die Sonne sich hier immer noch nicht überlegt hat, sich für den Winter fertig zu machen, war dies eine perfekte Gelegenheit, meine Lernaktivitäten an den Strand zu verlegen. Obwohl es dort windiger war als auf meiner Dachterasse, ist der Klang des rauschenden Meeres als Hintergrundmusik für das Durcharbeiten meiner Skripte einfach unübertrefflich. Bei lauschigen 25 Grad und strahlend blauem Himmel verbrachte ich den kompletten Mittag am Strand.
An dieser Stelle möchte ich aufmunternde Grüße nach Köln bestellen und mein Mitgefühl bezüglich des einsetzenden Bodenfrostes bei Nacht (sofern ich dem Wetterbericht Glauben schenken darf) kundtun.
Später am Nachmittag gab es dann noch weitere Premieren. Hendrik war zu munter, um den Tag trantütig wie der Rest in der Wohnung zu verbringen und stattete mir - als erster wohlgemerkt - einen Besuch ab. Nachdem ein Kaffee auf meiner Dachterasse kredenzt, eine Inspektion der religiösen Gegenstände in meiner Wohnung durchgeführt und ein strandtauglicher Fußball in meinem Zimmer entdeckt wurde, machte ich meinen Gast mit den Sehenswürdigkeiten meines Viertels bekannt. Der Mercat von Sant Antoni hatte aufgrund des Feiertags leider seine Tore geschlossen, doch mit einem Spaziergang zum MACBA und über die Rambla de Raval mit ihrer Vielzahl an Dönerstübchen und preisgünstigen Bocadillobuden wusste ich Hendrik trotzdem zu beeindrucken.
Der Ausflug wandelte sich schließlich zu einer kulturellen Erkundungstour, denn der Passeig de Gracia beherbergte noch immer die berühmten Gaudí-Bauwerke. Diese interessierten jedoch nur sekundär, da wir unser Augenmerk auf den mit unglaublich viel Liebe zum Detail blümerant gepflasterten Fußweg legten und (sogar mit Erfolg) versuchten, Fehler zu entdecken.
Eine Einladung zum gemeinsamen Abendessen im Eixample nahm ich gern an und durfte mich zum wiederholten Male bekochen lassen. Reis mit Gambas war ein schönes Dinner für den Feiertags-Anlass.
Freu dich - die Minusgrade sind hier noch weit weit weg!

HB CL: FCB-THW

Sonntag, 11.10.:
Pünktlich zu meinem 50. Blogeintrag weiß ich von einem echten Highlight meines Barcelonaaufenthalts zu berichten!
Heute stand die von mir schon seit Wochen herbeigesehnte Hanball-Champions-League-Begegnung von den beiden Weltspitzenteams FC Barcelona Borges und dem THW Kiel auf dem Programm. Am Tag des Vorverkaufsstarts hatten Robert und ich Karten für dieses Spiel gekauft und wollten den anderen "unseren Sport" mal ein wenig näher bringen. So machten wir uns an diesem sonnigen Nachmittag auf zum Palau Blaugrana, der Austragungshalle direkt neben dem Camp Nou. Während der Metrofahrt zur Halle wurden diverse Jubelgesänge einstudiert und
geschichtliche Hintergründe der Begegnungen dieser beiden Teams zum Besten gegeben.
So sollten wir Welthandballer Thierry Omeyer, Nationalspieler Dominik Klein, Zeitzi,
Ahlm, Andersson, Sprenger, Narcisse, Jicha, Ilic, Lundström und Lund neben weiteren Handballgrößen auf Kieler Seite zu Gesicht bekommen und Iker Romero, Mikkel Hansen, Joachim Boldsen, Rutenka, Nagy und Barrufet als Leistungsträger auf der spanischen Seite.
Noch nie hatte es ein Unentschieden bei Spielen dieser Mannschaften gegeneinander gegeben und das Siegerverhältnis war ebenfalls ausgeglichen.
Wir freuten uns also auf ein spannendes Spiel und da Robert als erste Amtshandlung in der Halle erstmal einen inbrünstigen Schrei loswerden musste, wurde er sogleich von einem Bekannten aus Köln wiedererkannt, der sich daraufhin zu uns gesellte.
Das Catering in der Halle ließ zwar zu wünschen übrig, denn es gab nicht mal Hotdogs oder andere warme Snacks, sondern nur Erdnüsse und alkoholfreies Bier, jedoch sollten wir durch unsere guten Plätze und die daraus resultierende astreine Sicht entschädigt werden.
Das Spiel war wie erwartet packend und super anzusehen, Omeyer wuchs wieder einmal über sich hinaus und ich ließ mich sogar dazu hinreißen, mein Nationalgefühl über mein Flensburger Vereinsherz zu stellen und klatschte irgendwann für die Kieler :-X.
Ein 30:27 stand am Ende mit den Kielern als Gewinnern auf der Anzeigetafel und wir alle freuten uns, dass wir uns dieses Spiel nicht haben entgehen lassen. Natürlich kribbelt es seitdem wieder stärker in Roberts und meinen Fingern....Handball ist halt einfach der beste Sport der Welt!
Freu dich - FCBarcelona, més que un club